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Medaillenglanz im Markt: So sehen Sieger aus

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Berchtesgaden – »So sehen Sieger aus« schallte es am Mittwochabend durch den ganzen Markt. Der Song von Christian Venus und ein farbenprächtiges Feuerwerk vom Dach des Hotels »Edelweiß« setzten den Schlusspunkt hinter eine unterhaltsame Feier, mit der das Berchtesgadener Land seine erfolgreichen Olympioniken begrüßte. Rund 1 500 Fans bejubelten die Athleten und huldigten ihnen in mehreren La-Ola-Wellen, die vom Bayerischen Fernsehen in einer Live-Übertragung ins ganze Land hinausgetragen wurden.


Die Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee mit ihren fünf Mitgliedsgemeinden und das Gebirgsjägerbataillon 232 in der Strub hatten zu dieser bunten Olympiafeier eingeladen und beauftragten Hartmut Karstens mit der Organisation. Schließlich galt es laut Landrat Georg Grabner »aus einheimischer Sicht historische Erfolge« zu feiern. Tatsächlich tauchen in der olympischen Bilanz fünf einheimische Medaillengewinner mit insgesamt acht Gold- und einer Silbermedaille auf. Die heimischen Rennrodler Felix Loch (RC Berchtesgaden), Tobias Wendl, Tobias Arlt (RCB/WSV Königssee) und Natalie Geisenberger (SC Miesbach) hatten nämlich nicht nur ihre Einzelrennen, sondern auch noch den Teamwettbewerb gewonnen. Und Snowboarderin Anke Karstens hatte gegen Ende der Spiele noch olympisches Silber bei den Snowboardern geholt.

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Gefeiert wurden am Mittwochabend aber auch diejenigen, die diesmal keinen Podestplatz erreicht hatten, aber dennoch in Sotschi Großes geleistet haben: der Struber Sportfördergruppensoldat Johannes Höpfl (22. Platz in der Snowboard-Halfpipe), Alexander Bergmann vom WSV Bischofswiesen (13. Platz Parallel-Riesenslalom Snowboard) und Anja Huber vom RC Berchtesgaden (8. Platz Skeleton).

Sie alle marschierten gemeinsam mit ihren Trainern, den Funktionären, Politikern aus nah und fern sowie weiteren Ehrengästen vom Kongresshaus durch ein Spalier von Fackelträgern der Bundeswehr in Richtung Weihnachtsschützenplatz. Dort wurden sie im Goldregen von einer begeisterten Menschenmenge empfangen. Immerhin war die heimische Medaillenausbeute tatsächlich grandios. Moderator Gerhard Willmann hatte ausgerechnet: »Im Medaillenspielgel der Olympischen Spiele wäre Berchtesgaden auf dem 12. Platz gelandet«.

Zwei Trachtlerkinder begleiteten die Sportler dann jeweils zu den von Gerhard Willmann geführten Einzelinterviews auf die vor dem Hotel »Edelweiß« aufgebaute Bühne. Zuvor gab es auf einer Großleinwand die von Thomas Höller vorbereiteten Original-Fernsehberichte von den jeweiligen Entscheidungen in Sotschi. Werner Prünster hatte dafür gesorgt, dass Licht und Ton passten.

Snwoboarder Johannes Höpfl wünschte sich im Interview eine Halfpipe im Berchtesgadener Land – »das wär schon nicht schlecht«. Und Skeletonpilotin Anja Huber konnte nicht verbergen, dass sie mit ihrem 8. Olympiaplatz keinesfalls zufrieden ist. Zumindest mit Bronze hatte sie schon geliebäugelt. Nun blickt »Hase« bereits voraus zu den Weltmeisterschaften 2015 in Winterberg. »Irgendwie muss es doch zu schaffen sein, dass ich die Damen ganz vorne einmal wegschnicke«.

Mehr als zufrieden mit ihrer Silbermedaille ist dagegen Snowboarderin Anke Karstens, die feststellte: »Alle waren überrascht, nur ich nicht«. Dem Publikum erklärte die Bischofswieserin außerdem den Grund für ihren traditionellen Startschrei »Come on!«. Anke: »Das ist für mich ein Weckruf: Jetzt geht's los!« Das lautstarke »Come on!« hörte das Publikum an diesem Abend von Silber-Anke noch des öfteren – jeweils verbunden mit einer La-Ola-Welle quer über den Weihnachtsschützenplatz.

Gleich zweimal durften die erfolgreichen heimischen Rennrodler auf die Bühne. Schließlich haben sie alle neben ihren Einzelwettkämpfen auch noch die Teamstaffel gewonnen. Bei soviel Gold durfte man sich auch gegenseitig ein wenig »aufziehen«. Mehrmals kam Moderator Gerhard Willmann auf Natalie Geisenbergers Beinahe-Sturz in der Teamstaffel in Winterberg zurück, mit dem sie den sicher geglaubten Sieg vergeben hatte. »Wir stellen also fest: Natalie Geisenberger ist ein Unsicherheitsfaktor in der deutschen Teamstaffel«, resümierte Willmann fand bei allen Rodelherren – augenzwinkernde – Bestätigung. Darüber konnte Natalie zusammen mit dem Publikum nur lachen, schließlich hat sie in Sotschi das Gegenteil bewiesen.

Tobias Wendl und Tobias Arlt ließen das Publikum außerdem noch wissen, dass sie regelmäßig Mittagsschlaf halten und dass sie nach der Teamstaffel gehörig gefeiert haben. Sogar, dass sie versucht haben, das »Kufenstüberl« leer zu trinken, bestätigten die beiden. Doch sie stellten auch klar: »Wir haben's nicht geschafft«.

Von Felix Loch wollte Moderator Willmann gerne wissen, wie es Vater und Bundestrainer Norbert Loch nach dem Olympiasieg seines Sohnes geschafft habe, Freundin Lisa durch alle Absperrungen zu bringen. »Er wusste halt, mit wem er sprechen musste«, schmunzelte Felix und versicherte, dass er mit dem Rennrodeln weitermachen werde. »Bis 2018 auf alle Fälle«.

Bevor Franz Müller aus Palling mit Unterstützung von Helmut Angerer aus Berchtesgaden das große Abschlussfeuerwerk zündete, kamen auch einige Ehrengäste noch zu Wort. Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), lobte Berchtesgaden für seine »tollen Wintersportler«. Insbesondere erwähnte er den erfolgreichen Trainer Hermann Weinbuch von den Nordischen Kombinierern und das von dessen Vater Helmut initiierte Talentzentrum Wintersport. Trost gab es für Bob-Bundestrainer Christoph Langen, der mit seinen Sportlern ohne Medaille in die Heimat zurückgekehrt war. Hörmann: »Diesmal hat es halt nicht geklappt. Doch in Pyeongchang werdet Ihr die Scharte sicherlich auswetzen«. Während Landrat Georg Grabner und Finanzstaatssekretär Albert Füracker ihre Glückwünsche an die Olympioniken überbrachten, gaben die Athleten im Hintergrund schon fleißig Autogramme. Und dann erstrahlte der olympische Himmel über Berchtesgaden in den prächtigsten Farben. Ulli Kastner