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Michaela Kaniber holt Direktmandat mit Stimmenverlust – das sagen unsere Politiker

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Michaela Kaniber ist als CSU-Direktkandidatin erneut in den Bayerischen Landtag gewählt worden. Erste Gratulanten waren gestern Landrat Georg Grabner (l.) und Bezirkstagskandidat Georg Wetzelsperger, der auf die Auswertung der Bezirkstagswahl noch warten musste. (Foto: Klein)

Berchtesgadener Land – Michaela Kaniber wird den Stimmkreis Berchtesgadener Land auch in der kommenden Wahlperiode im Bayerischen Landtag vertreten. Die Bayerisch Gmainerin, die seit fünf Jahren für die CSU im Parlament sitzt, holte gestern erneut das Direktmandat im Stimmkreis 112.


Neben den 15 Landkreiskommunen gehören auch die Traunsteiner Gemeinden Fridolfing, Kirchanschöring, Petting, Tittmoning, Taching am See, Waging am See und Wonneberg zum BGL-Stimmkreis. Zwar büßte die Staatsministerin im Kabinett von Markus Söder gegenüber den Wahlen von 2013 deutlich Stimmen ein, im Vergleich zum landesweiten Absturz ihrer Partei schnitt sie aber noch relativ gut ab. Hatte Michaela Kaniber damals noch ein Ergebnis von 51,19 Prozent erreicht, so waren es diesmal 42,71 Prozent.

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Die Gefühle waren durchaus gemischt bei Michaela Kaniber, die die ersten Hochrechnungen und damit das bayernweite CSU-Wahldebakel noch im Maximilianeum verdauen musste. Hatte sie in München kurz nach 18 Uhr noch mit versteinerter Miene an der Seite des Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder gestanden, so tauchte sie eineinhalb Stunden später im Landratsamt zusammen mit ihrer Familie doch mit leicht verbesserter Laune auf. Immerhin hielten sich ihre Stimmenverluste im Stimmkreis gegenüber 2013 in Grenzen. Allerdings spiegelte sich der landesweite Absturz ihrer Partei auch im Stimmkreis-Ergebnis der CSU wider. Nur 42,46 Prozent der Wähler im Stimmkreis Berchtesgadener Land machten nach dem vorläufigen Ergebnis bei der Zweitstimme ihr Kreuz bei der CSU. Vor fünf Jahren waren es noch 58,92 Prozent.

Die Ergebnisse aller Gemeinden im Überblick.

Gesamt-Ergebnis der Erststimmen (TS):

 

Gesamt-Ergebnis der Zweitstimmen (TS):

 

Die Ergebnisse aller Gemeinden im Überblick.

Gesamt-Ergebnis der Erststimmen (BGL):

 

Gesamt-Ergebnis der Zweitstimmen (BGL):

 

Lesen Sie auch die Politiker-Statements aus dem Stimmkreis Traunstein.

Statements der heimischen Kandidaten

Michaela Kaniber (CSU)

»Mit meinem persönlichen Ergebnis bin ich sehr zufrieden«, sagte Michaela Kaniber gestern unserer Zeitung. Und landesweit hätte das Ergebnis für die CSU laut Ministerin auch deutlich schlechter ausfallen können, denn die Prognosen wären gar nur von 33 Prozent ausgegangen. Jetzt heiße es, in den nächsten Tagen Ruhe bewahren und eine neue Regierung zu bilden. Gerne würde Michaela Kaniber nach eigenen Worten weiterhin bayerische Landwirtschaftsministerin bleiben. Die Bayerisch Gmainerin betonte aber, dass sie den Wählerwillen respektiere und deshalb auch Verständnis dafür hätte, wenn eine andere Partei den Posten besetzen würde. »Die Zeit mit der Bauernschaft war schön und intensiv, aber manchmal auch hart«, bilanzierte Kaniber.

Susanne Aigner (SPD)

Ein echtes Debakel bei ihrer Erstkandidatur erlebte Susanne Aigner. Die SPD-Direktkandidatin aus Laufen musste mit dem Minimalergebnis von 6,7 Prozent der Stimmen zufrieden sein. Ihr Parteigenosse Roman Niederberger war als SPD-Kandidat vor fünf Jahren noch auf 11,59 Prozent gekommen. Susanne Aigner: »Ich bin weder enttäuscht noch zufrieden. Wir haben einen guten Wahlkampf mit guten Themen geführt, allerdings haben diese den Wähler wohl nicht angesprochen. Außerdem hat der Gegenwind aus Berlin die Situation noch schwieriger gemacht.« Und so gab es auch bei den Zweitstimmen für die Sozialdemokraten im Stimmkreis keinen Grund zum Jubeln. Mit den erreichten 6,36 Prozent lagen sie deutlich unter dem Ergebnis von 2013 (16,26 Prozent).

