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Mischung aus Forum Romanum und Venedig

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Grabungsarbeiten soweit das Auge reicht – und dazwischen ein kleiner See. Da brauchen Touristen derzeit nicht nach Rom oder Venedig zu fahren. Sie bekommen auch in Berchtesgaden alles geboten, was das Herz begehrt. (Fotos: Kastner)
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Der einzige Kongresshaus-Zugang ist aktuell einen Meter breit.
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Keine Ausgrabung im Forum Romanum, sondern ausgebaute Nagelfluhblöcke vor dem Kongresshaus.
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Gäste, die zur Tourist-Info wollen, brauchen aktuell eine gute Portion Orientierungssinn.

Berchtesgaden – Kubikmetergroße Nagelfluh-Brocken liegen im Gras, daneben wird in teilweise tiefen Löchern mit Bagger und Schaufel gegraben. Ein paar Meter weiter hat sich nach den starken Regenfällen der letzten Wochen ein kleiner See gebildet. Die Szene auf dem Kongresshaus-Vorplatz erinnert irgendwie an das historische Forum Romanum, das Archäologen einst mitten in Rom ausgegraben hatten. Andererseits könnte man sich auf dem Gewässer hinter dem Bauzaun leicht eine venezianische Gondel vorstellen, mit der die Gäste zur Tourist-Info, ins neue Bistro oder ins Kino übersetzen könnten. Denn trotz des ausgeschilderten, verwinkelten, streng eingezäunten, über Planken führenden Zugangs zum Kongresshaus sind Urlauber, aber auch Einheimische nicht selten verwirrt in dem Chaos aus Steinen, Zäunen und Schildern. Und bei Nachbarn wie Verantwortlichen der Marktgemeinde steigt langsam die Nervosität, denn man ist in Verzug. Die Saison nimmt Fahrt auf, der Druck wird größer.


Auch Marktbaumeister Peter Hasenknopf ist wenig erfreut über die Verzögerungen. Denn eigentlich hätte auch der Vorplatz zur Kongresshaus-Eröffnung am 22. Juni fertig sein sollen. »Aber es sind Dinge hinzu gekommen, die vorher niemand ahnen konnte«, sagt der Fachmann beim Lokalaugenschein auf der Baustelle. Hasenknopf, der zum Termin auch seinen Kollegen Stefan Schwab vom märktischen Bauhof mitgebracht hat, steht auf den frisch verschweißten doppellagigen Bitumenbahnen auf der Tiefgaragendecke und erklärt: »Es war alles nicht richtig abgedichtet, wir mussten das unbedingt machen, bevor wir die Schutzasphaltschicht aufbringen und am Ende das hochwertige Granitpflaster verlegen.« Um nicht später irgendetwas wieder aufreißen zu müssen, hat man auch die großen Nagelfluhsteine entfernt und die dahinter liegende Grasfläche abgegraben, um darunter ebenfalls korrekt abzudichten.

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Undichte Dehnfugen

Wie wichtig vor allem die Abdichtung der Dehnfugen direkt am Gebäude ist, haben die Verantwortlichen kürzlich während des Unwetters erfahren. Weil man wegen des provisorischen Brückenzugangs zum Abiturball die Dichtungen teilweise nicht anbringen konnte, schoss das Wasser durch die Ritzen direkt in die Tiefgarage. »Aber jetzt ist alles dicht«, sagt Hasenknopf und zeigt die betreffende Stelle.

Gleich daneben präsentiert der Bauexperte die sanierten Betonsäulen direkt am Kongresshaus-Zugang. Der für die Statik so wichtige Baustahl war bereits korrodiert, er musste gestrahlt, also vom Rost befreit, werden. Den schützenden Mörtel trug man in mehreren Schichten neu auf. Glücklich ist der Marktbaumeister, dass wenigstens der Konstruktionsbeton der Tiefgaragendecke keinen Schaden genommen hat. »Wir haben alles auf Chlorid testen lassen. Es ist alles gut in Schuss«, sagt Peter Hasenknopf. Und noch ein weiteres unerwartetes Hindernis tat sich kürzlich auf. Direkt vor dem Kongresshaus lag ein 110 Millimeter starkes Leerrohr für die Niederspannungsversorgung der Straßenbeleuchtung vergraben. »Das war in keinem Plan vorhanden«, sagt Peter Hasenknopf. Der große Durchmesser stellte die Verantwortlichen aber vor große Probleme, weil die verbleibende Höhe nicht mehr für Schutzasphalt und Granit ausgereicht hätte. Also musste das Leerrohr mit erheblichem Aufwand in großem Bogen umverlegt werden.

Dann wird Peter Hasenknopf von einer älteren Dame mit zwei Krücken unterbrochen. Sie hat sich vor dem Kongresshauseingang schon an einem Bauzaun vorbeigezwängt und will in Richtung Triembachereck den kürzesten Weg quer durch die Baustelle nehmen. »Sie können hier leider nicht gehen. Sie müssen den Weg außen herum nehmen«, lässt Marktbaumeister Hasenknopf die Dame freundlich, aber bestimmt wissen. Die nimmt's nicht unbedingt erfreut zur Kenntnis. Mit ihren Krücken muss sie nun über einige Behelfsbrücken, zwischen Bauzäunen hindurch und teilweise auf der Straße einen Umweg in Kauf nehmen.

Busfahrer mit Problemen

Keine fünf Minuten später hat ein Busfahrer große Probleme, die Kurve neben der Tiefgarageneinfahrt hinauf zum Busparkplatz zu nehmen. Das Gefährt schrammt mit dem Hinterreifen am Randstein entlang. »Die Straße ist im Kurvenbereich zu eng, sie soll demnächst noch verbreitert werden«, erklärt Bauhofmitarbeiter Stefan Schwab. Auch Kurzzeitparkplätze beispielsweise für Friedhofsbesucher sollen hier noch angelegt werden. Und die kompletten Abdichtungsarbeiten im neuen Zugangsbereich von der Maximilianstraße zum Kongresshausdurchgang sind ebenfalls noch zu leisten. Das wird alles noch erhebliche Zeit in Anspruch nehmen.

Nur ungern will sich Marktbaumeister Peter Hasenknopf zur noch verbleibenden Bauzeit äußern. »Unser Ziel ist es, noch im Juli fertig zu werden«, sagt er dann doch. Ergänzt aber schnell: »Wenn das Wetter passt.« Ulli Kastner