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Marktschellenberg tritt auf die Bremse

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Wenn es nach der Mehrheit im Marktgemeinderat Marktschellenberg geht, dann soll zusätzlich zur Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h ein Parkverbot für die Messerergasse erlassen werden. Foto: Anzeiger/Kastner

Marktschellenberg – Es war eine kontroverse Diskussion zum Thema Geschwindigkeitsbegrenzungen, die am Montag im Marktgemeinderat Marktschellenberg geführt wurde. Ausgangspunkt war ein Antrag von Anwohnern der Messerergasse und der Tiefenbachstraße (Kreisstraße BGL 5) an das Landratsamt auf Schaffung einer 30-km/h-Zone zwischen Haus »Geiereck« und Einmündung in die Bundesstraße 305. Der Marktgemeinderat sprach sich im Zuge einer Anhörung mit 7:4 Stimmen für die verkehrsberuhigte Zone aus und beantragte gleichzeitig den Erlass eines Parkverbots in der Messerergasse. Entscheiden wird allerdings das Landratsamt.


Weil es sich um eine Kreisstraße handelt, hatte die Marktgemeinde Marktschellenberg den von 15 Anliegern unterschriebenen Antrag an das Landratsamt weitergeleitet. Die Unterzeichner hatten ihren Wunsch damit begründet, dass der Verkehr auf der Kreisstraße BGL 5 in den letzten Jahren stark zugenommen habe, was sich negativ auf die Lebensqualität der Anlieger auswirke und eine erhöhte Unfallgefahr darstelle. Bürgermeister Franz Halmich wusste, dass die Zunahme des Verkehrs auch mit der Programmierung der Navigationssoftware zusammenhänge, die die Autos gerne über diese Strecke leite. Das zuständige Landratsamt bitte nun die Gemeinde um eine Stellungnahme.

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Anliegerin Sophie Stanggassinger (CSU) wusste zu berichten, dass in diesem Bereich vor einigen Jahren einmal ein Verkehrsteilnehmer mit 95 km/h gemessen worden sei. Immerhin wohnten hier 20 Kinder, drei Bauern, es gebe zehn teils unübersichtliche Ein- und Ausfahrten sowie sechs Vermieterbetriebe. »Wenn wir schon die Möglichkeit haben, uns hier zu äußern, dann sollten wir es probieren und für eine Geschwindigkeitsbegrenzung stimmen«, plädierte Sophie Stanggassinger. Immerhin verleite die 5,60 Meter breite Kreisstraße zum schnellen Fahren. »Wenn die Leute in der 30er-Zone dann 50 fahren, sind wir eh schon zufrieden«.

Dr. Michael Köhler (CSU) berichtete aus eigener Erfahrung, dass ihm in der »Geiereck«-Kurve schon Autos »entgegengeschossen sind«. Um die Leute zum vorsichtigen Fahren zu animieren, plädiere er für eine 30er-Zone.

Mehr Tempolimits gefordert

Grundsätzlich für eine Tempobegrenzung sprach sich auch Josef Sunkler (FWG) aus. Allerdings war er der Ansicht, dass entsprechende Verkehrsanordnungen auch für andere Bereiche in der Gemeinde wichtig wären. Vor allem für die weiterführende Kreisstraße BGL 6, die am Scheffauer Fußballplatz vorbeiführe. »Hier sind bei Veranstaltungen viele Kinder mit dem Rad unterwegs«. Mit einem Tempolimit könnte man nach seiner Meinung bereits am Reckensberg beginnen.

Bürgermeister Franz Halmich erinnerte daran, dass es in der Marktgemeinde Marktschellenberg viele Straßen mit ähnlicher Situation gebe. »Wenn hier die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h durchgeht, dann müssen wir mit Konsequenzen auch an anderen Stellen rechnen«, so Halmich, der als Beispiel die Ettenberger Straße nannte. Im Bauausschuss sei auch der Vorschlag gekommen, eventuell nur das Steilstück auf 30 km/h zu beschränken und als ersten Schritt lediglich das Parken in der Messerergasse zu verbieten und gleichzeitig um stärkere Überwachung zu bitten.

Lediglich ein Parkverbot zu erlassen, hielt Dr. Michael Köhler für keine gute Idee. »Durch die dann breitere Straße würden die Leute zu noch schnellerer Fahrweise animiert«, sagte der Gemeinderat. Insgesamt stellte er der Verkehrsbehördebei Betrachtung der Straßen in der Scheffau kein gutes Zeugnis aus: »Ich frage mich, wo die ihr Hirn gelassen haben, wenn man kurz vor einer Engstelle oder vor Einfahrten die 70 km/h aufhebt«.

Warnung vor Schnellschuss

Von einem Schnellschuss in Sachen Geschwindigkeitsbegrenzung hielt Peter Hüttinger (FWG) nichts. Er konnte sich eine verkehrsberuhigte Zone lediglich für den unteren Bereich in der Messerergasse vorstellen. Und Franz Kranawetvogl (LWG) deutete an, dass man mit 50 km/h ja schon zufrieden sei. Er plädierte dafür, vor einer Entscheidung erst einmal Geschwindigkeitsmessungen anzuregen. »Dann sehen wir, wie schnell dort wirklich gefahren wird«.

Clemens Wagner (CSU) erinnerte an das Ortsentwicklungsprogramm, in dem festgehalten sei, dass man sich in Marktschellenberg auch außerhalb des Autos wohlfühlen soll. Wagner plädierte deshalb für eine 30er-Zone, »weil es ein Signal ist, dass bei uns die Leute Vorrang vor den Autos haben«.

Letztlich setzten sich die Befürworter einer 30er-Zone durch. Mit 7:4 Stimmen beschloss das Gremium, die verkehrsberuhigte Zone zwischen Haus »Geiereck« und Einmündung in die Bundesstraße 305 gegenüber dem Landratsamt zu befürworten. Als Konsequenz stimmten schließlich alle Marktgemeinderäte für den eigenen Antrag, ein Parkverbot auf der Kreisstraße BGL 5 im Bereich Messerergasse anzuregen. Ob tatsächlich alles so kommt, liegt nun in den Händen der Verkehrsbehörde am Landratsamt. Ulli Kastner

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