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Lust machen auf Shoppen im Internet

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Stefan Kahlau (l.) und Michael Heyking haben den Sprung ins kalte Wasser gewagt und betreiben seit vier Jahren in Bischofswiesen ihre E-Commerce-Agentur »Jennerwerk«. Foto: Anzeiger/Irlinger

Bischofswiesen - Vom Fertighaus bis zur maßgeschneiderten Babykleidung, vom Hundezüchterzubehör bis zur Delikatesse aus der Großmetzgerei - im Internet kann man heutzutage fast alles kaufen. Dafür, dass die Kauflust der Kunden aber erst richtig geschürt wird, sorgen Michael Heyking und Stefan Kahlau. Die beiden Wahl-Bischofswieser erstellen in ihrer E-Commerce-Agentur »Jennerwerk« in Bischofswiesen Online-Shops für Firmen.


Die zwei Geschäftsführer verbindet weitaus mehr als nur die Liebe zum Internet. »Wir waren gemeinsam in der Schule, haben zusammen Abitur in Crailsheim (Baden-Württemberg) gemacht, waren gegenseitig Trauzeugen«, erzählt Michael Heyking gut gelaunt. Das volle Freundschaftsprogramm. Doch irgendwann trennten sich ihre Wege. Örtlich und beruflich. Michael Heyking arbeitete nach seinem Studium der Wirtschaftsinformatik in München als Unternehmensberater, Stefan Kahlau absolvierte eine Lehre zum Speditionskaufmann und verdiente anschließend seine Brötchen als Geschäftsführer eines Speditionsunternehmens.

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Freundschaftlich blieben die beiden aber immer in Kontakt. »Wir haben acht Jahre nebeneinander her gelebt und uns immer vorgejammert, wie blöd wir eigentlich unsere Arbeit finden«, schmunzelt Heyking. Die gut bezahlten Jobs aufgeben, wollten beide aber trotzdem nicht. Bis das Schicksal zuschlug. »Meine Großeltern hatten schon immer ein Haus in Bischofswiesen, meine Eltern sind schließlich 2005 fest hierhergezogen«, erzählt Heyking. Die Bergwelt konnte sein Vater aber lediglich drei Jahre genießen, 2008 verstarb der Papa. »Nur ein Jahr darauf hatte meine Mutter einen Unfall und hätte zur Pflege in die Insula gemusst.« Das wollte der Wirtschaftsinformatiker aber auf keinen Fall. »Es war der bekannte Tritt in den Hintern, ich habe mir ein Jahr unbezahlten Urlaub genommen und bin zu meiner Mama nach Bischofswiesen gezogen.«

Beruflich ganz untätig konnte und wollte er aber nicht bleiben. Zudem war seit jeher der Wunsch nach einer eigenen Firma in ihm verwurzelt. »Ich habe Stefan am Telefon von meinem Vorhaben erzählt und dann nahm alles ganz schnell seinen Lauf«. Stefan Kahlau war ebenfalls von dem Verlangen nach Selbstständigkeit infiziert. Der Umzug von Kahlau nach Bischofswiesen wurde auf Silvester 2008/2009 festgelegt. Doch nun musste nur noch eine geeignete Firmenidee her. »Wir waren uns sicher, irgendetwas mit kaufmännischem Wissen und IT zu machen«, so Kahlau. Doch was, das war die große Frage. Und schließlich hatten die beiden auch ihren Ehefrauen gegenüber eine Verantwortung. »Es gab eine eindeutige Ansagen unserer Frauen: ›Wenn ihr eure eigene Firma aufzieht, dann habt ihr eineinhalb Jahre Zeit etwas auf die Beine zu stellen, klappt es, kommen wir nach Bischofswiesen nach, klappt es nicht, kommt ihr zu uns zurück‹«. Klare Worte der Damen Heyking und Kahlau.

So folgten viele Abende voller Kopfzerbrechen. »Irgendwann kamen wir dann auf unseren Basketballverein in Crailsheim, die spielen in der zweiten Bundesliga, haben aber keinen Shop im Internet, wo sie ihre Fanartikel verkaufen«, erinnert sich Heyking. Gleichzeitig waren sich die beiden sicher, wenn sie Handel im Internet betreiben wollten, brauchen sie selbst Praxiserfahrung. »Wir haben T-Shirts mit der Watzmann-Silhouette bedrucken lassen und uns selbst Sprüche dazu ausgedacht«, erzählt Kahlau. Diese wurden dann über die Internetseite www.Bergshirts.de sowie an einem Kiosk am Hintersee verkauft. Und nicht zuletzt dank einer bergaffinen Freundin, die die Shirts auf ihren Hochtouren anderen Bergsteigern präsentierte, begann das Geschäft zu florieren. »Es war ein Zeitvertreib und wir haben Praxiserfahrung gesammelt, damit wir unseren Kunden eine bessere Beratung bieten können«, so Heyking. Fortan ging alles von ganz alleine.

Die erste Firma wurde auf die beiden aufmerksam und ließ sich von Heyking und Kahlau einen Online-Shop erstellen. Was man sich unter einem »Online-Shop erstellen« vorstellen muss, dafür haben die zwei eine anschauliche Erklärung parat: »Die Internetseite ist ein leerer Laden, wir stellen die Regale rein, füllen sie mit Ware, gestalten das Schaufenster, bauen die Kasse auf und am Tag der Eröffnung übergeben wir den Ladenschlüssel an den Besitzer.« Das heißt, angefangen von Beratung über Präsentation bis hin zum Produktwissen kreieren die beiden einen virtuellen Einkaufsladen für Firmen. »Wie erfolgreich der Laden im Internet ist, das ist dann Sache der Firmen, werben muss schließlich jeder Geschäftsmann selbst.« Nach »Ladeneröffnung« lassen die Beiden ihre Kunden trotzdem nicht alleine. »Wir arbeiten mit Vermarktungsexperten zusammen, die kümmern sich dann um alles »Weitere.«

In den vier Jahren seit ihrer Agenturgründung haben die beiden bereits an die 20 Online-Shops in Deutschland und der Schweiz erstellt. Nur im Berchtesgadener Land wurden sie erst für eine Firma in Piding tätig. »Dabei liegt gerade hier durch den Tourismus noch so viel Potenzial«, ist sich Kahlau sicher, »Es gibt generell noch ganz viele Firmen, die ihre Produkte noch nicht online verkaufen.«

Die beiden gebürtigen Crailsheimer sind in Bischofsweisen angekommen, der Wunsch nach Selbstständigkeit hat sich erfüllt, die Bedingung ihrer Frauen wurde eingehalten. Und schließlich beweist auch ihr Agenturname »Jennerwerk« eine feste Verwurzelung im Talkessel. »Wir haben jeden Tag auf den Jenner geblickt und das Wort »werk« fanden wir in Zeiten des Internets einfach schön bodenständig.« So wurde der Name den Freunden zur Abstimmung vorgelegt. »50 Prozent fanden ihn blöd, 50 Prozent fanden ihn gut. Das hat uns gereicht.« Caroline Irlinger

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