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Mehr über die Heimat lernen

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Wer mehr über Berchtesgaden und seine Umgebung erfahren und mit Professoren und Kulturwissenschaftlern über aktuelle Themen diskutieren will, für den gibt es nun einen neuen Studiengang namens »Heimat heute – Heimat morgen«. Andreas und Sabine Oshowski präsentierten ihn im Gespräch mit Bürgermeister Franz Rasp (Mitte). (Foto: Voss)

Berchtesgaden – Migration und Integration, der Wandel des Heimatbegriffs oder das Thema »Bettler in Salzburg«: Diese Themen behandeln Professoren und Dozenten aus verschiedenen Spezialgebieten im Studiengang »Heimat heute – Heimat morgen«. Veranstalter ist das Katholische Bildungswerk. Die beiden Studienleiter, Sabine und Andreas Oshowski, haben bei einem Gespräch mit Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp den neuen Studiengang vorgestellt.


Das Herbstsemester 2015/2016 behandelt das Themenfeld »Soziales« und beginnt am 9. Oktober. Es besteht aus insgesamt vier Exkursionen, drei Vorlesungen und drei Seminaren. Außer den Exkursionen finden alle Veranstaltungen im »Haus der Berge« in Berchtesgaden statt. Dort gibt es am Freitag, 3. Juli, um 18.30 Uhr auch eine Informationsveranstaltung.

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Der Studiengang wird auch für die Landkreise Rosenheim, Mühldorf und Traunstein angeboten. Aufgebaut ist das Angebot auf einem Konzept von Dr. Norbert Göttler, der Philosophie, Theologie und Geschichte an der LMU München studiert hat. Seit 2012 ist Göttler Bezirksheimatpfleger von Oberbayern. Zudem ist er einer der Dozenten.

Die Teilnehmer erwartet neben Dr. Göttler eine Vielzahl von weiteren Experten, die die Lehrveranstaltungen leiten. Zum Beispiel Professoren aus der Universität Salzburg, Kulturwissenschaftler, Theologen und auch Wirtschaftsexperten. Denn die vier Schwerpunkte des Studiums sind »Der Mensch als Soziales Wesen«, »Ohne gesunde Natur keine Heimat«, »Der wirtschaftende Mensch und seine Wurzeln« sowie »Regionalkultur und Heimat«.

Die Exkursionen leiten Praktiker, die vor Ort mit dem jeweiligen Thema betraut sind. So gibt es zum Beispiel eine Veranstaltung zum Thema Migration, wie Andreas Oshowski erklärte: »Dazu besuchen wir gemeinsam mit Josef Jostl von der Caritas Asylbewerber im Haus Waldluft und werden uns die Biografien einiger Menschen anschauen. Zum Abschluss werden wir dort von den Flüchtlingen bekocht.«

Der Studiengang ist ein Nachfolger des parallelen Studiengangs »Regionalgeschichte zwischen Inn und Salzach« in Laufen. Dieser war ursprünglich als Seniorenstudium gedacht, wie Oshowski informierte: »Allerdings waren unter den Teilnehmern auch Mitarbeiter des Landratsamts, Ehrenamtliche und Ortsführer. Darum haben wir bei dem neuen Studiengang die Zielgruppe erweitert. Wir wollen auch Lehrer, Schulen und Behörden ansprechen. Auch Teilnehmer aus der Tourismusbranche sind uns wichtig.«

Zwei Jahre dauert das Studium. Man kann jedoch auch einzelne Semester buchen. Sabine Oshowski fügte noch hinzu: »Auch, wenn manche Dozenten selbst nicht aus der Gegend kommen, werden sie mit ausreichend Informationen über die Region im Vorfeld versorgt, zum Beispiel vom Alpenverein und dem Nationalpark.«

Sabine Oshowski übernimmt bei diesem Studiengang organisatorische Aufgaben, ihr Mann ist für die Moderation zuständig. Die Studienleiter sollen den Kontakt zwischen den Teilnehmern und den Dozenten herstellen.

Bürgermeister Franz Rasp nutzte die Gelegenheit und verwies auf die heutzutage inflationäre Verwendung des Begriffs »Heimat«: »Wichtig ist, das Modewort Heimat nicht zu missbrauchen.« Dieser Studiengang sei allerdings spannend, weil er das »Allgemeinwissen zu regionalen Themen enorm stärkt«. »Es sind sämtliche Themen drin, die ich in meinem täglichen Geschäft hab. Von der Regionalwerbung über Hochwasserschutz zum Thema Wirtschaften, Fragen der Kultur und dem Umgang mit den Bettlern. Hochspannende Themen«, kommentierte Rasp.

Sabine Oshowski sagte, die Inhalte seien sehr interessant für Zugezogene. Dem entgegnete der Bürgermeister: »Viele Zugezogene wissen Dinge über unsere Heimat, die Berchtesgadener nicht wissen, meiner Erfahrung nach. Es fällt bei einem selbst auf: Wie oft geht man in ein Heimatmuseum?« Darum ginge es bei den Teilnehmern wesentlich um das Interesse und weniger um Alter und Wohnort.

Andreas Oshowski bemerkte abschließend, dass die Studenten beim vorangehenden Studiengang »Regionalgeschichte« die Diskussion mit den Dozenten schätzen. Nicht nur die Teilnehmer, sondern auch die Professoren sollen lernen, ist einer der Ansätze für den neuen Studiengang. So soll es keine reine Vorlesungsveranstaltung werden, sondern eine Interaktion zwischen Teilnehmern und Dozenten geben.

Die Anmeldung ist möglich beim Katholischen Bildungswerk Berchtesgadener Land in Bad Reichenhall unter Telefon 08651/984400 oder per E-Mail an info@bildungswerk-bgl.de. Weitere Informationen gibt es auch im Internet unter www.bildungswerk-bgl.de. Annabelle Voss