weather-image

Luxusurlaub in der Stanggaß auf dem besten Weg

3.4
3.4
Bildtext einblenden
Nach der Gemeinderatssitzung stellten sich René Wilms (l.), Direktor der Regent-Geschäftsfeldentwicklung in Europa, und Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber den Fragen des »Berchtesgadener Anzeigers«. (Fotos: Kastner)
Bildtext einblenden
Nicht alle Gebäude des ehemaligen Hotels »Geiger« sind mittlerweile hinter dichtem Bewuchs verschwunden. Doch die unschöne Ruine könnte schon bald verschwinden, wenn die Pläne der Regent-Hotelgruppe Realität werden.

Bischofswiesen – Luxusurlaub in der Stanggaß für gut betuchte Touristen aus aller Welt – das könnte schon ab den Jahren 2018/2019 Realität werden. Die Regent Hotelgruppe bekräftigte am Dienstag – eineinhalb Jahre nach ihrem ersten öffentlichen Auftritt im Bischofswieser Gemeinderat – vor dem Lokalparlament und rund 60 Zuschauern ihre Absicht, auf dem Gelände des ehemaligen Hotels »Geiger« und im Bereich der ehemaligen Kurklinik Hotels der oberen Kategorie zu errichten und zu betreiben. Das kam bei den Gemeinderäten aller Fraktionen gut an – und so leitete man auch einstimmig die Verfahren zur Aufstellung von vorhabenbezogenen Bebauungsplänen ein.


Dicht gedrängt standen die Zuschauer – darunter viele Nachbarn der künftigen Hotels – im Sitzungssaal und lauschten den Ausführungen von René Wilms, Direktor der Regent-Geschäftsfeldentwicklung in Europa. Der Berliner konnte dem Publikum und den Lokalpolitikern einige seiner erfolgreichen Hotelprojekte der letzten Jahre präsentieren – und tat dies auch ausführlich. Jüngstes Vorzeigeobjekt, das Wilms maßgeblich auf den Weg gebracht hatte, war das Hotelbauprojekt in Montenegro.

Anzeige

Berchtesgaden soll den international hoch angesehenen Regent-Hotels aber in keiner Weise nachstehen. Und so ziehen René Wilms sowie Ralf Ohletz Count von Plettenberg, Präsident von Regent Hotels and Resorts, seit über zwei Jahren in Berchtesgaden die Fäden. Doch schon nach den ersten Planungen kam laut Wilms auf, dass das Geiger-Grundstück für eine Bebauung, die wirtschaftlich Erfolg haben sollte, zu klein ist. »Die Bebauung wäre zu massiv geworden«, so René Wilms im Gemeinderat. Es war deshalb ein Glücksfall, als man von der benachbarten, seit Jahrzehnten brach liegenden Kurklinik erfuhr. Dort war die Alba Investment GmbH mit einem Projekt vor allem an den massiven Widerständen der Nachbarschaft gescheitert. Das Gelände hatten dann der Projektentwickler Martin Harlander aus St. Johann und der Salzburger Bauunternehmer Peter Kreuzberger erworben. Harlander ist im Berchtesgadener Land als Gesellschafter des Schönauer Heizkraftwerks bekannt, außerdem ist er mit Kreuzberger Gesellschafter der Bayern Wohnbau GmbH mit Sitz in Schönau am Königssee. Die beiden wollen nun mit den Planern des Regent-Hotels kooperieren.

Einzel-Palais mit luxuriösen Suiten

Auf dem ehemaligen Kurklinikgelände könnten mehrere sogenannte Palais, Einzelbauten mit luxuriösen Suiten und separaten Wellness- und Gesundheitseinrichtungen, Betriebsgebäude und Personalwohnungen entstehen. Die Palais sollen unterirdisch mit dem Hauptbau verbunden werden. Der wird zwar völlig neu gebaut werden, soll sich aber an den Grundrissen der jetzigen Kurklinik orientieren.

René Wilms versprach, dass es zusätzlich Bauten am oberen Grundstücksrand, wie früher geplant, nicht geben wird. »Wir wollen keine langwierigen Auseinandersetzungen mit den Nachbarn. Denn eine zeitliche Verzögerung des Projekts wäre für uns eine Katastrophe«, sagte Wilms. Zu- und Vorfahrt zum Hotel sollen ähnlich angelegt werden wie bei der bisherigen Kurklinik.

