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Mehr Transparenz und weniger »intern«

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Werner Sliwa (l.) und Heinz Krawinkel fordern von den Verantwortlichen der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee mehr Transparenz. Foto: Anzeiger/Kastner

Berchtesgaden – Sie wollen endlich Antworten auf ihre Fragen und weniger Fädenzieherei hinter verschlossenen Türen. Weil sie mit den Auskünften bislang nicht zufrieden waren, präsentierten der Berchtesgadener Unternehmer Heinz Krawinkel und Werner Sliwa, Vorsitzender des Tourismusvereins Berchtesgaden, am Donnerstag rund 20 interessierten Bürgern selbst recherchierte Zahlen zu Watzmann Therme, TRBK und Kongresshaus. Fazit des Informationsabends im Gasthof »Goldener Bär«: Man fordert mehr Transparenz, bessere Zusammenarbeit und professionelleres Vorgehen.


Während eine kleine Gruppe von interessierten Bürgern unter anderem über eine bessere Vermarktung der Watzmann Therme diskutierten, brannte es im Berchtesgadener Erlebnisbad tatsächlich. Für die Verantwortlichen der Tourismusregion Berchtesgaden (TRBK) war dieser echte Brandherd freilich der wichtigere, sodass sie dem Informationsabend im Gasthof »Goldener Bär« fernbleiben mussten. Doch die Talkessel-Bürgermeister wurden von Ramsaus Rathauschef Herbert Gschoßmann gut vertreten, der an diesem Abend eine gute Linie zwischen Lob für Bürgerengagement und Richtigstellung schräger Vergleiche fand.

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Den Initiatoren des Abends ging es laut Werner Sliwa darum, »Zahlen vorzulegen, die man von offizieller Seite trotz mehrmaliger Nachfrage nicht bekommt«. Ständig heiße es, das sei intern oder:»Das geht euch nichts an«. Sliwa ist der Meinung, dass die Bevölkerung für dumm gehalten werde. Als Beispiel nannte er die Entwicklung der Watzmann Therme, die der Bevölkerung erst sehr spät im Januar präsentiert worden sei.

Dabei war das Dilemma für Heinz Krawinkel schon früh erkennbar. »Das begann nicht erst, wie es immer heißt, mit der Eröffnung des Familienbads bei der Rupertus Therme im September 2011«. Krawinkel legte Zahlen vor, die zeigten, dass es schon zwischen 2005 und 2010 einen Besucherrückgang um 18,5 Prozent gab. Bis 2012 waren es dann sogar 30 Prozent weniger Gäste.

Auch die Erlöse sind laut Heinz Krawinkel bereits im Jahr 2008 zurückgegangen, da habe es erstmals einen Verlust von 87 000 Euro gegeben, im Jahr 2011 sei es dann schon ein Minus von 214 000 Euro gewesen. Heinz Krawinkel hat überhaupt kein Verständnis dafür, dass plötzlich die vertraglich festgesetzte Pacht nicht mehr gezahlt wird. Nicht gelten lässt er auch das Argument der zunehmenden Konkurrenz in der Nachbarschaft. »Man muss sich der Konkurrenz stellen und versuchen, besser zu sein«, sagte der Unternehmer, der als Sanierer im Gesundheitsbereich tätig ist. Umso weniger versteht er, dass die Werbungsausgaben von 140 000 Euro im Jahr 2005 auf nur noch 90 000 Euro im Jahr 2010 zurückgefahren wurden. »Hier wurden eindeutig Managementfehler begangen, die den Ablauf so negativ beeinflusst haben«, kritisierte Krawinkel.

