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»Mit dem Ergebnis können wir zufrieden sein«

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Polizeihauptkommissar Franz Sommerauer (l.) und Polizeioberkommissar Michael Hallinger unterstützten ihre Kollegen während des G7-Gipfels auf Schloss Elmau in der Medienbetreuung beziehungsweise der alpinen Einsatzgruppe. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden/Krün – Polizeioberkommissar Michael Hallinger und Polizeihauptkommissar Franz Sommerauer werden den Einsatz rund um den G7-Gipfel auf Schloss Elmau nie vergessen: Immerhin war es der größte in der Geschichte der bayerischen Polizei. Insgesamt waren an die 20 000 Beamte damit beschäftigt, das Treffen der Weltpolitik zu sichern. Neun Beamte allein aus Berchtesgaden, Franz Sommerauer als Medienbetreuer, Michael Hallinger in einer der alpinen Einsatzgruppen.


Franz Sommerauer ist zufrieden, wenn er auf den G7-Gipfel zurückblickt. Er und weitere 650 Kollegen waren im Führungsstabsgebäude untergebracht. Ein sechsstöckiger Bau, etliche Abteilungen, die für jeden nur erdenklichen Bereich zuständig waren. Als Medienprofi kümmerte sich Sommerauer um Presseanfragen. Wenn etwa Zeitungen oder Fernsehsender im Vorfeld des G7-Gipfels von den Vorbereitungen berichten wollten, war er einer der Ansprechpartner, die dafür sorgten, Informationen zu geben, zu recherchieren, zu betreuen, wenn etwa ein Kamerateam filmen wollte. Als demonstriert wurde, unterstützte er als Teil eines mobilen Teams die Fernsehmacher, half beim Finden geeigneter Drehorte, gab Hintergrundinformationen, um die Berichte mit Substanz zu füllen. Interviewwünsche wurden entgegengenommen und umgesetzt.

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Der Medienrummel war gewaltig, erinnert er sich. Lokalzeitungen interessierten sich für das Geschehen, große Zeitungshäuser und TV-Stationen erwarteten sich gute Bilder für die Berichterstattung. »Mit dem Ergebnis können wir zufrieden sein«, sagt Franz Sommerauer. Er findet, dass die Polizeipräsenz einer der Gründe sein dürfte, warum es letztendlich so ruhig blieb. Die Gipfelgegner verhielten sich angemessen, insgesamt hatten die Polizeibeamten zwar viel zu tun, Ausschreitungen gab es aber kaum.

Polizeioberkommissar Michael Hallinger war zwölf Tage lang im Einsatz. Im Auftrag der alpinen Einsatzgruppe. Der Bergführer sicherte mit seinem Team die Bereiche außerhalb der Sicherheitszonen. Schloss Elmau liegt in einem Kessel. Rundherum viel Wald, Hügel, Berge. Zufahrtsstraßen, Waldabschnitte, abwegiges Gelände, über das eventuelle Störer in den Sicherheitsbereich eindringen könnten. Bereits im Vorfeld hatten er und seine Kollegen die Örtlichkeiten besucht, während des Einsatzes nach geheimen Camps der Gipfelgegner Ausschau gehalten.

Die Sicherheitszone rund um Schloss Elmau umfasste einen Bereich mit gewaltigen Ausmaßen. Allein 16 Kilometer Maschendraht und Absperrbänder schufen Sicherheit, 24 Stunden lang sicherten 1 500 Polizeibeamte die Kernzone, in der Kanzlerin Angela Merkel und die mächtigsten Politiker der Welt tagten. So ist auch das große Polizeiaufgebot zu erklären. »Wir arbeiteten im Schichtdienst«, sagt Hallinger, Tag und Nacht wurde der Gipfel bewacht, bereits eine Woche vor dem eigentlichen Auftakt der Veranstaltung. Natürlich liefen dabei Überstunden auf.

Groß war allein der logistische Aufwand für die Versorgung der Tausenden Polizeibeamten: Michael Hallinger war einige Tage im Hotel untergebracht, später in einer Pension. Riesige Versorgungszelte für 1 500 Mann – mit eigener Großküche – sorgten dafür, »dass wir gut versorgt wurden«, sagt Franz Sommerauer. Lunch-Pakete und Kühlboxen mit Getränken gab es für unterwegs, immerhin war Hallinger den Großteil seiner Einsatzzeit draußen.

Zu Zusammenstößen mit Gipfelgegnern kam es nicht, vielmehr versorgte die Polizei jene, die bereits eineinhalb Stunden Fußmarsch hinter sich hatten, um an den Rand der Sicherheitszone zu gelangen, mit Wasserflaschen. »Die waren teilweise ganz schön fertig, als sie ankamen«, erinnert sich Hallinger mit einem Lächeln. Ein friedliches Miteinander, die Polizei als sprichwörtlicher »Freund und Helfer«.

Gut eineinhalb Wochen nach Gipfelende haben sich Sommerauers und Hallingers Arbeitszeiten wieder normalisiert. Nun gilt es, die Erfahrungsberichte des Gipfels zu schreiben, die dann ausgewertet werden. Mit Demonstrationen haben es die Berchtesgadener Polizeibeamten im Talkessel eher selten zu tun, hier ist es aktuell dann doch eher die Asylproblematik, die die Inspektion beschäftigt. Fast täglich werden Illegale gemeldet, deren Personalien »so gut wie möglich« aufgenommen werden. Der G7-Gipfel bleibt wohl ein einmaliges Erlebnis in der Laufbahn der hiesigen Polizeibeamten. Kilian Pfeiffer