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Milchviehhalter und Agrarbündnis fordern zukunftsfähige Landwirtschaft - Kundgebungen und Schlepperdemonstrationen geplant

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Ein schönes Leben am Obersalzberg: Lorenz Staudingers Kühe, die im Sommer auf der Alm sind. Fotos: Anzeiger/Pfeiffer
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Im »Perlerlehen« der Familie Staudinger fand im Vorfeld der Agrarministerkonferenz am Obersalzberg eine Pressekonferenz von BDM und Agrarbündnis statt (v.l.): Josef Hubert, Kreisvorsitzender des BDM in Traunstein, Kathrin Staudinger, Milchbauer Lorenz Staudinger, Christa Staudinger, Hans Haunerdinger, BDM-Kreisvorsitzender aus dem Berchtesgadener Land, Gertraud Gafus, Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Sebastian Staudinger und Georg Planthaler vom Agrarbündnis.
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50 Cent fordern die Milchbauern pro Liter. Nur so könne man fair und kostendeckend produzieren.

Berchtesgaden - Die Milchpreise sollen steigen. Das Ziel: 50 Cent pro Liter. Das forderten Vertreter des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) und des Agrarbündnisses Berchtesgadener Land/Traunstein bei einer Pressekonferenz am Dienstag im Perlerlehen am Obersalzberg. Geladen hatten sie im Vorfeld der Agrarministerkonferenz, die von Mittwoch, 10. April, bis Freitag, 12. April, im »Intercontinental Resort« stattfinden wird. Parallel zur Ministerkonferenz sind neben Gesprächen mit den Landwirtschaftsministern der Länder Kundgebungen, Schlepperdemonstrationen und eine Bauernkonferenz im Bräustüberl (10. April) geplant. Georg Planthaler vom Agrarbündnis: »Unser Ziel ist es, unsere Forderungen und Vorstellungen einer bäuerlichen, nachhaltigen, umwelt- und tierschonenden sowie zukunftsfähigen Landwirtschaft an die Politik heranzutragen.«


Was passieren muss, ist klar: »Unsere Milchviehhalter in der Region brauchen wieder eine Perspektive.« Biobauer Planthaler weiß, dass nur so wieder »rentabel gewirtschaftet werden kann.« Dass Politik nicht nur hinter den Schreibtischen stattfinden dürfe, sondern gemeinsam mit den Bauern gemacht werden soll, sei zwar naheliegend, in der Praxis bislang aber nicht gang und gäbe. Deshalb wünscht sich Planthaler, dass die Agrarminister im Rahmen der Obersalzberg-Konferenz auch den Bauern zuhören, die während der drei Tage ein Basiscamp unterhalb des Tagungsortes errichten werden.

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Ein Manifest zur Begrüßung

Eine Delegation des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter wird den anreisenden Amtschefs und Ministern am Eingang des Hotels ein Manifest überreichen, das die Ziele und Forderungen nochmals darlegt. Gleich am Mittwoch, 10. April, findet im Gasthaus »Bräustüberl« um 20.00 Uhr eine Bauernkonferenz zum Thema »Agrarpolitik für eine bäuerliche, nachhaltige Landwirtschaft« statt. Am Donnerstag ist eine BDM-Kundgebung beim Basiscamp mit den Referenten Romuald Schaber (BDM) und Erwin Schöpges vom »European Milk Board« angesetzt. Im Fokus: Helmut Brunner, bayerischer Landwirtschaftsminister. Im Idealfall soll er vor Ort mit den Bauernvertretern in Kontakt treten.

»Das erwarten wir uns in jedem Fall«, sagt Josef Hubert, Kreisvorsitzender des BDM in Traunstein. 120 Milchkühe hat er. »Wir können so, wie es ist, nicht weitermachen.« Dumpingpreise im Lebensmittelsektor, eine fehlgesteuerte Agrarpolitik, »Entwicklungen, die einfach nicht mehr passen«: Hubert sagt, dass es wichtig sei, auf eine flächengebundene Landwirtschaft zu setzen.

Vertrauen in regionale Produkte

Darüber hinaus fordert er, dass künftig wieder mehr Wert auf regional produzierte Güter gelegt werde. »Zu solchen Produkten hat die Bevölkerung Vertrauen«, betont auch Gertraud Gafus, Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, die ebenfalls eine gerechtere Verteilung der Fördergelder fordert. Denn bislang gibt es die Förderung pauschal pro Hektar. Da spielt es keine Rolle, ob man ein kleiner Bauer im Nebenerwerb ist und großen Aufwand bei der Bewirtschaftung seiner Flächen betreibt oder ein industriell arbeitender Großbetrieb. »Nicht nur die Großen dürfen von den Fördergeldern profitieren«, sagt etwa der BDM-Kreisvorsitzende des Berchtesgadener Landes, Hans Haunerdinger.

Wichtig ist den Beteiligten vor allem die Regionalität: Ob alte Obstsorte oder in der Region hergestelltes Milchprodukt: Notwendig sei es, dass es Produkte aus der Umgebung gibt. Lorenz Staudinger ist im Nebenerwerb Milchbauer mit acht Kühen. Bis zu 6 000 Liter Milch gibt jede seiner Kühe pro Jahr. Seit 29 Jahren macht er das. 17 Hektar bewirtschaftet er - plus weitere 40 Hektar auf der Alm. »Große Fläche, wenig Vieh«, sagt er. Den Tieren geht es gut. So einen Betrieb am Leben erhalten könne man nur mit viel Herzblut. Teure Spezialmaschinen, großer Aufwand, eine »Mordsarbeit«: »Wenn wir unsere Urlaubsgäste in der Pension nicht hätten, könnten wir die Landwirtschaft nicht betreiben«, sagt Staudinger, der Mitglied im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter ist.

»Der Milchpreis passt einfach nicht«

Viele vergleichbar arbeitende Bauern haben bereits aufgehört oder stehen kurz davor. »Weil der Milchpreis einfach nicht mehr passt«, weiß Josef Hubert vom BDM. 35 Cent kriegen die Bauern zurzeit. 40 Cent hatten sie in der Vergangenheit gefordert. Aber mit der Inflation und den zusätzlichen Kosten ist das alles nicht mehr möglich. Deshalb peilen die Bauern 50 Cent pro Liter Milch an. Ein Preis, der angesichts des immensen Arbeitsaufwands mehr als gerechtfertigt scheint. Die Erzeugungskosten sind hoch, dennoch werden die Milchpreise vor allem von den Discountern diktiert. »Die machen den Preis kaputt«, sagt Haunerdinger.

Für die hiesigen Bauern, die unter erschwerten Bedingungen arbeiten, ist das eine Katastrophe. In Gefahr sei die »gesellschaftliche und landschaftliche Leistung, die jeder einzelne Bauer erbringt«, sagt Haunerdinger. Darüber sollte man sich im Klaren sein. »Denn jeder Bauer, der hier aufhört, ist weg - für immer.« Kilian Pfeiffer