Spektakulärer Innenhof

Viele Gedanken haben sich die Planer gemacht, wie auf dem Gelände des Hotels »Geiger« das Raumprogramm mit seinen Chalets, 80 Hotelzimmern sowie Innen- und Außenschwimmbädern am besten umzusetzen ist. Nach derzeitigem Stand soll die Zufahrt ähnlich wie bisher angelegt werden. Der Gast betritt dann einen spektakulären Innenhof, laut René Wilms »ähnlich wie der Kreuzgang im Berchtesgadener Schloß«. Dann betritt man die eigentliche Hotelhalle »mit fantastischem Ausblick zum Watzmann«.

Auf dem Gelände untergebracht werden sollen vier Chalets mit Suiten vor allem für Familien, die einen spektakulären Blick zum Watzmann zulassen. »Es wird zahlreiche Innen- und Außenterrassen geben«, verspricht Wilms. Viele edle Hölzer sollen Verwendung finden, die Suiten werden mit offenen Kaminen ausgestattet sein. Dabei schreibt man »Flexibilität« groß, denn alle Suiten sollen je nach Bedarf abgeteilt oder zusammengeschlossen werden können.

Keinen Zweifel hat René Wilms, dass es genügend Leute gibt, die sich eine Übernachtung für 500 Euro oder eine Suite für 4 000 Euro leisten können. »Es gibt gar nicht so wenige Personen, die für einen Urlaubsaufenthalt sechsmal so viel zahlen wie ich«, sagte Wilms. Er denkt dabei vor allem an reiche Asiaten, denn Sitz der Regent Hotelgruppe ist in Taiwan.

Die Geschichte des Hotels »Geiger« will man bei der Realisierung des Projekts nicht vergessen. Wilms versprach, dass man einige alte Einrichtungsgegenstände wiederverwenden werde. So soll es beispielsweise eine »Geiger-Lounge« geben, in der an das ehemalige Vorzeigehotel erinnert wird. Mit Stefan Geiger stehe man in enger Verbindung. Die Betreiber erhoffen sich unter anderem prominente Übernachtungsgäste, welche die Salzburger Festspiele besuchen. »Das Hotel soll zu einem der führenden im gesamten Alpenraum werden«, erklärte René Wilms. Der hofft, dass bereits Ende nächsten Jahres mit dem Bau begonnen werden könnte. Dann wäre eine Eröffnung in den Jahren 2018 oder 2019 möglich.

In Anbetracht der aktuellen Entwicklung zeigten sich Bürgermeister Thomas Weber und die Gemeinderäte in der anschließenden Diskussion froh darüber, dass aus den Plänen der Alba Invest GmbH nichts geworden ist. Hans Metzenleitner (SPD) sprach von »vorsichtigem Optimismus«, schließlich habe die Gemeinde eine touristische Aufwertung bitter nötig. »Die Gemeinderäte der letzten Jahre haben gut daran getan, an einer touristischen Nutzung für das Geiger-Grundstück festzuhalten«, sagte Metzenleitner.

Einen »positiven Eindruck« vom Projekt hatte FW-Sprecher Thomas Resch, dem die asiatisch-arabischen Einflüsse im neuen Hotel gut gefielen. Dagegen erwähnte Paul Grafwallner (UBB) die gute Raumplanung bei dem Projekt, die sehr flächenschonend sei. Im Gegensatz zum früheren Kurklinikprojekt drohe den Investoren diesmal kein Gegenwind, zumal sie Transparenz versprochen und die Nachbarn ins Boot geholt hätten. Auch Michael Sturm von den Grünen hatte nichts einzuwenden. Für ihn ist wichtig, dass Investor und Betreiber dieselbe Gesellschaft sind.

CSU-Sprecher Bernhard Heitauer erhofft sich eine touristische Renaissance der Stanggaß durch das Hotelprojekt. Außerdem werde die ganze Region davon profitieren. »Begeistert« ist laut Sepp Angerer auch die SPD von den Hotelplänen. Angerer freute sich auch darüber, dass René Wilms bereits für diesen Herbst die Präsentation eines Modells angekündigt habe. »Das ist wichtig wegen der Höhenlinien.«

Die Beschlüsse zur Aufstellung der Bebauungspläne für die beiden Hotelstandorte fielen einstimmig aus. Ebenso der Beschluss, dass das »Sondergebiet Hotel« auf dem Gelände der ehemaligen Kurklinik in den neuen Flächennutzungsplan aufgenommen werden soll. Ulli Kastner