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Michaela Kaniber zieht in den Bayerischen Landtag ein

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Berchtesgadener Land – Michaela Kaniber heißt die neue Stimmkreisabgeordnete im Berchtesgadener Land. Die CSU-Politikerin holte bei der gestrigen Landtagswahl 51,19 Prozent der Stimmen und wird damit Nachfolgerin von Roland Richter, der nicht mehr zur Wahl angetreten war. Zweitstärkster Kandidat war der Berchtesgadener Michael Koller, der 13,00 Prozent der Stimmen bekam und damit einen Achtungserfolg einfuhr.


18 Uhr im großen Sitzungssaal des Landratsamtes, die erste Prognose des Bayerischen Fernsehens flimmert über die Bildschirme. 49 Prozent zu diesem Zeitpunkt für die CSU, 21 Prozent für die SPD, 8,5 Prozent für die Freien Wähler und nur mehr drei Prozent für die FDP. Michaela Kaniber kommt als erste in den Sitzungsraum kurz nach der ersten Prognose, sie lacht. »Das ist ja irre, damit hätte ich nicht gerechnet. Also das ist schon sehr erfreulich, damit ist das ewige Liberalisieren zu Ende.« Von der FDP ist Stadtrat Gerhard Schröter trotzdem gelassen, »das ist ja nur eine Prognose, warten wir mal die erste Hochrechnung ab«, so sein erster, knapper Kommentar.

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18.30 Uhr, das lange Warten auf die ersten Schnellmeldungen aus den Gemeinen beginnt, Michaela Kaniber wirkt angespannt und surft auf ihrem Handy nach weiteren CSU-Ergebnissen. Roman Niederberger von der SPD trifft ein, zeitgleich die erste Hochrechnung, danach erreicht die CSU weiterhin 49 Prozent der Stimmen, die SPD 20,9 Prozent, die Freien Wähler 8,4 Prozent und die Grünen 8,3 Prozent, die FDP bleibt bei drei Prozent. Niederberger ist enttäuscht, »natürlich hätten wir uns mehr erwartet, es wird also keinen Wechsel in Bayern geben.« Ob Ude »geholfen« hat oder nicht will Niederberger nicht beurteilen, »wir gewinnen gemeinsam und wir verlieren gemeinsam.« Landrat Georg Grabner strahlt zwei Reihen vor ihm über beide Ohren, »es ist ein stolzes Ergebnis«, so Grabner, »und der Beweis dafür, dass die Arbeit des Ministerpräsidenten entsprechende Früchte trägt.«

Auf dem Bildschirm erscheint Horst Seehofer, der der CSU die absolute Mehrheit wieder gebracht hat. Applaus und Tumulte im Maximilianeum, absolute Ruhe im großen Sitzungssaal. »Wir sind eine Volkspartei, jeder zweite Bayer hat uns gewählt«, hören die rund 20 Besucher den Ministerpräsidenten sagen. Um 18.40 Uhr erscheint Christian Ude von der SPD auf den Bildschirmen und gratuliert der CSU, noch immer gespannte Ruhe im Landratsamt.

Tilo Schöne gratuliert

Es ist 18.50 Uhr, nach Roman Niederberger von der SPD trifft Tilo Schöne von den Republikanern ein und marschiert schnurstracks auf Michaela Kaniber zu. Er gratuliert der CSU-Kandidatin, auch wenn zu diesem Zeitpunkt ihr Einzug ins den Landtag noch nicht feststeht. Das Republikaner-Ergebnis Bayerns kennt er noch nicht, »das läuft immer unter Sonstige Parteien.« Es ist inzwischen kurz nach 19 Uhr, Stefan Neiber vom Landratsamt erwartet die ersten Ergebnisse, 2008 trudelten sie ab 19 Uhr ein. Die Wahlsendungen der TV-Sender laufen derweilen auf Hochtouren, im großen Sitzungssaal des Landratsamtes immer noch angespannte Zurückhaltung, hier warten alle auf die ersten Ergebnisse der Erststimmen-Auszählung. Michael Kaniber ist mit einem schwarzen Samtkleid schon bei den ersten Interviews, kann hier allerdings nur das bayernweite CSU-Ergebnis kommentieren.

Es wird 19.30 Uhr, im Wahlstudio des Bayerischen Fernsehen analysieren die Spitzenkandidaten der Parteien schon das Wahlergebnis, in Bad Reichenhall heißt es weiterhin warten. Kaniber sitzt wieder bei ihrem Mann, der Blick stur auf ihr Handy gerichtet. »Ich bekomme von anderen Kandidaten und aus den Wahlkreisen erste Stimmungen, aber Genaues weiß ich auch noch nicht, sonst hätte ich schon geschrien.« Undgeduldig werden auch die Mitarbeiter des Landratsamtes, vor fünf Jahren waren die ersten Gemeindeergebnisse schon im Haus. Andreas Bratzdrum, der Sprecher des Landrats, vermutet, dass es an der hohen Zahl der Briefwähler liegt.

