weather-image
13°

Mehrheit für Klauspoint-Bebauung

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Die erste Gemeinderatshürde ist genommen. Mit dem Grundsatzbeschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplans rückt die Ansiedelung eines Ramsauer Gewerbebetriebs in der Klauspoint wieder ein wenig näher. Foto: Anzeiger-Archiv/cw

Ramsau - Die Ramsauer Pläne für eine Bebauung der Klauspoint unweit der Marxenbrücke nahmen jetzt trotz der Einwände mehrerer Anlieger die Gemeinderatshürde. Das Gremium befürwortete auf seiner jüngsten Sitzung am Montag mit 8:4 Stimmen die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans. Damit soll der Ramsauer Baufirma ermöglicht werden, auf dem Gelände ihren Gewerbebetrieb mit Zimmereihalle, Betriebsgebäude, Garage und Lagerplatz zu errichten. Zuvor war den Gemeinderäten ein Brief vorgestellt worden, in dem verschiedene Anlieger ihre Bedenken formuliert hatten. Trotz teilweise anderer Meinung dankten Anlieger und Gemeinderäte der Verwaltung für ihre gute Öffentlichkeitsarbeit.


Hinsichtlich des Standortvergleichs zwischen den Standorten »Klauspoint« und »Reichlfeld II« wurde kritisiert, dass diese Analyse nicht neutral vorgenommen worden sei und daher eine weitere unabhängige Standortanalyse notwendig sei. Die Unterzeichner sind der Ansicht, dass bei einer Verringerung der Größe der geplanten Zimmereihalle und weiteren Kompromissen die Unterbringung in unmittelbarer Nachbarschaft zum bereits bestehenden Gewerbegebiet »Reichlfeld« auch wegen der besseren Verkehrsanbindung möglich und sinnvoll wäre.

Anzeige

Des Weiteren wurde kritisiert, dass für die Zufahrt zum Standort »Klauspoint« riesige Erdbewegungen beziehungsweise eine Felssprengung notwendig seien und hierbei eine etwa sieben Meter hohe Wand entstehen werde. Kritisch gesehen wird auch die Nähe der Bebauung zu bestehenden privaten Waldgrundstücken Dritter. Eine notwendige Wildwasserverbauung in diesem Bereich würde nach Ansicht der Anlieger zu einer Reduzierung der künftig nutzbaren Betriebsfläche führen. Der Gemeinderat wurde abschließend darauf hingewiesen, dass mit der Realisierung des Gewerbegebietes Klauspoint der Bereich des Naturensembles »Gletscherquellen, Marxenklamm und Zauberwald« zerstört würde.

Bürgermeister Herbert Gschoßmann vertrat die Auffassung, dass die dargelegten Argumente durchaus begründet seien, eine konkrete Überprüfung dieser Argumente sei jedoch nur im Rahmen einer Bauleitplanung möglich. Anhand einer Fotoaufnahme konnte dem Gemeinderat und den Zuhörern die bereits derzeit unbefriedigende Ausfahrtssituation der Ortsstraße Zauberwald erläutert werden. Im Rahmen einer Vorprüfung hatte das Straßenbauamt festgestellt, dass die künftige Zufahrt für das Gewerbegebiet besser als die vorhandene wäre. Bürgermeister Herbert Gschoßmann sprach sich persönlich für die Ansiedelung des Gewerbebetriebes im Bereich Klauspoint im Rahmen eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes aus.

Johannes Grill (Ramsauer Wahlblock) argumentierte gegen dieses Projekt, da nach seiner Meinung die Erschließung durch den Ortskern problematisch sei, ein derartiger Betrieb sollte daher an der Bundesstraße 305 angesiedelt werden. Zudem habe der Betrieb an diesem Standort keine Entwicklungsmöglichkeit und die geplante Zufahrt zum neuen Betriebsstandort stelle einen erheblichen Eingriff in die Landschaft dar. Durch die Lage am Wanderweg zum Hintersee sind negative Auswirkungen auf den Tourismus zu befürchten und die Gemeinde schaffe durch diese Bauleitplanung einen Bezugsfall.

