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Mehr Vernetzung für die Alpen

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In den Jahren 2015 und 2016 hat Deutschland den Vorsitz des Wissenschaftsforums »Plattform ökologischer Verbund in den Alpen«. Nationalpark-Leiter Dr. Michael Vogel (l.) und Dr. Bettina Hedden-Dunkhorst (2.v.r.) vom Bundesamt für Naturschutz übernahmen für zwei Jahre die Leitung von Marie Odile Guth, Vertreterin des Französischen Umweltministeriums (2.v.l.). Gastgeber der nächsten Plattform-Tagung ist Slowenien, vertreten durch Andrej Arih vom Triglav Nationalpark. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Wie können Lebensräume von Tieren und Pflanzen in den Alpen besser vernetzt werden, um die biologische Vielfalt zu erhalten? Und mit welchen Maßnahmen kann der Lebensraum Alpen für seine Bewohner noch attraktiver gestaltet werden? Mit diesen Fragen beschäftigten sich kürzlich 25 Wissenschaftler und Naturschutz-Vertreter aus sechs Alpenstaaten im Nationalparkzentrum »Haus der Berge« in Berchtesgaden. Anlass der Tagung war die Übergabe des Vorsitzes der »Plattform ökologischer Verbund« der Alpenkonvention von Frankreich an Deutschland. In den Jahren 2015 und 2016 wird Deutschland die Geschicke der Arbeitseinheit unter der Federführung des Bundesamtes für Naturschutz leiten.


Die Plattform Ökologischer Verbund der Alpenkonvention wurde 2006 von den Umweltministern der Alpenstaaten als Expertenforum eingerichtet, um gemeinsame Strategien zum Erhalt der Biodiversität in den Alpen zu entwickeln. »Darüber hinaus spielt die Schaffung eines grenzüberschreitenden Verbundes von Schutzgebieten und Biotopen eine große Rolle«, erläutert Dr. Michael Vogel, Gastgeber und Leiter des Nationalparks Berchtesgaden.

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In den Jahren 2015 und 2016 wird die Plattform unter deutschem Vorsitz den Fokus auf die Unterstützung von Initiativen auf nationaler, regionaler und europäischer Ebene legen. Neben sieben weiteren Gebieten im gesamten Alpenraum ist der Nationalpark Berchtesgaden eine sogenannte »Pilotregion«, also Muster- oder Beispielregion für die Umsetzung von Projekten. Der Berchtesgadener Nationalpark wurde durch sein Mosaik an alpinen Lebensräumen und Kulturlandschaften und seine besondere ökologische Bedeutung als Pilotregion ausgewählt. Zudem arbeitet der Nationalpark bereits seit vielen Jahren erfolgreich in verschiedenen Projekten mit dem Amt der Salzburger Landesregierung und angrenzenden Naturpark Weißbach in Österreich zusammen.

Teil der Biosphärenregion

Zudem ist das Schutzgebiet rund um Watzmann und Königssee Kern- und Pflegezone der Biosphärenregion Berchtesgadener Land. »In diesen Schutzgebieten der Grenzregion Berchtesgaden – Salzburg lassen sich gute Ansätze zum Ausbau der Vernetzung und zum Erhalt der biologischen Vielfalt erarbeiten«, betonte Dr. Vogel am Rande der Tagung. 2011 hatte der Nationalpark Berchtesgaden bereits ein Großprojekt zur Vernetzung von Lebensräumen umgesetzt: Am Saletbach zwischen Obersee und Königssee wurde die Uferverbauung aufgelockert, auch um der Königsseeforelle neue Laichplätze zu schaffen.

Im Rahmen der Tagung erarbeiteten die Teilnehmer Vorschläge für neue Maßnahmen zum ökologischen Verbund in den Alpen. Peter Boye vom Bayerischen Umweltministerium stellte ein Projekt zum Schutz von Vogelarten vor, in das auch die lokale Bevölkerung sowie Natursportler und Bergbauern eingebunden werden können. Eine weitere Projektidee widmet sich dem Schutz der Fledermäuse. Boye präsentierte einen Ansatz, wie sich Forscher aus den Alpenländern besser vernetzen und Flugrouten der Fledermäuse über lange Distanzen besser erforschen und kommunizieren können.

Darüber hinaus soll ein Computerprogramm zur Ermittlung und Vorhersage von möglichen Wanderrouten verschiedener Arten (JECAMI) zu einem alpenweiten Standard ausgebaut werden. Das Netzwerk strebt zudem weiterhin eine enge Kooperation sowie einen Wissens- und Erfahrungsaustausch mit den Pilotregionen an.

Neue Alpenstrategie gefordert

Auch die Europäische Kommission setzt sich für Zusammenarbeit und Innovationen im Alpenraum ein: Im vergangenen Jahr wurde die Erarbeitung einer neuen Alpenstrategie (Europäische Makroregionale Strategie für den Alpenraum/EUSALP) gefordert. Ziel der Initiative ist es, eine innovative und nachhaltige Entwicklung anzustoßen, die zu mehr Wachstum und Beschäftigung führt und gleichzeitig das Natur- und Kulturerbe der Region bewahrt.

Für die Plattform-Vorsitzende Dr. Bettina Hedden-Dunkhorst vom Bundesamt für Naturschutz eine Chance, die langjährigen Erfahrungen der Alpenkonvention zu nutzen und gemeinsame Strategien und Maßnahmen zu entwickeln, um die Biodiversität in den Alpen und darüber hinaus zu erhalten: »Eine enge Zusammenarbeit zwischen der Plattform und einer entsprechenden Aktionsgruppe der neuen Alpenstrategie könnte beträchtliche Synergien generieren«, ist sich Hedden-Dunkhorst sicher.

Das nächste Treffen der Expertengruppe findet vom 30. September bis 1. Oktober 2015 in der grenzüberschreitenden Pilotregion Triglav Nationalpark – Parco Naturale Prealpi Giulie in Slowenien statt. fb