Noch kritischer bewertet Heinz Krawinkel den Wirtschafts- und Finanzplan für die Jahre 2013 bis 2022, den er von der Watzmann Thermen GmbH erhalten hatte. Der zeige unter anderem, dass man erst im Jahr 2019 wieder die Erlöse von 2010 erreichen wird. Und im Jahr 2022 werde es ein negatives Ergebnis von 914 000 Euro geben – inklusive Pacht. Krawinkel rechnete vor, dass es bis zum Jahr 2022 laut Vorausberechnung eine Umsatzsteigerung von 24,89 Prozent, aber gleichzeitig beim Gesamtergebnis einen Rückgang von 56,51 Prozent geben werde. Der Gesamtverlust für die Jahre 2013 bis 2022 werde laut Plan 7 422 000 Euro bei Fortzahlung der Pacht betragen. Krawinkels ironische Bewertung: »Eine sehr engagierte Erfolgsplanung«. Auch für das Kongresshaus konnte Krawinkel nur negative Zahlen präsentieren, so liefen dort jährliche Verluste von bis zu 730 000 Euro auf, es gebe eine negative Umsatzrendite von 120 Prozent. »In der freien Wirtschaft wäre hier sofort Insolvenzantrag gestellt worden«, urteilte Krawinkel, der allerdings betonte, dass die Verantwortlichen die Misere erkannt und entsprechende Schritte eingeleitet hätten. Einig waren sich mehrere Diskussionsredner, dass es an der Vermarktung des Kongresshauses gefehlt habe. Die sei aber bislang auch nicht gewollt worden. »Vielleicht sollte man hier den Ball erst einmal flach halten, damit man sich nicht noch weiter blamiert«, stellte ein Versammlungsteilnehmer fest. Krawinkel betonte, dass sich die Kritik nicht gegen den Kongresshausleiter richte, künftig werde man hier aber andere Schritte gehen müssen.

Die Kritik des Referenten betraf auch die Personalsituation bei der TRBK. Als Vergleich führte Krawinkel an, dass die Tourismusfachkräfte in Großarl im Jahr 2005 pro Mitarbeiter die doppelte Zahl an Übernachtungsgästen akquiriert haben als bei der TRBK. Heute sei es sogar fast die dreifache Anzahl. Die Kräfte der Kehlsteinbetriebe, teilweise der BGLT und der Dokumentation hatte Krawinkel herausgerechnet. Gute Leistungen bringen nach Ansicht Krawinkels auch die Tourismus-Mitarbeiter in Stade nördlich von Hamburg. Hier akquirieren 4,25 Vollzeitkräfte jährlich rund 800 000 Übernachtungen (2012). »An was liegt's, dass das bei uns nicht geht?«, fragte Werner Sliwa. »Wir sind anscheinend unfähig«, lautete sein Urteil, das er immerhin auch auf sich bezog.

Kein Hehl ließ Heinz Krawinkel daran, dass ihm auch die Investition von rund 700 000 Euro in die kostenlosen Gästebusfahrten mit Kurkarte nicht gefällt. Immerhin seien im Jahr der Einführung die Übernachtungszahlen um rund 30 000 zurückgegangen. Erst im Jahr danach habe der Aufwärtstrend eingesetzt. Diese Kritik ließen allerdings mehrere Diskussionsteilnehmer nicht gelten. Sie hoben die Vorteile des Gästebustickets wie Entlastung der Umwelt und Entzerrung des Straßenverkehrs hervor.

Auch Bürgermeister Herbert Gschoßmann bekräftigte, dass das Ticket nicht eingeführt worden sei, um die Gästezahlen zu steigern, sondern um die Attraktivität der Kurkarte zu erhöhen. Insgesamt lobte Gschoßmann die Initiatoren des Abends für ihren Mut, auch unbequeme Dinge anzusprechen. »Ihr könnt und sollt euch einmischen. Aber wir müssen eine Ebene finden, auf der wir den Dialog fortführen können. Der Vorwurf, dass wir die Bilanzen verschleiert hätten, ist immerhin erheblich«, sagte Gschoßmann. Darüber hinaus entstehe aus zahlreichen Fehlinformationen der Eindruck, dass alles schief läuft. »Das soll aber auch nicht heißen, dass alles richtig läuft«, räumte Bürgermeister Gschoßmann ein und sagte: »Gewisse Dinge müssen sicherlich verbessert werden«.

Miteinander zu reden und mit Optimismus nach vorne zu blicken, ist auch für Berni Zauner, Vorsitzender der Marktgemeinschaft Berchtesgaden, der wichtigste Punkt. »Nur so können wir es erreichen, dass das Schiff wieder Fahrt aufnimmt«, sagte Zauner am Ende eines doch noch einigermaßen versöhnlichen Abends. Heinz Krawinkel nahm den Ball auf: »Vielleicht ist es ja ein Anstoß gewesen, die vorhandenen Strukturen zu überprüfen«. Ulli Kastner