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Weg vom Öl sind bereits mehrere Gemeinden im Landkreis. Auch auf Gas wolle man verzichten, heißt es dort. Auf dem Foto wird im Gewerbegebiet Gartenau in Berchtesgaden ein Tank mit Öl befüllt. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Mehr LED und weg vom Gas: Energiesparen in Krisenzeiten

Berchtesgadener Land – Um die Versorgung mit Gas und Strom auch im Winter sicherzustellen, sind neben der Bevölkerung auch die Kommunen aufgerufen, kurzfristig Energie einzusparen. Märkte und Gemeinden im Berchtesgadener Talkessel versuchen das auf vielfältige Weise, wie eine Umfrage des »Berchtesgadener Anzeigers« ergab.


Alle gemeindlichen Liegenschaften in Schönau am Königssee sind seit Jahren »weg vom Gas«, sagt Bürgermeister Hannes Rasp. Diese sind an die Fernwärmeleitung der Bioenergie Berchtesgadener Land angeschlossen. Im Herbst dieses Jahres soll die Turnhallenbeleuchtung auf LED umgestellt werden, »dies spart erheblich Strom ein«. Für die Umrüstung auf LED-Beleuchtung am Kunstrasenplatz und dem 2300 Stellplätze umfassenden Parkplatz Königssee sind bereits Förderanträge beim Bund eingereicht worden. Weil noch keine Antwort vorliegt, werden die Maßnahmen nun auf nächstes Jahr verschoben.

Um Strom einzusparen, wird die Parkplatzbeleuchtung am Königssee ab Herbst zeitlich stärker eingeschränkt. Die Straßenbeleuchtung der Gemeinde ist bereits mit LED-Beleuchtung und einer zeitlichen Leuchtstärkenabsenkung ausgestattet.

Zusätzlich sollen künftig alle Geräte, die nachts auf »Stand-by« laufen, komplett ausgeschaltet werden, sagt Hannes Rasp.

Die Gemeinde Bischofswiesen beschäftigt sich seit fast 20 Jahren mit dem Thema Energieeinsparung, heißt es aus dem Rathaus. Bestes Beispiel sei die bereits vor knapp zwei Jahrzehnten erfolgte Umstellung des beheizten Freibades Aschauerweiher auf ein Naturbad ohne Beheizung der Becken. »Alleine diese Maßnahme spart rund 100.000 Liter Heizöl pro Jahr ein«, so Geschäftsleiter Rupert Walch. Aktuell sollen durch eine weitere Umstellung der Straßenbeleuchtung etwa 100.000 Kilowattstunden pro Jahr an Strom wegfallen. Der Stromverbrauch für die Straßenbeleuchtung wird danach voraussichtlich nur noch rund 25.000 Kilowattstunden pro Jahr betragen. Vor der Umstellung auf Gelblicht lag der Verbrauch bei über 200.000 Kilowattstunden pro Jahr. Beabsichtigt ist zudem, künftig verstärkt Fotovoltaik auf den gemeindlichen Liegenschaften anzubringen, so zum Beispiel auf dem Dach des Feuerwehrhauses und auf dem neuen Schulhaus. Darüber hinaus wird es ein Nahwärmenetz im Ortsteil Winkl geben.

Im Bergsteigerdorf Ramsau sagt Bürgermeister Herbert Gschoßmann: »Wichtig ist, dass sich Wille und Sinn zum Einsparen in den Köpfen verankern.« Die Straßenbeleuchtung soll, wo möglich, nicht mehr die gesamte Nacht über aktiviert sein. In der Gemeinde möchte man die Heizungsanlagen optimieren und mehr Effizienz bei Fahrten mit Gemeindefahrzeugen erreichen. Wenn es nach Gschoßmann geht, soll der Fokus künftig auf der Wasserkraft liegen.

Seit Jahren gibt es Bestrebungen, in der Ramsauer Ache ein millionenschweres Wasserkraftwerk zu bauen. »Vielleicht führt die Situation in gewissen Kreisen dazu, dass man sich wieder mehr den regenerativen Energien öffnet und nicht von vorneherein kategorisch zu jedem Wasserkraftwerk ein ›Nein‹ zu hören bekommt«, hofft der Bürgermeister

In der Gemeinde Berchtesgaden wird noch dieses Jahr mit der Umrüstung der gesamten Straßenbeleuchtung auf LED begonnen, wie Bürgermeister Franz Rasp ankündigte. Die Eishalle hat den Start der Vereisung für den Sommerbetrieb nach hinten verlegt (wir berichteten).

Die Gemeinde Marktschellenberg hat aktuell keine Gasverbraucher im Einsatz, wie Bürgermeister Michael Ernst mitteilt. Einzige Ausnahme ist die ergänzende Beheizung mit Flüssiggas des Schellenberger Freibads. Diese Anlage soll allerdings im Rahmen der geplanten Schwimmbadsanierung entfallen mit dem Ziel, das Freibad energieautark zu betreiben.

Sinnvolle und wirtschaftlich vertretbare Energieeinsparungsmaßnahmen werden aktuell geprüft, bestätigt der Rathaus-Chef. Im allerersten Schritt wird die Funktion der Dichtungen aller Fenster in den gemeindlichen Liegenschaften bei Bedarf erneuert – dies ist vor dem Winter noch leicht möglich. Im »Haus für Kinder« und im Rathaus sind bereits Pelletsheizungen in Betrieb; im Rathaus wurde zudem auf LED-Beleuchtung umgestellt. Außerdem will Ernst bei der Umstellung der Heizungen in den anderen gemeindlichen Gebäuden darauf achten, ob nicht weitere Effekte genutzt werden könnten, zum Beispiel Verbünde mit benachbarten Gebäuden im Sinne von Nahwärmeversorgung. Die Straßenbeleuchtung wird in Marktschellenberg außerdem schon lange komplett mit LED-Lampen betrieben.

Allerdings gibt es im Ortskern ein Problem: Da Rathaus, Grundschule und Kindergartengebäude in einem denkmalgeschützten Ensemble liegen, war bisher die Errichtung von PV-Anlagen auf den Dächern untersagt. Der Gesetzgeber hat hierzu eine grundsätzliche Änderung angekündigt. »Hier bestünde natürlich großes Potenzial«, so der Bürgermeister. Das Bauhofgebäude ist ohnehin hierfür bereits vorgesehen.

Denkmäler werden in Marktschellenberg nicht mehr beleuchtet. Die Beleuchtung der Kirchturmuhr wird zeitlich eingeschränkt, kündigt Ernst an. Die Gemeinde hat durch die örtlichen Wasserkraftwerke und bereits vorhandenen PV-Anlagen einen hohen Selbstversorgungsgrad bei der Stromversorgung. »Dieser liegt je nach Tageszeit bei 100 Prozent und zusätzlich kann der darüber hinaus produzierte Strom in die weiteren Netze eingespeist werden«, freut sich das Gemeindeoberhaupt.

kp/fb