Josef Wurm (CSU) vertrat die Auffassung, dass an dieser Stelle ein Betrieb angesiedelt werden sollte. Für die Gemeinde sei der Fortbestand eines Handwerksbetriebes mit 30 Mitarbeitern sehr wichtig, da hierdurch auch in Zukunft in der Gemeinde Arbeitsplätze für Einheimische angeboten werden können und auch entsprechende Steuereinnahmen zu erwarten sind. Aufgrund der sensiblen Lage des Baugebietes wies Wurm darauf hin, dass landschaftsbezogen geplant werden müsse.

Wolfgang Bartels (CSU) sprach sich zwar für den Erhalt der Firma Graßl Bau GmbH aus, aber gegen den Standort Klauspoint, da dieser Standort wegen seiner aus touristischer Sicht sensiblen Lage eine Fehlplanung sei. Bartels bezeichnete den Standort Reichlfeld II als Alternative, da nach seiner Auffassung die Zimmerei durchaus auch an dem bisherigen Standort verbleiben könne.

2. Bürgermeister Josef Maltan (CSU) warb dafür, den Betrieb in Ramsau zu halten, da er viele Ramsauer Arbeitnehmer beschäftige, die Nebenerwerbslandwirte sind. Für diese Personen sei ein ortsnaher Arbeitsplatz sehr wichtig. Ein Problem des Alternativstandortes Reichlfeld II ist nach Maltan die Tatsache, dass dort zu kleine Lagerflächen zur Verfügung stehen. Zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit des Betriebes sei auch eine neue, dem aktuellen Standard angepasste Zimmereihalle notwendig. Diese im Ortszentrum zu errichten, sei im Hinblick auf die im Bereich Riesenbichl vorhandene Bebauung und Erschließung nicht sinnvoll. Josef Maltan forderte daher, das Verfahren zur Bauleitplanung am Standort »Klauspoint« zu eröffnen.

Georg Gruber (Ramsauer Wahlblock) sprach sich dafür aus, das Bauleitverfahren einzuleiten, da jeder Standort in Ramsau mit dem Tourismus kollidieren würde.

Rudolf Fendt (Ramsauer Wahlblock) teilte zwar die Auffassung, dass für die Graßl Bau GmbH Gründe für eine Betriebserweiterung vorliegen. Er sehe jedoch in einer Entscheidung für den Standort Klauspoint eine negative Signalwirkung für die Ramsauer Ortsentwicklung mit entsprechender Präzedenzwirkung in der Gemeinde. Zu diesem Zeitpunkt sei es sinnvoll und ehrlich, der Firma Graßl Bau GmbH zum Standort »Klauspoint« eine Absage zu erteilen.

Georg Graßl (CSU) vertrat die Ansicht, dass Tourismus und Handwerksbetriebe zusammen gehören. Der Betrieb Graßl Bau GmbH wolle sich weiterentwickeln und künftig auch wirtschaftlicher arbeiten. Nach seiner Auffassung sei der Betrieb am Standort »Klauspoint« gut untergebracht. Durch diese Standortwahl entstünden auch im Ortsbereich neue Gestaltungsmöglichkeiten im Bereich Malerwinkl. Zudem habe man in Zusammenhang mit dem Bau der neuen Zufahrt für den Gewerbebetrieb auch die Möglichkeit, die Zufahrtssituation für die Ortsstraße Zauberwald zu verbessern.

Den Grundsatzbeschluss zur Bebauungsplanaufstellung fasste der Gemeinderat mit 8:4 Stimmen. Der tatsächliche Beschluss zur Bebauungsplanaufstellung und zur Flächennutzungsplanänderung könnte auf der nächsten Sitzung gefasst werden. Bis dahin muss die Verwaltung die entsprechenden Vorarbeiten erledigen. UK/MW