weather-image

Mama Mrema und die Hilfe zur Selbsthilfe

2.2
2.2
Bildtext einblenden
Viele Selbsthilfeprojekte haben Gerda Kurz (l.) und Johanna Frimberger in Tansania bereits realisiert. Spenden haben die beiden auch aus der Ramsau erhalten. Auf dem Bild: Sylvest Stöckl. (Foto: Pfeiffer)
Bildtext einblenden
Der Bau der neuen Berufsschule hat im Dezember begonnen. Bis Ende des Jahres soll er abgeschlossen werden. (Repro: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Für die gebürtige Berchtesgadenerin Gerda Kurz geht es schon bald wieder zurück nach Afrika, in die Kilimandscharo-Region. Im ostafrikanischen Tansania betreut sie gemeinsam mit ihrer ehemaligen Arbeitskollegin Johanna Frimberger mehrere Selbsthilfeprojekte. Allein in den vergangenen zehn Jahren haben die beiden 250 000 Euro an Spenden gesammelt. Und dort ein Zeichen gesetzt für ein selbstbestimmtes Frauenbild.


Entwickelt hat sich Gerda Kurz' Afrikahilfe aus einer Privatinitiative heraus. »Menschen in Bayern helfen Menschen in Afrika« hieß es schon 2005 – und daraus hat sich eine ungemein erfolgreiche Unternehmung entwickelt. So gehen etwa die Einnahmen des Ramsauer »Provisorium«-Theaters an Gerda Kurz' Afrikahilfe und auch Bruder Helmut Kurz, einst Weltklasse-Skispringer und Nationaltrainer ebenjener, veranstaltete erst kürzlich ein Fußballtennisturnier für den guten Zweck. Die Einnahmen gehen direkt nach Afrika, Gerda Kurz und Johanna Frimberger werden sie Anfang August mitnehmen.

Anzeige

Ihre Liebe für Afrika, für die Menschen dort, hat Gerda Kurz nach und nach entdeckt. »Eigentlich bin ich dort hängen geblieben«, sagt sie und lacht dabei. Denn geplant war es ja nie, die Sache mit Afrika. Und vorhersehbar erst recht nicht. Denn ohne Zweifel kann man von einem großen Erfolg sprechen.

Vier Wochen Afrika

Einmal im Jahr fliegen Gerda Kurz und Johanna Frimberger nach Ostafrika. Zu Mama Mrema. Sie ist die Gründerin und Leiterin des »Women Education and Economic Center« in Moshi/Tansania. Sie kennt die schwierige Situation von Mädchen und Frauen am besten. Die eingeschränkten Bildungschancen, die Abhängigkeit von deren Männern. Mama Mrema überwacht die Selbsthilfeprojekte im Land. Seit 2009 haben sich die Frauen der Kilimanjaro-Region zusammengeschlossen. Sie vergeben, unabhängig von Banken, Kleinkredite. Die Regularien, die sich die Frauen selbst auferlegt haben, sind streng, aber erfolgreich. Damit etwa eine Frau Gemüse anbauen kann, das sie wiederum verkauft und davon ihr Leben bestreitet.

»Ohne Mama Mrema würde das alles nicht funktionieren«, sagt Gerda Kurz. Sie verfolgt das Ziel, dass sich Menschen vor Ort »auf Augenhöhe selbst helfen können.« Es gilt also nicht nur, Geld zu geben, sondern Projekte anzustoßen und schließlich aus eigener Kraft umzusetzen.

Die Frauen in der Kilimandscharo-Region sind in Gruppen aufgeteilt, etwa 30 Personen. Einmal im Monat treffen sie sich. Auch, um die Finanzlage zu überprüfen. Die Treffen verlaufen immer nach einem vereinbarten, gleichen Ritual. Zunächst wird die Kasse, ein roter Behälter mit drei Schlössern, von einem unbekannten Ort geholt. Drei Frauen, jede mit einem Schlüssel ausgestattet, öffnen die Schlösser. Damit soll verhindert werden, dass jemand den Inhalt der Kasse klaut. Danach wird das in der Kasse befindliche Geld gezählt. Die Frauen werden aufgerufen, ihre Ersparnisse in die Kasse zu legen. Das Geld wird erneut gezählt, eine Schriftführerin beglaubigt das Kassenvermögen. Darlehen werden zurückgezahlt, schriftliche Anträge auf Kredite bearbeitet. »Das System funktioniert gut«, sagt Gerda Kurz. Der Geldverleih verläuft klassisch, Zinsen werden erhoben, gleich bei der ersten auszubezahlenden Rate werden diese einbehalten. Damit sollen wiederum Projekte teilfinanziert werden.

Aber vor allem sind es Spenden, die zum Zug kommen. So auch bei einer neuen Berufsschule, mit deren Bau im Dezember letzten Jahres begonnen worden war und die Ende diesen Jahres fertiggestellt werden soll. Stolz zeigen Gerda Kurz und Johanna Frimberger Bilder des Gebäudes, in das auch Spendengelder von Ramsauer Bürgern geflossen sind. Die Grundmauern stehen bereits, die Arbeiten laufen.

Honig, Silos, Schulgebühren

Für Gerda Kurz hat es oberste Priorität, direkt ins Land zu reisen, in jene schöne Kilimanjaro-Region. »Spenden, die über die Regierung laufen, kommen – wenn überhaupt – nur teilweise an«, sagt sie. Deshalb nehmen die beiden abenteuerlustigen Frauen das Geld auch immer direkt mit, verteilen es im Land, begutachten den Fortschritt der Selbsthilfeprojekte. Davon gibt es viele. So etwa eine Reihe von Getreidesilos, die in den letzten Monaten gebaut worden waren. Dort können wichtige Vorräte gelagert werden, die vor allem in Not- und Dürrezeiten zum Einsatz kommen. Mitfinanziert wurde unter anderem Schulgebühren, auch ein Lehrerhaus für die örtliche Schule, ein Imkerei-Projekt, das für die Herstellung von Honig zum Weiterverkauf diente, ein Solarprojekt, bei dem Dutzende Solarlampen gebaut wurden, die Licht liefern, kostenlos. 250 000 Euro sind in den letzten zehn Jahren zusammengekommen. Gerda Kurz und Johanna Frimberger sind stolz auf die Spender, die hohe Summe, die investiert wurde und den Frauen in der tansanischen Region Unabhängigkeit schafft.

Im August werden die zwei Frauen wieder zu Mama Mrema reisen, Fortschritte verfolgen, neue Projekte anstoßen. »Wir freuen uns darauf«, sagt Gerda Kurz.

Wer sich über die Privatinitiative informieren möchte, kann dies tun unter E-Mail gm.kurz@t-online.de oder Telefon 08459/330977. Kilian Pfeiffer

Italian Trulli