Keine Kaniber-Freude bei ersten Ergebnissen

Um 19.30 Uhr sind die ersten beiden Ergebnisse im Haus, Marktschellenberg liefert die erste Stimmauszählung: CSU/Kaniber 39,02 Prozent, SPD/Niederberger 8,11 Prozent, FW/Koller 31,15 Prozent und Grüne/Wimmer 12,77 Prozent. Kaniber blickt mit erstarrtem Gesicht auf die Ergebnisse, Zufriedenheit sieht anders aus, Roland Richter hatte vor fünf Jahren in Marktschellenberg knapp 46 Prozent erreicht. Bei den Zweitstimmen führt die CSU mit 55,94 Prozent. Es folgen die Schnellmeldungen aus der Ramsau – hier 55 Prozent Erststimmen für Kaniber.

Es ist 19.45 Uhr, fünf Gemeindeergebnisse sind im Landratsamt, danach hat Kaniber 52,7 Prozent der Stimmen, 9 Prozent für Roman Niederberger, SPD, 10,9 Prozent für Michael Koller von den Freien Wählern und 11,6 Prozent für Bartl Wimmer von den Grünen. Martin Schön von den Piraten sitzt einsam in der letzten Reihe, seine Ergebnisse sind nicht berauschend, 1,37 Prozent für ihn als Direktkandidaten, 0,89 Prozent für seine Partei. »Aber in den bisher fünf ausgezählten Gemeinden haben wir keine Werbung gemacht, vielleicht wird es noch besser«, so Schön.

Kurz vor 20 Uhr sind sieben Ergebnisse eingetroffen, Michaela Kaniber stabilisiert sich bei knapp über 50 Prozent, Niederberger liegt bei knapp 10 Prozent, Wimmer bei 11 Prozent und Michael Koller von den Freien Wählern bei knapp über 17 Prozent. Koller ist inzwischen im Landratsamt eingetroffen und ist enttäuscht, vor allem wegen des bayernweiten Abschneidens der Freien Wähler. »Mit meinen Erststimmen liege ich im Landkreis ja deutlich über dem Bayernergebnis«, so Koller, aber echte Freude kommt nicht auf.

Kaniber erholt sich

Es ist 20 Uhr, im gesamten Stimmkreis sind neun Gemeinden ausgezählt, bei den Erststimmen führt CSU Kaniber mit 51,2 Prozent der Stimmen. Sie hat sich nach dem ersten 39-Prozent-Schock nach dem Marktschellenberg-Ergebnis sichtlich erholt. »Im Süden sind natürlich Koller und Wimmer stark, das ist deren Heimat, aber jetzt ist das Ergebnis schon annehmbar, ich würde sagen, noch sehr ausbaufähig«, so eine mittlerweile lächelnde Kaniber.

Bartl Wimmer von den Grünen ist enttäuscht, vor allem über das bayernweite Abschneiden der Grünen. Er selbst hält zu diesem Zeitpunkt bei neun ausgezählten Gemeinden bei knapp 12 Prozent. »Damit kann man gerade noch zufrieden sein, mit dem bayernweiten Ergebnis natürlich nicht. Ich glaube, Horst Seehofer ist es schlichtweg gelungen, die Wähler einzulullen«, so Wimmer. Er will sich jetzt nur kurz ärgern, dann die Ärmel hoch krempeln und dann für die Bundestagswahl am nächsten Sonntag kämpfen.

Um 20.15 Uhr sind die Hälfte der Gemeinden im Stimmkreis ausgezählt, also inklusive der sieben Gemeinden im Landkreis Traunstein. Kaniber hat sich bei knapp über 50 Prozent eingependelt, gefolgt von Koller mit 15 Prozent, dann Wimmer mit 12 Prozent und auf Platz vier Niederberger mit 11 Prozent. Roman Niederberger hofft auf die großen Gemeinden, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgezählt sind. »Also zumindest habe ich bisher schon mehr als vor fünf Jahren.«

Freilassing liefert erstes Stadt-Ergebnis

Das erste Stadtergebnis liefert Freilassing um 20.25 Uhr ab, hier liegt Kaniber bei den Erststimmen wieder knapp unter 50 Prozent, gefolgt von Niederberger bei 18 Prozent und Wimmer mit 11 Prozent. Freilassings Bürgermeister Josef Flatscher, CSU, zeigt sich zufrieden, »man muss natürlich sehen, dass der bisherige Stimmkreisabgeordnete Roland Richter aus Freilassing war, insofern ist das also ein Handicap für Kaniber, die bei uns in Freilassing an der 50-Prozent-Marke knabbert.« Die schwache Wahlbeteiligung in Freilassing von 52,4 Prozent kann sich Flatscher auch nicht recht erklären.

