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Mit dem Kederbacher durch die Ostwand

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Gelungener BERGinale-Auftakt (v.l.): die Veranstalter Hans und Martina Klegraefe mit den Referenten Kurt und Maria Becker, die vieles über den Kederbacher zu erzählen wussten. (Foto: Kastner)

Berchtesgaden – Ganz im Zeichen des Kederbachers stand am Samstag die Eröffnung der Berchtesgadener BERGinale. Bergführer Kurt Becker erinnerte zum Auftakt des 19. Multivisionsfestivals im Kongresshaus an die Erstdurchsteigung der Watzmann-Ostwand durch den Ramsauer Bergführer Johann Grill, dessen Todestag sich am 18. Januar zum 100. Mal jährte. Becker selbst war mit anderen Berchtesgadenern 1985 Akteur in einem Film, der die Erstbegehung des Kederbacherwegs nachstellte. Der 50-minütige Streifen sorgte für spannende Unterhaltung.


Unter dem Titel »Der Weg ist das Ziel« hatte der Filmemacher, Pilot, Bergsteiger und Abenteurer Martin Schliessler die Erstbegehung des sogenannten Kederbacherwegs am 6. Juni 1881 durch den Ramsauer Bergführer Johann Grill und den Wiener Otto Schück nachgestellt. Außerdem ging es um einen gescheiterten Versuch davor und um eine Wiederholung der Tour durch Johann Punz, genannt der »Preiß«, mit seinem Klienten Christian Schöllhorn, der bei einem 60 Meter tiefen Sturz in die Randkluft ums Leben kam. Er war damit das erste von heute über 100 Ostwand-Opfern. Akteure in dem Film waren neben Kurt Becker die Einheimischen Wolfgang Palzer, Roland Bannert und Hans Stanggassinger, außerdem die Garmischer Wasti Buchwieser und Hans Ettl. Mit Hanfseil, genagelten Bergschuhen und Hüten als Kopfschutz waren sie als wagemutige Pioniere in der 2 000-Meter-Wand unterwegs.

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Schmerzhafte Dreharbeiten

Amüsant waren vor allem die Ausführungen Kurt Beckers, in denen er auf die Dreharbeiten zurückblickte. »Schliessler war ein Minimalist«, sagte Becker und meinte damit, dass der Filmemacher als Ein-Mann-Team arbeitete. Dafür mussten die Schauspieler selbst mit anpacken: als Sicherer, Träger, Kameraassistenten, Tonassistenten und anderes. »Mit anderen Worten: Er hat uns ausgenutzt«, so der Referent. Dazu kam es bei den Dreharbeiten noch zu zahlreichen brenzligen Situationen. So gab es beispielsweise das im Film gezeigte Gewitter in der Wand tatsächlich. »Da war uns nicht mehr wohl«, erinnerte sich Becker. Eine Schneezunge, auf der man zuvor noch herumgestiegen war, brach später ohne Belastung ab und stürzte in die tiefe Randkluft. Und auch der im Film zu sehende umkippende Eisblock war echt. Dazu kam ständiger Steinschlag bei den Dreharbeiten.

Die Dreharbeiten für den Sturz in die Randkluft sind allerdings nicht in der Ostwand, sondern im Endstal gedreht worden. Wolfgang Palzer musste sich dazu tatsächlich einige Meter tief fallen lassen. Kurt Becker erinnerte sich auch noch genau an die Szene, bei der er barfuß klettern musste. Genau in der Felsspalte, in die er seinen großen Zeh drückte, befand sich ein spitzer Stein, der für eine blutende Wunde sorgte. Becker biss allerdings die Zähne zusammen und so konnte die Szene zu Ende gedreht werden. Keine Zustimmung fand beim Akteur allerdings die Bitte Schliesslers, die Szene noch einmal zu wiederholen.

40 Viertausender bestiegen

Vieles erfuhren die Zuhörer an diesem Tag über das Leben von Johann Grill. Er war 17 Jahre Wirt im Watzmannhaus und ging darüber hinaus seiner Arbeit als Bauer im Kederbachlehen nach. Trotzdem fand er noch Zeit für schwierige Bergbesteigungen, auch in den Westalpen. So stand er auf dem Gipfel von rund 40 Viertausendern. Als der Ramsauer am 18. Juni 1917 im Alter von 81 Jahren verstarb, hatte er ein beachtliches Lebenswerk vollbracht. Dessen Höhepunkt war ohne Zweifel die Erstdurchsteigung der Watzmann-Ostwand.

Emotionaler Ausklang des unterhaltsamen Abends war eine kurze Lesung Maria Beckers aus Fritz Schmitts Biografie »Der Kederbacher«. Darin ging es um Johann Grills letzte Bergtour schnurstracks hinauf durch die Wolken bis in den Himmel, wo Ludwig Purtscheller und andere frühere Weggefährten bereits auf den Kederbacher warteten.

Spenden zugunsten der Bergwacht

Der BERGinale-Auftaktvortrag war kostenlos, die Zuschauer spendeten aber eifrig zugunsten der Bergwachtbereitschaften im Berchtesgadener Talkessel. Besonders viel Geld benötigt aktuell die Bergwacht Berchtesgaden, die für rund 200 000 Euro einen Garagenanbau an das Bergwachthaus zu bewerkstelligen hat. Beim Schließen der noch bestehenden Finanzierungslücke erhalten die Bergretter Unterstützung von der Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern-Südost. Wenn die Bergwacht bis Mitte Mai 20 000 Euro gesammelt hat, dann will das Geldinstitut die Summe auf 25 000 Euro aufstocken. Ulli Kastner