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»Meilenstein« für die Medizin in der Region

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Dr. Jörg Weiland, Chefarzt und ärztlicher Direktor, ist überzeugt: Mit dem Weiterbildungsverbund würden alle profitieren. (Foto: Pfeiffer)

Bad Reichenhall – Die Gründung des Weiterbildungsverbundes Allgemeinmedizin ist unter Dach und Fach. Außerdem wurde starke Kritik an der Arbeitsmoral junger Ärzte geäußert.


Am Mittwochnachmittag unterzeichnete Landrat Georg Grabner gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der Kliniken Südostbayern AG, Dr. Uwe Gretscher sowie den Initiatoren des Verbundes die Kooperationsvereinbarung, die die Attraktivität der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein »erheblich steigern« soll. Für die Region sei es »elementar wichtig«, zu wissen, dass die Bevölkerung zu jeder Zeit medizinisch gut versorgt sei. Von Chefarzt und ärztlichem Direktor, Dr. Jörg Weiland, gab es Kritik an der Arbeitsmoral von so manchem jungen Arztkollegen.

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Lange befand sich das Thema auf der Agenda, nun wurde der Weiterbildungsverbund endlich per Unterschrift ins Leben gerufen. Einen »Meilenstein« nennt diesen etwa Dr. Reinhard Reichelt, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes im Berchtesgadener Land und einer der Hauptinitiatoren des Verbundes. Er hatte sich seit mehreren Jahren dafür eingesetzt, diesen zu verwirklichen, war bei mehreren Klinikleitungen bislang aber auf taube Ohren gestoßen.

Die hausärztliche Versorgung sei in der Region »aktuell noch gut«, so Landrat Grabner. Man wisse aber nicht, wie lange, denn schließlich würden auch die Ärzte nicht jünger. Eine gute ärztliche Versorgung sei unabdingbar, um auch als Region positiv nach außen hin wahrgenommen zu werden, so Grabner. Junge Mediziner wolle man vor allem ansprechen. Die Attraktivität der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin werde deutlich verbessert, die Zusammenarbeit zwischen Kliniken und Praxen intensiviert und ebenso die ärztliche Nachwuchssituation gestärkt. Dies wurde auch als Ziel für die Gesundheitsregion plus Berchtesgadener Land festgesetzt.

Komplettlösung für die Allgemeinarzt-Weiterbildung

Der Weiterbildungsverbund soll künftig die Organisation der Ausbildungsabschnitte übernehmen, die für angehende Allgemeinmediziner notwendig sind. Im Verbund schließen sich die Kliniken Südostbayern AG, Fachärzte für Allgemeinmedizin und Fachärzte anderer Disziplinen zusammen, um jungen Ärzten eine Komplettlösung für deren Weiterbildung in der Region über den Zeitraum von fünf Jahren bieten zu können.

In der Regel sei die Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin mit hohem Aufwand verbunden. Die erforderlichen Weiterbildungsabschnitte, die gewöhnlich in den Kliniken und Praxen abzuleisten sind, müssen eigens organisiert werden. Für den medizinischen Nachwuchs ergebe der Verbund ausschließlich Vorteile, vor allem spreche der geringere Organisationsaufwand sowie eine gesteigerte Planungssicherheit dafür, sagte Grabner.

Mit der Kooperationsvereinbarung verpflichten sich die Partner, bislang zwölf Fachärzte, »die gesamte Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in den Standorten der Kliniken Südostbayern AG und den teilnehmenden niedergelassenen Praxen in der Region für die angehenden Hausärzte zu koordinieren und zu organisieren«, so der Landrat. Dem Verbund könne auch weiterhin jederzeit beigetreten werden, gleichgültig, ob interessierte Klinik oder niedergelassener Arzt.

Dank sprach Landrat Georg Grabner vor allem den beiden Initiatoren des Projektes aus, Dr. Reinhard Reichelt, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes Berchtesgadener Land sowie Dr. Jörg Weiland, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Inneren Medizin. Beide hätten nicht eher Ruhe gegeben, bis Ergebnisse auf dem Tisch lagen.

Dr. Uwe Gretscher, Vorstandsvorsitzender der Kliniken Südostbayern AG, sagte: »Eine gute Zusammenarbeit zwischen Kliniken und niedergelassenen Ärzten ist von großer Bedeutung.« Eine flächendeckende Versorgung funktioniere nur, wenn man genug gut ausgebildete Ärzte habe, die bereit wären, fern der Ballungszentren zu arbeiten und zu wohnen. Zwei Jahre und »einigen Kraftaufwand« habe es gekostet, um das Projekt zum Abschluss zu bringen. Der Weiterbildungsverbund sei ein wesentlicher Bestandteil in der hiesigen Gesundheitsversorgung. »Wir beteiligen uns nicht nur dran, wir unterstützen diesen maßgeblich«, verdeutlichte Gretscher. Angehende Ärzte müsse man bereits direkt im Studium gewinnen. Das Ziel: Dass sie sich in der Region niederlassen.

Dr. Stefan Paech, medizinischer Direktor der Kliniken Südostbayern AG, sagte, dass er sich über die Entwicklung freue. Der Weiterbildungsverbund sei ein weiterer Baustein in einer Reihe an Maßnahmen, die in den vergangenen Jahren getroffen worden waren. Als Klinikverbund nutze man alle Möglichkeiten, die einem zur Verfügung stünden. Sowohl Kinder- und Jugendmedizin als auch Urologie und Gynäkologie seien Fachbereiche, die im Klinikverbund für die Weiterbildung zum Allgemeinmediziner in Betracht gezogen würden. Auch das Klinikum Traunstein ist mit zwei Fachabteilungen beteiligt, so Paech. Er lobte »die Weitsicht der Lokalpolitik«, ohne deren Zutun der Weiterbildungsverbund nicht möglich gewesen wäre.

Dr. Jörg Weiland sagte: »Ich weiß, wie wichtig es ist, dass die niedergelassene Medizin mit dem stationären Sektor gut zusammenarbeitet.« Man habe innerhalb der Kliniken »ein Problem des Nachwuchses und es ist schwierig genug, gut qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen.« Die Region sei es wert, gute Leute hierherzubekommen.

Kritik an Arbeitsmoral junger Ärzte

Weiterbildung liege allen Chefarztkollegen am Herzen, darum zeigte er wenig Verständnis für das Verhalten so mancher junger Ärztekollegen: »Wir sind traurig, dass wir einer aktuellen Ärztegeneration begegnen, die man meistens ab 16 Uhr auf der Flucht sieht.« Oftmals müsse man die Ärzte von heute zu den Untersuchungen tragen. Darüber hinaus jammere so mancher über die Patientenzahlen von heute. »Früher hätten wir uns über diese Patientenzahlen gefreut«, so Weiland. Eine fundierte Ausbildung, die mit einem großen Arbeitsaufwand verbunden ist, sei notwendig, um am Ende als guter Allgemeinmediziner abschließen zu können. Mit ein bis zwei Allgemeinmedizinern rechne Weiland, die pro Klinik betreut werden könnten.

Dr. Reinhard Reichelt zeigte sich zufrieden, dass der Weiterbildungsverbund nach mehreren Jahren nun starten könne. Viel Arbeit sei geleistet worden, nun müsse man sich dran setzen, die Ziele zu erreichen. Kilian Pfeiffer