Koller siegt in Berchtesgaden

Michael Koller von den Freien Wählern hat in Berchtesgaden die Nase vorne, bei den Erststimmen erreicht er 35,4 Prozent der Stimmen, knapp dahinter Michaela Kaniber, CSU, mit 34,97 Prozent, auf Platz drei Bartl Wimmer von den Grünen. Koller freut sich, »das ist ein Superergebnis in meiner Gemeinde und auch ein Beweis dafür, dass meine Arbeit im Gemeinderat ankommt.« Anders sieht allerdings das Ergebnis der Freien Wähler bei den Zweitstimmen in Berchtesgaden aus: 8,8 Prozent, dazu will sich Koller nicht wirklich äußern. Und was macht er jetzt mit seinen persönlichen 35 Prozent? »Erst einmal freue ich mich sehr darüber.« Ob er mit diesem Ergebnis damit bei der Kommunalwahl 2014 schon automatisch der Bürgermeisterkandidat der FWG in Berchtesgaden ist, lässt er sich an diesem Abend nicht entlocken.

Thanbichler Nummer 2 in Laufen

Wie sehr die Erststimmen tatsächlich eine Persönlichkeitswahl sind, zeigt sich um 21 Uhr an den Ergebnissen aus der Stadt Laufen. Kaniber erreicht knapp 40 Prozent, auf Platz zwei mit genau 16 Prozent Agnes Thanbichler, die Stadträtin der ÖDP, sie ist im großen Sitzungssaal des Landratsamtes allerdings nicht vertreten. Ähnlich wie bei Michael Koller fällt die Partei von Thanbichler, die ÖDP, im Vergleich zu den Erststimmen deutlich ab, 5,3 Prozent.

Um 21 Uhr trifft als vorletzte Gemeinde die Stadt Bad Reichenhall ein, hier erhält CSU Kaniber 54,68 Prozent der Erststimmen, gefolgt von SPD Niederberger und 15,48 Prozent und Grüne Wimmer mit exakt 11 Prozent, die Wahlbeteiligung liegt bei 59 Prozent. Martin Schön von den Piraten erhält in seiner Heimatgemeinde 2,14 Prozent, dieses Ergebnis erfährt er nicht mehr persönlich, er hat den Sitzungssaal bereits verlassen.

Sieg Kanibers steht fest

Um 21.30 Uhr hat das Warten ein Ende, alle 22 Gemeinden im Stimmkreis sind ausgezählt, jetzt atmet Michaela Kaniber von der CSU auf, 51,19 Prozent der Wähler haben ihr die Erststimme gegeben. Sie fällt ihrem Mann Thomas um den Hals, Landrat Georg Grabner kommt mit Blumen. Mit 51,19 Prozent der Erststimmen schneidet sie besser ab als Roland Richter vor fünf Jahren, »das hatte aber mit dem sehr starken Kandidaten Sepp Daxenberger zu tun«, so Kaniber. Mit ihrem Ergebnis ist sie sichtlich zufrieden, »aber wir haben schon gesehen, dass es dieses Mal zwei starke Kandidaten aus dem südlichen Landkreis gegeben hat.« Bereits am Montagnachmittag ist Kaniber beim den ersten Sitzungen in München, die Vereidigung wird voraussichtlich am 7. Oktober im Maximilianeum sein.

Niederberger tritt nicht mehr an

Der SPD-Erststimmenkandidat Roman Niederberger ist der einzige Kandidat, der mit 11,68 Prozent weniger Stimmen hat als seine Partei (16,28 Prozent). »Ich hatte eine starke Konkurrenz von Bartl Wimmer und Michael Koller.« Niederberger zieht eine erste Konsequenz, »ich habe das jetzt dreimal gemacht, als Landtagskandidat trete ich nicht mehr an, das darf dann jemand anders machen.«

Enttäuscht ist auch Bartl Wimmer von den Grünen. »Persönlich kann ich mit dem Ergebnis zwar leben, aber das Gesamtergebnis der Grünen ist schlecht, da gibt es nichts zu beschönigen.« Wimmer will in der Kommunalpolitik auf alle Fälle weiter machen, ob er in fünf Jahren noch einmal antritt ist nicht sicher. Michael Hudelist