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»Manche Gesellenstücke sind schon Meisterstücke«

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Valentin Fick: Kleiderschrank, Eiche geölt.

Berchtesgaden – In jedem Jahr zieht in der Berufsfachschule für Holzbildhauerei und Schreinerei des Landkreises Berchtesgadener Land, kurz Schnitzschule Berchtesgaden genannt, die gleiche Grundstimmung ein: Bevor die Freisprechungsfeier beginnt, stehen Eltern und andere Besucher staunend vor den Gesellenstücken und geraten vor Bewunderung gelegentlich in Verzückung.


Berechtigt, denn zumindest für den Außenstehenden ist kaum erkennbar, was noch besser zu machen wäre als das, was die Schreiner nach »nur« dreijähriger Lehrzeit in die Räume des Hoffischerhauses gestellt haben. Etwa den Kleiderschrank aus Eiche oder die Kommode aus amerikanischem Nussbaum.

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Und ähnlich ist es bei den Holzbildhauern, die beispielsweise mit der eichernen »Iris« oder »Lamin« tief beeindrucken. Zehn Schreinerinnen und Schreiner sowie elf Holzbildhauerinnen und Holzbildhauer erhielten in der in diesem Jahr den 160. Geburtstag feiernden Schnitzschule ihre Gesellenbriefe.

Was auch in jedem Jahr zuverlässig eintrifft: Egal in welchem Raum die Freisprechung stattfindet, es ist immer heiß. Das ist unangenehm. Was möglicherweise aber dazu führt, dass die vor der Aushändigung der Gesellenbriefe obligatorischen Reden meist sehr kurz sind. Das ist angenehm.

Lob vom Landrat

Das Grußwort von Landrat Georg Grabner kam gleich nach der offiziellen Begrüßung durch Schuldirektor Norbert Däuber, bei der er auch die Vertreter der Gemeinden, der Berufsschule Freilassing oder der Handwerkerinnungen willkommen heißen konnte. Grabner bekundete seine Begeisterung nach der Besichtigung der Gesellenstücke. Beeindruckt sei er von den Möbeln und Skulpturen, ließ er wissen, und dass er immer gern nach Berchtesgaden komme, auch, weil er hier jedesmal erstaunliche Dinge sehe. »Ihr seid nicht nur Handwerker, sondern auch Künstler.« Jedesmal auch bewundere er die Kreativität, das Design, die Verarbeitung und anderes zutiefst. Und er wolle auch den Lehrkräften der Schule Dank aussprechen, weil er wisse, dass nur in der Zusammenarbeit von Lehrern und Schülern im Gemeinschaftswerk solche Arbeiten entstehen könnten. Kurz fasste sich anschließend auch Berchtesgadens zweiter Bürgermeister Bartl Mittner, der die Grüße der Gemeinde überbrachte und ebenfalls seine hohe Wertschätzung bekundete.

Schnitzschuldirektor Norbert Däuber zeichnete den Weg eines Schnitzschülers nach. »Lehrling ist jedermann, Geselle ist, wer was kann, Meister ist, wer etwas ersann!« Dieser Spruch an der Eingangstür des Schulgebäudes empfange jeden neuen Schüler. Und so sei folgerichtig, dass man sich in Anbetracht der Leistungen der jetzigen Absolventen zuerst bei den Lehrern bedanken müsse.

Auf die eigene Laufbahn als Schnitzschüler blickend, erzählte er von seinem Lehrer Josef Vinatzer, der seine Zöglinge sogar in den »Schwitzkasten« genommen hatte, um einen anderen Blick zu ermöglichen. In seiner Zeit hätten die Schüler Meisterwerke kopiert, zwar Handwerk in Vollendung gelernt, aber eigene Ideen nicht zu entwickeln brauchen. Das sei mit seinem Vorgänger Gerhard Passens anders geworden, die eigene Kreativität ins Licht gerückt worden. Und so sei er auch diesmal verblüfft beim Betrachten mancher Stücke. »Viele Gesellenstücke sind eigentlich Meisterstücke.« Rochus Sebold hatte alsdann das Vergnügen, »seinen« Schreinern die Gesellenbriefe zu überreichen. Die Holzbildhauer erhielten ihre Gesellenbriefe von ihrem Lehrer Lutz Hesse.

Zehn Staatspreise und zwei Förderpreise

Zuletzt gab es noch für die Besten der Schreiner- und Holzbildhauergesellen den Staatspreis der Regierung von Oberbayern, den Landrat Georg Grabner mit Direktor Norbert Däuber überreichte. Kriterium für diese Auszeichnung ist eine »1« vor dem Komma des Notendurchschnitts. Immerhin waren das bei den Schreinern sieben von insgesamt zehn Absolventen, bei den Holzbildhauern übersprangen drei diese hohe Hürde. Und wie in jedem Jahr zeichnete die Schule auch in jeder Sparte einen der neuen Gesellen mit dem Förderpreis der Schnitzschule aus. Der Holzbildhauerin Rebekka Stadler sowie dem Schreiner Valentin Fick wurde diese Ehre zuteil. Dieter Meister