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Miese Stimmung am schönen Königssee

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Miese Stimmung zwischen den Geschäftsleuten herrscht derzeit in der Seestraße am Königssee. Wie es weitergeht, ist ungewiss. Fotos: Anzeiger/Pfeiffer
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Sonntags ist geschlossen. Die Umsätze sind eingebrochen, die Unternehmer üben Kritik am Landratsamt, das »zu wenig tut, selten kontrolliert.«

Schönau am Königssee – Kein Grund zum Lachen: Die Geschäftsleute dürfen sonntags nicht mehr offen haben, die Umsätze sind seit Monaten eingebrochen. Ein paar Händler halten sich aber nicht an das Gesetz, »das Landratsamt kontrolliert nachlässig«, sagen Insider, was wiederum die Konkurrenz aufhorchen lässt. »In der Seestraße reden wir kaum noch miteinander«, berichtet einer im Gespräch mit der Heimatzeitung. Wie es weitergeht, weiß niemand.


Seit Oktober greift das Gesetz, das die Königsseer Geschäftsinhaber dazu zwingt, ihre Läden sonntags geschlossen zu halten. Ein paar Ausnahmen gibt es, Souvenirläden etwa und Mineraliengeschäfte. Vertreter des Landratsamts waren im vergangenen Jahr von Geschäft zu Geschäft gegangen, hatten das Sortiment jedes einzelnen Anbieters aufgenommen, festgelegt, ob man sonntags öffnen dürfe und wenn ja, welche Produkte angeboten werden können. »Ortskennzeichnende Ware« etwa oder Produkte, die in einer veralteten Verordnung aufgeführt werden (»Badegegenstände«). Darüber hinaus eroierten die Landratsamtsvertreter bei jedem Einzelnen, wie hoch der Anteil der für den sonntäglichen Verkauf erlaubten Dinge am Jahresgesamtumsatz ausfällt.

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Seitens der Geschäftswelt fordert man nun eine grundlegende Überarbeitung der Verordnung, eine Anpassung an die Gegenwart. »Wir haben seit Oktober sonntags geschlossen«, sagt etwa Wolfgang Riehl vom gleichnamigen Trachtengeschäft. Die Stimmung am Königssee? »Schlecht.« Weil es gespaltene Lager gibt. Die, die konsequent unter Beobachtung des Landratsamts standen, »die haben ständig ein Auge auf uns geworfen«, sagt ein Geschäftsmann, der nicht genannt werden möchte – und eben jene, die in der rechtlichen Grauzone verkaufen. Bis zu 2 500 Euro Bußgeld drohen – eigentlich.

Ein eigenes bayerisches Ladenschlussgesetz scheint in weite Ferne gerückt. Obwohl die Unternehmer in den letzten Monaten, laut eigener Aussage, aktiv waren. Sie haben die Politik auf sich aufmerksam machen können, aber jetzt, so kurz vor dem Wahlkampf, möchte sich keine der Parteien der Gefahr aussetzen, das Königssee-Thema anzupacken, bei dem es gespaltene Lager gibt. Erst im Juni war eine Abordnung von Königssee-Geschäftsleuten in München. »Wir hatten eine halbe Stunde Zeit, um uns mit Christine Haderthauer zu unterhalten«, berichtet einer. Haderthauer ist bayerische Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen. Das Engagement der Königsseer nehme sie ernst, allerdings sind die Chancen, dass Bewegung in die Sache kommt, gering.

In der Seestraße bleibt die Stimmung also erst einmal getrübt. »Das ist eine vom Landratsamt bewusst hervorgerufene Miesestimmung«, sagt einer. In der Seestraße schaue man sich nicht mal mehr gegenseitig an. Neid spielt eine Rolle, »überall Missgunst«, wettert ein anderer. Franz Schön, der am Königssee ein Sportbekleidungsgeschäft führt, sagt, dass ihm seit den Sonntagsschließungen die Umsätze eingebrochen seien. Um über 25 Prozent. »Das tut weh.« Hinzu kommt, dass zahlreiche Tage des Jahres verregnet waren. Auch da blieb die Kundschaft aus. »Man spürt das in der Kasse«, meint Schön. Eine Arbeitskraft hat gekündigt – weil sie sonntags nicht mehr arbeiten konnte. Zum Bestreiten des Lebensunterhaltes hätte sie die Stelle aber benötigt. »Uns fallen 40 Tage weg«, so das Fazit.

Schön ist enttäuscht von der derzeitigen Situation. »Weil die Politik einfach auf stur schaltet.« Weil in Bayern der Ladenschluss nach Beliebigkeit vollzogen werde. 40 Jahre ging am Königssee alles gut, die Geschäfte hatten an Sonntagen immerzu geöffnet, nun, nachdem im vergangenen Jahr ein Mitbewerber im Landratsamt die Sache auf die Agenda gebracht hatte, musste eingegriffen werden, wie es aus dem Landratsamt heißt. Schön kritisiert, dass man dort aber nicht konsequent arbeite. Eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegenüber dem Landratsamt sei verfasst worden. Bis Redaktionsschluss konnte dies von Seiten der Behörde nicht bestätigt werden.

Nun hofft man am Königssee darauf, dass sich etwas tut. »Entweder haben alle geschlossen oder eben alle offen«, meint Schön. Mittelwege ohne klare Regelung? »Nein, danke.« Die laxe Handhabung der Aufsichtsbehörde sei lächerlich.

Dass das Ladenschlussgesetz in anderen bayerischen Orten nicht so streng gehandhabt wird, davon konnten sich einige der Unternehmer ein Bild machen: Am Chiemsee hatten mehrere Sportgeschäfte sonntags geöffnet, am Tegernsee waren es ganze fünf Trachtenläden, die von der Bluse, über die Lederhose bis zum Dirndl alles verkauften. Von »ortskennzeichnender Ware« keine Spur. Kilian Pfeiffer