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Markige Sprüche zum Markenprozess

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Sorgten mit ihren pointierten Redebeiträgen für Unterhaltung in der IHK-Sitzung: Supermarkt-Inhaber Michael Dorrer und Bauunternehmer Werner Schmölzl. (Foto: Fischer)

Berchtesgaden – Eine lange Geschichte voller Missverständnisse: Seit etwa vier Jahren basteln Touristiker, Kommunalpolitiker, Unternehmer und Marketingexperten am sogenannten Markenbildungsprozess für das Berchtesgadener Land.


Obwohl er seit vier Monaten offiziell abgeschlossen ist, herrscht in der Bevölkerung nach wie vor große Unkenntnis. Und Unverständnis. Das zeigte sich diesmal bei der Tagung des IHK-Regionalausschusses im AlpenCongress.

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Zunächst war Dr. Thomas Birner, der Leiter der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) an der Reihe. In einem Vortrag erläuterte er die Marke »Berchtesgadener Land«, die für den Landkreis als Wirtschaftsraum steht. Die anschließende Fragerunde brachte Fragwürdiges zutage. Denn es zeigte sich, dass die anwesenden Unternehmer – und damit die Hauptakteure der Markenbildung – kaum Ahnung davon haben beziehungsweise sogar Kritik üben.

Die Vorsitzende des Regionalausschusses, die Geschäftsführerin des Marktschellenberger Autozulieferers psm protech, Irene Wagner, stellte zunächst klar, dass sie den Markenbildungsprozess von Anfang an als professionell empfunden habe. »Um erfolgreich zu sein, muss man erst einmal seine Stärken und Schwächen herausfinden«, so Wagner. Für sie biete das Berchtesgadener Land die ideale Work-Life-Balance für bergaffine Menschen.

Der Markenprozess habe sie aber ab einem bestimmten Punkt genervt. Und zwar, »als die politischen Akteure kamen«. Das Kirchturmdenken der Kommunalpolitiker habe den Prozess extrem verlangsamt. Die Bürgermeister hätten weder Weitblick, noch Sachwissen. »Politik ist schrecklich«, so die Unternehmerin. Abschließend betonte Irene Wagner aber: »Wenn man das alles bedenkt, ist das Ergebnis super.« Das Berchtesgadener Land müsse als Region erkannt werden, »in der sportliche Arbeitnehmer gut leben können«. Für Irene Wagner ist außerdem klar: »Wir leben in erster Linie nicht vom Tourismus.« Und: »Wirtschaft ist nicht negativ.«

Die Sitzungsteilnehmer hatten dann viele Fragen an Dr. Thomas Birner. Scheinbar sind einige Unternehmer nicht über die grundlegendsten Aspekte des Markenprozesses informiert. Für Michael Dorrer, Inhaber mehrerer Supermärkte, liegt die Schuld bei der WFG. Sie sei nicht in der Lage, den Markenprozess effektiv zu kommunizieren. »Wie soll die Marke funktionieren, wenn die Unternehmer nicht mitmachen?«, wollte er wissen. Auch der Vorstandsvorsitzende der VR-Bank Oberbayern-Südost, Josef Frauenlob, ließ kaum ein gutes Haar an der Wirtschaftsförderung: »In fachlicher und personeller Hinsicht erkenne ich Redundanzen«, sagte er. Will heißen, dass die WFG mit ihrer Beratung auf dem Terrain anderer wildert. Zum Beispiel dem der Banken.

Herbe Kritik kam auch von Bauunternehmer Werner Schmölzl aus Bayerisch Gmain. Das erklärte Ziel der WFG, nur noch Unternehmen mit hoher Wertschöpfung im Landkreis haben zu wollen, halte er für eine Aburteilung einiger bestehender Firmen. Das ließ Dr. Thomas Birner jedoch nicht auf sich sitzen. Bei der Entwicklung von Wirtschaftsflächen gelte: entweder einheimisch oder hohe Wertschöpfung. Christian Fischer