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Massiver Steinschlag reißt Bergsteiger mit

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Zwei Bergsteiger wurden am Samstag in der Watzmann-Ostwand von einem massiven Steinschlag mitgerissen und dabei schwer verletzt. Die Polizei schließt momentan ein Fremdverschulden aus.
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Es wird dringend abgeraten, die Watzmann-Ostwand in nächster Zeit zu begehen, da die Gefahr von weiteren Felsstürzen droht. (Fotos: Bergwacht Berchtesgaden)

Schönau am Königssee – Zwei 47- und 50-jährige Bergsteiger aus Nordbayern waren am Samstag gegen 13.30 Uhr beim Brotzeitmachen oberhalb des Schuttkars in der Watzmann-Ostwand, als sie von einem massiven Steinschlag überrascht wurden. Die Felsmassen rissen sie mit bis zum unteren Schuttkar, wo die Bergsteiger schwer verletzt liegen blieben. Der Steinschlag war so gewaltig, dass ihn Wanderer am weit entfernten Kahlersberg im Hagengebirge auf der anderen Seite des Königssees hörten.


Die Geröllbrocken lösten sich aus der Wand im Bereich des Berchtesgadener Weges oberhalb des Schuttkars zwischen erstem und zweitem Sporn. Nach derzeitigem Kenntnisstand der Polizei befanden sich die beiden Männer aus Nordbayern gerade am oberen Schuttkar im Übergang zum Felsbereich, als sich über ihnen unvermittelt etwa 300 Kubikmeter Fels lösten. Die beiden Bergsteiger in der Ostwand wollten sich zwar noch in Sicherheit bringen, hatten jedoch keine Chance, aus der Steinschlag-Rinne zu entkommen.

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Drei Bergsteiger, die sich bei einer Gelände-Erkundung hinter den beiden noch am Beginn des Schuttkars befanden, konnten den Felssturz beobachten. Sie riefen sofort die Bergwacht, noch bevor sich die Staubwolke wieder gelegt hatte. Die Drei stiegen zu den Schwerverletzten auf, um Erste Hilfe zu leisten.

Die Bergwacht Berchtesgaden und der Traunsteiner Rettungshubschrauber »Christoph 14« machten sich auf den Weg zum Unfallort. Der Bergwacht-Einsatzleiter, der Hubschrauber- und der Bergwacht-Notarzt stiegen nur wenige Minuten später über die Kufe in rund 1 400 Metern Höhe im Schuttkar aus. Die beiden Ärzte und der Sanitäter übernahmen die medizinische Erstversorgung und lagerten die Männer dann in zwei Luftrettungssäcke um.

Einer der Bergsteiger war noch ansprechbar, jedoch schwer verletzt. Sein Freund war nicht mehr bei Bewusstsein, da er massive Kopf- und Rumpfverletzungen erlitten hatte. »Christoph 14« flog dann sofort den schwerer verletzten 50-Jährigen zusammen mit einem Arzt zum Landeplatz in Schönau, wo er im Rettungswagen für den Weiterflug zum Salzburger Unfallkrankenhaus versorgt und stabilisiert wurde.

Währenddessen holte die Besatzung des Salzburger Notarzthubschraubers »Christophorus 6« den 47-jährigen Verletzten aus der Ostwand. Der Mann wurde zum Salzburger Landeskrankenhaus geflogen. Während der Rettungsaktion drohte ständig die Gefahr, dass weiterer Steinschlag folgen könnte.

Die restlichen drei Bergretter und die drei Bergsteiger, die für Sonntag die Tour ausgekundschaftet hatten, wurden gegen 14.50 Uhr mit dem nachgeforderten Polizeihubschrauber »Edelweiß 2« per Winde aufgenommen und nach St. Bartholomä ausgeflogen. »Edelweiß 2« flog dann mit einem Berchtesgadener Polizeibergführer in die Ostwand, um Details zum Unfallhergang und Felssturz zu ermitteln. Die Polizei geht momentan nicht von einem Fremdverschulden aus. Der Steinschlag war für die beiden Berggeher auch nicht vorhersehbar. Zur Betreuung von Angehörigen der Verletzten wurde vorsorglich der Kriseninterventionsdienst (KID) der Bergwacht verständigt. fb