weather-image
20°

»Missbraucht« in der Mittelschule

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Klappe halten: Die jungen Filmemacher arbeiteten wie die Profis. Fotos: privat
Bildtext einblenden
Kameramann Franz Punz beim Dreh auf einem Spielplatz.

Berchtesgaden (cl) – Die Theatergruppe der Mittelschule Berchtesgaden unter ihrer Leiterin Edeltraud Thieser greift seit mehreren Jahren realitätsnahe, für die Schüler interessante Themen auf und stellt sie als Theaterstück oder Musical dar. Auch für dieses Schuljahr hatten die Mitglieder der Theater-AG viele Stücke Probe gelesen und sich schließlich für »Missbraucht« von Fabian Ruch und Wolfram Christ entschieden.


Die 14-jährige Melanie (dargestellt von Laura Kreidler) freundet sich auf einer Feier mit Niklas (Franz Angerer) an, verliert im Suff ihre Hemmungen, schläft mit ihm und wird schwanger. Um dem Ärger mit ihrer Mutter (Lehrerin Gabi Voss) zu entgehen, behauptet sie, sie sei von Niklas bewusst betrunken gemacht und dann missbraucht worden. Niklas wird unter dem Vorwurf der Vergewaltigung von zwei Polizisten (Veronika Reiner, Maxi Kogler) in Gewahrsam genommen und verhört.

Anzeige

Da er sich wirklich in Melanie verliebt hatte, ist er äußerst deprimiert von ihrem Verhalten. Nach vielen unglücklichen Wendungen und Wirren mit vielen Missverständnissen bekennt sich Melanie schließlich zur Wahrheit und zu einer Zukunft mit Niklas und ihrem ungeborenen Kind.

Die weiteren Mitwirkenden sind Niklas' Freund (Andreas Höllbacher), Melanies Bekannter Gregor (Tobias Hinterbrandner), dessen Freund (Maxi Vogl) und Niklas' Ex-Freundin Lena (Stephanie Ebner) sowie ihre Clique (Carolin Fiegl, Vroni Metzenleitner).

Auch der 14-jährige Franz Punz gehört zur Theater-AG. Wiederholt hat er in Produktionen des Bayerischen Rundfunks mitgespielt und mehrere Praktika dort abgeleistet. Er leitet eine Filmgruppe in Bischofswiesen und hat bereits eigene Filmprojekte realisiert. Momentan arbeitet er an einem bayerischen James-Bond-Film. So kam man auf die Idee, aus dem Theaterstück ein Filmprojekt zu machen und es an die Berchtesgadener Gegebenheiten anzupassen.

Bis April arbeiteten die Schüler intensiv am Drehbuch, an der Auswahl der Drehorte und am Proben der einzelnen Szenen. Auch Prüfungsstress konnte einige nicht von der Mitwirkung abhalten. Immer wieder fehlten Mitglieder der Theatergruppe wegen Betriebspraktika, Klassenfahrten und Krankheit, was das Proben nicht erleichterte. Im Mai war es dann so weit.

Dank mehrerer großzügiger Spenden konnte man eine Woche lang mit modernstem Equipment arbeiten. Nur wenige Stunden hatte Franz Punz Zeit, sich in die Technik einzuarbeiten, um dann an einem Wochenende die Zwischenszenen abzudrehen und in einer Schulwoche die Dreharbeiten mit den Schauspielern durchzuziehen. Er fungierte dabei als Produktions- und Aufnahmeleiter, Kameramann, Beleuchter und erledigte anschließend noch den Feinschnitt.

Edeltraud Thieser führte Regie, der ehemalige Schüler Felix Kiesel, der sich immer wieder in aktuelle Projekte einbringt, übernahm die anspruchsvolle Aufgabe des Filmschnitts. Die Polizeidirektion Berchtesgaden stellte für eine Szene einen Polizeibus zur Verfügung.

Großartige Schauspieler

Nach langwieriger und mühevoller Nachbearbeitung war es schließlich so weit. Die Theater-AG lud in der letzten Schulwoche zur Premiere ihres Filmprojekts in den Mehrzwecksaal der Mittelschule Berchtesgaden ein. Ein etwa 40-minütiger Film war entstanden, mit interessanter, glaubwürdiger Handlung, großartigen Schauspielerleistungen, mit einwandfreiem Ton, von passender Musik unterlegt, deren Auswahl Könnerschaft verriet, und mit professionellen Schnitten und Überblendungen zu vielen abwechslungsreichen und wunderschönen Drehorten (Hintersee, Faselsberg, Ramsau, Kurgarten).

Nachspann in Jackie-Chan-Manier

In einem Nachspann in Jackie-Chan-Manier mit missglückten Szenen sah man, wie viel Spaß die Mitwirkenden bei den Dreharbeiten hatten. Begeisterter Beifall am Ende der Filmvorführung von den Zuschauern und strahlende Gesichter bei den Mitwirkenden. Edeltraud Thieser betonte, welche Zielstrebigkeit und ungewöhnlichen Zusammenhalt die ganze Truppe bei diesem Projekt gezeigt habe.