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Megabauten und Micky Maus

Berchtesgaden – Ihm ist es ernst. Es geht um die Sache. Ohne Beleidigungen, ohne Sarkasmus, ohne Parteigeplänkel. Der Blick fixiert den Gesprächspartner. Wenn der Richard Lenz über die geplanten Bauwerke am Königssee spricht, ist kein Platz für Humor. Für Enttäuschung schon. Bei einer Tasse Kaffee in der »Edelweiß«-Lobby erzählt der Schönauer Gemeinderat dem »Berchtesgadener Anzeiger«, was ihn an der Kommunalpolitik in Schönau am Königssee so traurig macht.

Sorgt sich um die Zukunft des Königssees und die politische Moral in seiner Heimatgemeinde: der Schönauer FW-Fraktionssprecher Richard Lenz (r.) im Gespräch mit Christian Fischer, dem stellvertretenden »Anzeiger«-Redaktionsleiter. Foto: Anzeiger/Fischer

Richard Lenz sitzt aufrecht. Die dunkelgrüne Trachtenweste ist aufgeknöpft, das weiß-blau karierte Hemd hochgekrempelt. Die Gestik signalisiert eine Mischung aus Angriffslust und Besonnenheit. Er nimmt einen großen Schluck Cappuccino und sagt dann direkt: »Transparenz geht anders.«

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Er meint damit den monatelangen Hickhack um das Mega-Immobilienprojekt am Königssee, das die Gemeinde inzwischen gespalten hat. In Befürworter und Gegner. Lenz, Fraktionssprecher der Freien Wähler im Gemeinderat, ist ein Gegner. Doch vielmehr als der »Kasernenstil« der geplanten Gebäude, stört den Inhaber eines Campingplatzes, die Vorgehensweise der Planer. Und seines Bürgermeisters Stefan Kurz (CSU).

»Es muss doch in der heutigen Zeit möglich sein, eine ordentliche 3D-Animation von einem so riesigen Projekt zu präsentieren«, findet Lenz. »Diese mickrigen Micky-Maus-Bilder, die man uns gezeigt hat, sind eine Frechheit.« Außerdem hätte man die Öffentlichkeit von Anfang an miteinbeziehen sollen. So wie in Berchtesgaden beim »Edelweiß«-Bau. Mit Bürgerversammlungen, öffentlichen Diskussionen und aussagekräftiger Präsentation der Planungen. »Bei einem so großen Projekt muss man die Sorgen der Bevölkerung ernst nehmen«, betont der Gemeinderat. Auch hätte es viel mehr Treffen mit Städteplanerin Claudia Schreiber geben müssen.

Und dann war da noch die Sache mit Ebay. Ein Spezl von Richard Lenz hat beim Stöbern in der Online-Auktionsplattform zufällig ein interessantes Angebot entdeckt. Angepriesen wurde dort eine Luxus-Ferienwohnung für 300 000 Euro im Talkessel. »Eindeutig als das Königsseeprojekt identifizierbar«, sagt Lenz. Vermietungszeit: sechs bis acht Monate im Jahr. Unten steht dann das bemerkenswerte Verkaufsargument: »Bei vergleichbaren Objekten liegen die Mieteinkünfte bei etwa 5 000 Euro pro Woche.«

Das Angebot war ab 2. August online. Mit der Behauptung, dass eine Baugenehmigung vorhanden sei. Was aber bis jetzt nicht der Fall ist. Alleine die öffentliche Auslegung läuft noch bis Montag. »Ich habe eine Mail an die Kontaktadresse geschickt. Aber nie eine Antwort erhalten«, ärgert sich Lenz. Er habe dann die Gemeindeverwaltung und Bürgermeister Kurz über die ominöse Anzeige informiert. »Zwei Tage später war sie gelöscht«, weiß Lenz. »Komisch, oder?«

Gar nicht komisch findet Lenz allerdings die derzeit schlechte Stimmung in seiner Gemeinde. Ein Bürgerentscheid wird jetzt höchstwahrscheinlich den weiteren Weg vorgeben. Doch so weit hätte es nicht kommen müssen, nicht kommen dürfen, klagt Richard Lenz. Er sagt: »Wir hätten von Anfang ein Miteinander gebraucht, und kein Gegeneinander.« Auch die verbalen Drohgebärden seines Bürgermeisters, dass der Königssee diese Gebäude unbedingt in dieser Form brauche, kritisiert der FW-Gemeinderat scharf. »So funktioniert Politik heute nicht mehr«, stellt er klar. Christian Fischer