Michael Koller (Freie Wähler)

Noch einmal wissen wollte es Michael Koller, den die Freien Wähler zum zweiten Mal ins Rennen geschickt hatten. Und der Berchtesgadener konnte sich gegenüber 2013 sogar noch ein wenig verbessern. Hatte Koller vor fünf Jahren noch mit 13.00 Prozent zufrieden sein müssen, so durfte er sich diesmal über 13,62 Prozent freuen. »Mein persönliches Ergebnis ist sehr erfreulich. Ich liege sogar noch über dem bayerischen Trend«, sagte Michael Koller, dem vor allem das gute Abschneiden im südlichen Landkreis einen positiven Wahlabend bescherte. Auch bei den Zweitstimmen konnten die Freien Wähler gegenüber dem enttäuschenden Ergebnis von 2013 (5,92 Prozent) etwas aufholen. Diesmal machten im Stimmkreis Berchtesgadener Land 11,89 Prozent der Wähler ein Kreuz bei den Freien Wählern.

Dr. Bernhard Zimmer (Grüne)

Feierlaune herrschte dagegen bei den Grünen, obwohl natürlich auch deren Kandidat Dr. Bernhard Zimmer von einem Direktmandat weit entfernt war. Aber immerhin schenkten 15,97 Prozent der Wähler im Stimmbezirk 112 dem Bioimker aus Piding, der erstmals für den Landtag kandidierte, ihr Vertrauen. Damit lag er doch deutlich über den 11,85 Prozent des Berchtesgadener Grünen-Aushängeschilds Dr. Bartl Wimmer vor fünf Jahren und wurde zweitstärkster Direktkandidat im Stimmbezirk hinter Michaela Kaniber. Und dann hebt der landesweite Zuwachs an Zweitstimmen für die Ökopartei zusätzlich die Stimmung Bernhard Zimmers. Im Stimmbezirk Berchtesgadener Land wählten mit der Zweitstimme stattliche 16,74 Prozent grün, vor fünf Jahren waren es noch 8,81 Prozent. Dr. Zimmer: »Insgesamt bin ich mit meinem Wahlergebnis zufrieden. Ich habe erreicht, was im Bereich des Machbaren lag. Mein Ziel war es, mit der Erststimme zuzulegen, was mir auch gelang«. Ansonsten zeigte sich Zimmer »absolut zufrieden« mit dem Wahlausgang für die Grünen in Bayern.

AfD, FDP, Linke, ÖDP und mut

Viele Stimmen verloren die sogenannten Volksparteien beim aktuellen Wahlgang an die erstmals kandidierende AfD. Der landesweite Trend, der der Alternative für Deutschland den Einzug ins Maximilianeum bescherte, spiegelte sich auch im Stimmkreis Berchtesgadener Land wider. Hier kam AfD-Kandidat Jens Schosnowski aus Bad Reichenhall auf 9,57 Prozent, bei den Zweitstimmen holte die Partei 9,95 Prozent.

Die weiteren Direktkandidaten der Parteien spielten bei der Wählergunst im Stimmkreis kaum eine Rolle. Für den Ramsauer FDP-Direktkandidaten Wilhelm Gschossmann gab es gerade einmal 3,51 Prozent, Michael Raufer aus Freilassing von den Linken holte 2,56 Prozent, die Bayernpartei mit Konrad Baueregger aus Palling kam auf 3,28 Prozent, ÖDP-Kandidatin Barbara Paiva aus Laufen verbuchte 1,52 Prozent und Maria Mayr aus Wonneberg von der Mut-Partei musste mit 0,57 Prozent zufrieden sein.

Die Auszählung der Stimmen dauerte diesmal im Vergleich zur letzten Landtagswahl etwas länger, was wohl an der deutlich höheren Wahlbeteiligung lag. Die lag diesmal bei sehr guten 71,82 Prozent, vor fünf Jahren hatten nur 62,54 Prozent der Wähler ihre Stimme abgegeben. Als letzte Schnellmeldung im Stimmkreis ging gestern Abend um 21.23 Uhr das vorläufige Auszählungsergebnis aus der Stadt Bad Reichenhall im Landratsamt ein. Die schnellste Meldung kam von den Wahlhelfern aus Kirchanschöring, die bereits um 19.38 Uhr ihr Ergebnis übermittelt hatten. Im Stimmkreis Berchtesgadener Land durften 94 800 Bürger an die Wahlurne treten - rund 1000 mehr als 2013. Ulli Kastner