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»Ministrantenmutti« mit Herz und Lebensfreude

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Fini Pfnür, die im Alter von 87 Jahren verstarb, war die »gute Seele« der Pfarrei Unterstein. Foto: privat

Schönau am Königssee - Ihre immerwährende gute Laune war ansteckend und ihr mitmenschliches Engagement vorbildlich. Die Pfarrei Unterstein hat der kürzlich im Alter von 87 Jahren verstorbenen Fini Pfnür unendlich viel zu verdanken, weil sie als Mesnerin und »Kirchen-Managerin« dem jeweiligen Pfarrer durch ihre vielschichtige Einsetzbarkeit den Rücken frei hielt. Einer von ihnen war der frühere Untersteiner Pfarrer Kaspar Städele, der bei der Beerdigung auch treffend festhielt: »Eine große Frau ist von uns gegangen«.


Geboren ist sie als Fini Gschwendtner am 3. Juni 1925 im Schönauer Storchenlehen als jüngste von sechs Töchtern von Katharina und Josef Gschwendtner. Die beiden Brüder starben schon früh im Kindesalter. Nach der Schule arbeitete Fini von 1940 bis 1960 als Verkäuferin bei der Firma Unterländer in Berchtesgaden, wobei der »Storchen Fini« ihre Pfiffigkeit schnell zum Vorteil gereichte.

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Im Jahr 1958 reichte sie dem Kirchenmusiker Toni Pfnür die Hand fürs Leben. Der war zu diesem Zeitpunkt Organist in Bischofswiesen, konnte aber 1964 nach Unterstein wechseln, wo er bis 1979 den Ton in der Kirchenmusik angab.

Der damalige Pfarrer Karl Schwarz suchte seinerzeit dringend jemanden, der ihm den Haushalt ordnete. Tochter Josefine war gerade eingeschult worden, die Zeit also günstig. Fini sagte zu. Später ersetzte sie in der Pfarrei Unterstein zusätzlich den ausgeschiedenen Mesner, was sie mit viel Fleiß und großer Freude tat.

Nur einen kleinen Auszug aus ihrem breit gefächerten Arbeitspensum konnte Pfarrer Kaspar Städele bei der Beerdigung erwähnen. Neben dem Dienst in Sakristei und Kirche kam die Vorbereitung der vielen Alm-, Berg- und Feldgottesdienste dazu. Freilich ging die Fini immer selbst mit hinauf. Dann waren die großen Tage in St. Bartholomä, zu Hochzeiten, zum Katherltag, zu Kirchweih und zur 850-Jahr-Feier. Bei Prozessionen und Palmweihen war das organisatorische Talent Fini Pfnürs gefragt. Kurzum, Fini Pfnür tat alles, wozu die Pfarrei sie brauchte: Sie war auch Raumpflegerin, Lektorin und Kommunionhelferin, Bürohilfe, Caritassammlerin und Pfarrbriefausträgerin.

Als Mesnerin war Fini Pfnür gleichzeitig die Chefin der Ministranten, was ihr schnell den liebevollen Namen »Ministrantenmutti« einbrachte. Zusammen mit der Jugend brachte sie auch die Sternsinger auf den Weg. Neben ihrem gewaltigen Engagement für die Kirche sang die hochmusikalische Fini des weiteren über 60 Jahre lang im Untersteiner Kirchenchor. Bei hochfestlichen Orchestermessen schwang sie sogar vor den Sängern und Musikern mit echtem Können den Taktstock. Zudem hatte ihr Mann Toni Pfnür einen Kinderchor gegründet, Fini übte als dessen Leiterin mit dem Nachwuchs weltliche und kirchliche Lieder ein.

»Bei all dem war Fini Pfnür nicht nur eine kirchliche Managerin, sondern sie hatte zweifellos auch die innere Einstellung zu diesem Beruf«, so Kaspar Städele. Das vorgelebte Beispiel ihrer tiefgläubigen Eltern, die Ehrfurcht vor Gott und allem Heiligen, führte sie persönlich weiter. Dazu gehörte auch, dass sie den Bittgang nach Maria Kirchental im Jahr 1975 zusammen mit Edeltraud Zechmeister und Wasti Maltan wieder aufleben ließ. Städele: »Das war in meinen Augen eine Heldentat«.

Offiziell hat Fini Pfnür ihr Amt der Mesnerin 2001 abgelegt. Doch viel zu merken war davon nicht, denn die treue Helferin war weiterhin täglich und wenn es sein musste auch nachts für ihre Kirche da. Erst im Alter von 82 Jahren - das war 2007 - musste die Schönauerin aufgrund nachlassender Kräfte einen echten Schlussstrich ziehen und ihrem Nachfolger Reinhard Renoth Platz machen. Von einem schweren Sturz konnte sich die Storchen Fini später nicht mehr richtig erholen. Am 20. November ist sie friedlich für immer eingeschlafen.

»Ich möchte keinen Tag missen, den ich gelebt habe«, sagte Fini Pfnür im Jahr 2006 in einem Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«. Aber auch wer die Fini kannte, möchte keinen Tag mit ihr missen. Ihren allgegenwärtigen Schalk und ihren grenzenlosen Optimismus werden vor allem die Untersteiner vermissen. UK