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Mehr Zeit für Gastlichkeit

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Der Marktschellenberger Gemeinderat hat die Parkzeitenregelung für die Parkstreifen am Marktplatz geändert. (Foto: Wechslinger)

Marktschellenberg – Notburga Schiffl klingt bedrückt: Fast jeden Morgen bekamen ihre Gäste der Pension »Von der Albe« vor dem Haus Strafzettel ausgestellt – von der Kommunalen Verkehrsüberwachung. »Um acht in der Früh sind meine Gäste ja noch nicht wach«, beklagt die 85-jährige Pensionsbesitzerin den Zustand. Der Gemeinderat in Marktschellenberg suchte nun nach einer Kompromisslösung.


Von 7 bis 19 Uhr darf auf dem Parkstreifen vor der Pension nur mit Parkscheibe geparkt werden – maximal 30 Minuten. So will es die Gemeinde und die Geschäftsinhaber in unmittelbarer Nähe, um Parkflächen für Kunden bereitstellen zu können.

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Für Notburga Schiffl ist die Lösung keine optimale. Zwölf Zimmer hat ihre Pension, die sie gemeinsam mit der Tochter betreibt. Zwei Parkplätze gehören zum Betrieb, die weiteren Gäste parkten bislang dort, wo Platz war. Etwa auf dem Parkstreifen vor der Pension.

»Meine Gäste können aber bis halb elf frühstücken«, sagt Notburga Schiffl. Weil die Gemeinde möchte, dass der Parkstreifen in der Ortsmitte schon ab 7 Uhr frei ist, bekamen Notburga Schiffls Pensionsgäste immer wieder Knöllchen ausgestellt. »Ich habe die Strafen dann beglichen. Das kann ich ja meinen Leuten nicht zumuten«, sagt die freundliche Dame. Vor Kurzem war ein Filmteam da. Auch da wurden wieder Kennzeichen notiert, »bereits um 7.45 Uhr«, sagt Notburga Schiffl.

Vor einem Jahr stellte sie dann einen Antrag an die Gemeinde, die Regeln zum Parken doch zu überdenken. Bürgermeister Franz Halmich wollte zunächst die Zeiten belassen. Nun wurde im Hauptverwaltungsausschuss der Vorschlag unterbreitet, eine Begrenzung der Parkdauer von 10 bis 18 Uhr anzustreben.

Allerdings war das dem Gemeinderat nicht recht. Mit lediglich zwei Fürsprechern und neun Gegenstimmen wurde der Vorschlag im Keim erstickt. Notburga Schiffl wäre dieser natürlich entgegengekommen, allerdings seien es Geschäftsleute im Ort, die dann einen Nachteil hätten, weil deren Kunden nicht auf dem Parkstreifen parken könnten, auf dem die Pensionsgäste stehen, heißt es aus der Gemeinde.

Entgegenkommen wollte man der rüstigen Rentnerin, die selbst 18 Jahre im Gemeinderat saß, dann aber doch. Ein weiterer Kompromissvorschlag wurde unterbreitet: Von 9 bis 18 Uhr sollen die Flächen nun, so schlägt es der Gemeinderat vor, mit einer Scheibe maximal 30 Minuten beparkt werden dürfen. Nun muss noch die Untere Verkehrsbehörde im Landratsamt entscheiden. Für Notburga Schiffl ist die Lösung nicht die beste, aber immerhin besser als jene zuvor.

»Meine Gäste stellen sich nur noch ungern auf den Streifen, weil sie wissen, dass sie in der Früh gleich wieder wegfahren müssen.« Kilian Pfeiffer