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Marktschellenbergs Zentrum tot

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Das große Ziel im Tourismusverein Marktschellenberg war, die Ortsmitte wieder zu beleben. Bis auf wenige Veranstaltungen ist das aber noch nicht geglückt, wie man im Vorstand zugeben muss. (Foto: Archiv/Pfeiffer)

Marktschellenberg – Seit Monaten gibt es Querelen im Tourismusverein Marktschellenberg. Nun wurde eine neue Vorstandschaft gewählt. Vorausgegangen war ein Abgang des ehemaligen Vorsitzenden Heli Unterberger, der von heute auf morgen sein Amt an den Nagel gehängt hatte – bereits im Juli. »Wegen so mancher Differenzen«, erfuhr der »Berchtesgadener Anzeiger« aus informierten Kreisen. In der neuen Vorstandschaft gibt man sich zurückhaltend: »Es gibt keine Unstimmigkeiten«, so die zweite Vorsitzende, Michaela Köppl.


Gar nicht so lange ist es her, da hatte man im Vorstand des Tourismusvereins Marktschellenberg zumindest noch einen Lichtblick, dass alles besser würde. »Es geht langsam wieder bergauf«, hieß es im Artikel zur Jahreshauptversammlung 2014, der im »Berchtesgadener Anzeiger« erschienen war.

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Zum ersten Mal hatten wieder mehrere Mitglieder an einer Jahreshauptversammlung teilgenommen, »Fortschritte« in der Entwicklung des Vereins und bei Veranstaltungen wurden verkündet. Doch so rosig, wie es auf der Versammlung vorgetragen wurde, ist die Situation nicht.

»Ich möchte mich dazu nicht äußern«, sagt ein Mitglied aus dem Vorstand, angesprochen auf die Gründe für den Wechsel an der Vereinsspitze. Überhaupt gibt man sich sehr wortkarg, wenn es um den ehemaligen Vorsitzenden Heli Unterberger geht, der im Verein einiges angestoßen hat, was in der Vorstandschaft auch niemand bestreiten möchte. Nur fehlte der Rückhalt. »Bei Veranstaltungen war der Vorsitzende oft alleine«, erinnert sich einer. Schon im Bericht zur Jahreshauptversammlung hieß es: »Nicht immer die Gleichen sollten sich um die Veranstaltungen und den Verein kümmern, sondern alle sollten anpacken.«

So war es Heli Untersbergers erklärtes Ziel, den Marktschellenberger Marktplatz, der über weite Teile des Jahres wie ausgestorben wirkt, zu beleben. Dies sollte mit einem »Standl«, das man anmieten kann, geschehen, mit diversen Standkonzerten, die das Leben auf die Straßen des Tourismusortes zurückholen sollte. Einige Veranstaltungen gab es, forciert wurde die Sache aber nicht – und verlief im Sand.

»Marktschellenbergs Zentrum ist tot«, sagt ein Vorstandsmitglied heute. Wie ausgestorben sei die Ortsmitte. Nur bei größeren Veranstaltungen erwache der kleine Ort zum Leben. Die Feststellung zeigt, dass der Handlungsbedarf im Ort größer ist denn je. Nachfragen beim neuen Vorsitzenden Rupert Hinterbrandner blieben erfolglos, da er telefonisch nicht erreichbar war. Dessen Stellvertreterin Michaela Köppl sagte auf Anfrage des »Berchtesgadener Anzeigers«, dass es im Verein keine Unstimmigkeiten gebe, »es läuft alles gut«. Der ehemalige Vorsitzende Heli Unterberger sei »aus persönlichen Gründen zurückgetreten«. Keine Antwort gab es auf die Frage, warum die neue Vorstandschaft im Geheimen gewählt worden war. Dass es »Knatsch« gab, bestätigt Marktschellenbergs Bürgermeister Franz Halmich in einer E-Mail. Details kenne er aber keine.

Bereits am 10. Oktober hatte eine außerordentliche Mitgliederversammlung im Gasthaus Kugelmühle stattgefunden. Im Schriftführerbericht ist protokolliert, dass sich Heli Unterberger bereits am 26. Juli vom Vorsitz zurückgezogen hatte. Michaela Köppl hatte sich damals bereit erklärt, das Amt bis zur Neuwahl zu übernehmen. »Nicht den Kopf hängen lassen«, heißt es im Schriftführerbericht bezugnehmend auf Untersbergers Ausscheiden. Der hat sich aus dem Tourismusverein komplett zurückgezogen. Für einige Monate wird er noch den Internetauftritt betreuen, da er auch die entsprechende Seite entworfen hat. Eine Annäherung zwischen neuer und alter Vorstandschaft scheint derzeit weit entfernt. Kilian Pfeiffer