weather-image
13°

Mit dem Hochwasser aufgewachsen

4.0
4.0
Bildtext einblenden
Exklusivgespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«: Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

Berchtesgaden – Intercontinental Resort Obersalzberg, Business-Raum, ein langer Konferenztisch: Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer hat sein Sakko abgelegt, draußen ist es warm. Ein Staatssekretär ist anwesend, Ramsauers persönlicher Assistent, Nikolaus Oberkandler, die Pressesprecherin ebenso. Eine halbe Stunde hat der Minister Zeit, Exklusivgespräch. Über dies und das, die A8, die Regionalstadtbahn, noch immer sind es die Nachwehen des Unwetters, die den Politiker beruflich, aber auch persönlich beschäftigen.


Gut gelaunt ist Dr. Peter Ramsauer an diesem Tag. Die internationale Verkehrsministerkonferenz findet statt, zwei Tage, »gute Gespräche«, Diskussionen werden nicht erwartet. Ramsauer ist guter Dinge, dass der Verkehr im Alpenraum künftig sicherer wird. Wenn alle Verkehrsminister an einem Strang ziehen. Auch das Thema »Naturereignisse« steht auf dem Programm. Heftige Unwetter, Überschwemmungen – die Auswirkungen für den alpenquerenden Verkehr könnten dramatisch sein. »Die Schäden an der A8 waren groß«, weiß Ramsauer. Diese war teils überflutet, der Verkehr musste umgeleitet werden. Dass sich ein solches Unwetter eines Tages wiederholt, könne nicht ausgeschlossen werden, sagt der Minister. Gezielt vorbeugen funktioniere nicht, nur durch allgemeine Hochwasserschutzmaßnahmen könne man versuchen, dass die Schäden bei einem eventuellen nächsten Mal gering bleiben.

Anzeige

»Das wichtigste ist, dass Hilfe schnell vor Ort ist.« Und das sei, so Ramsauer, in den betroffenen Gebieten landkreisübergreifend passiert. Ramsauer selbst ist »mit dem Hochwasser aufgewachsen«. Bereits als Baby wurde er samt Familie evakuiert. Das Hochwasser begleitet ihn also schon ein Leben lang. »Flussbauliche Sünden von einst können nicht in wenigen Jahren behoben werden«, meint der Minister. Früher wollte man das Wasser wegbringen, um landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen und dadurch die Nahrungsgrundlage für Mensch und Tier zu schaffen.

Heute müsse man dafür Sorge tragen, dass Flüsse wieder ausreichend Raum erhalten, um das Wasser transportieren zu können. Es müsse das Ziel sein, die Rückhaltefähigkeit der Flüsse wieder zu stärken. Ein ambitioniertes Ziel, das hohe finanzielle Mittel erfordert. Obwohl Bayern laut Ramsauer sowieso schon unzählige Millionen in den vorbeugenden Hochwasserschutz stecke.

»Wenn sich ein Landwirt bereit erklärt, seine Nutzfläche als Gebiet für ein Hochwasser zur Verfügung zu stellen, muss er dafür auch in anständiger Weise entlohnt werden«, ist sich der Minister sicher.

8 Milliarden Euro betrage die bundesweite Wiederaufbauhilfe. Natürlich werde es einen Nachtragshaushalt geben. Finanziert werden soll das Ganze durch Extra-Anleihen. 1,5 Milliarden Euro hat Ramsauer als Verkehrsminister für jene Schäden zugewiesen bekommen, die an der Infrastruktur entstanden sind.

»Seit Jahrhunderten lebt meine Familie am Wasser und mit dem Hochwasser«, sagt Ramsauer. Dieses Mal hat es ihn erwischt – nach 2002 und 2005. Jene Jahre, in denen das Wasser für große Schäden gesorgt hatte. 2002 war Ramsauers Wahlkreisbüro knietief unter Wasser, eine »imposante Wassermenge« nennt er das. Und dieses Jahr? »Da gab es auch was zu tun.« Um 3.15 Uhr in der Nacht sei es losgegangen »bei uns in der Talmühle«. Die Traun hatte einen Pegelstand von 3,15 Meter, höher als je zuvor. Das Wasser hatte ein leichtes Spiel, ins Haus einzudringen, Schlamm und Dreck mit sich zu reißen.

420 Kubikmeter pro Sekunde transportierte die Traun in diesen Stunden, so Minister Ramsauer. Jetzt, nach dem Unwetter, ist die Traun zum »Bächlein« geworden - acht Kubikmeter Wasser pro Sekunde. »Kein Vergleich.«

Themenwechsel, Autobahn A8. Wie geht es da eigentlich weiter? Ramsauer atmet tief durch. Vielleicht nervt ihn das Thema, die ständigen Fragen, aber der Ausbau ist noch immer das große Ziel. Inntaldreieck-Bernauer Berg, mehrere Planungsabschnitte, Vorentwürfe werden derzeit geprüft. In drei Monaten sollen diese genehmigt werden können. Das Planfeststellungsverfahren ist für 2014 angesetzt. Zwei Jahre Dauer. Dann, 2016, Baurecht? Alles nicht so einfach, meint Ramsauer.

Generell sind die Interessen der an die A8 angrenzenden Gemeinden verschieden. Auf der Bestandstrasse bleiben oder die Nordumfahrung von Piding wählen? Auch die Gemeinde Anger spielt eine Rolle. Ramsauer betont gegenüber der Heimatzeitung, dass er sich keiner Lösung in den Weg stellen werde. Dass der Ausbau erfolgen müsse, sei nur eine Frage der Zeit. Ansonsten? »Bleibt alles gleich schlecht, wenn es so ist wie aktuell.«

Ein paar Worte verliert der Bundesverkehrsminister auch zur geplanten Regionalstadtbahn, die auch durch den Talkessel fahren soll, durch Marktschellenberg, nach Berchtesgaden und von dort weiter nach Schönau am Königssee. »Historische Bezüge gibt es ja«, sagt Ramsauer, dessen Ministerium mit dem Thema rein gar nichts zu tun hat. »Es ist vernünftig, dass die Kommunalpolitik im Nahverkehrswesen reagiert«, befürwortet er das Projekt, ohne Detailkenntnisse darüber zu haben, wie er betont. Der Ansatz sei interessant. Nur wenn das Projekt schließlich verwirklicht werden würde, müsste auch der Bund einspringen. »Dann wären wir in der Pflicht.« Bis dahin ist es aber noch ein sehr weiter Weg. Ramsauer wird sich dann schon längst aus der Bundespolitik verabschiedet haben. Kilian Pfeiffer