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Mit dem »Möpel« von Süd nach Nord

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Walter Lenshake mit seinem »Möpel«. Gestern trat der 80-Jährige mit dem Roller die lange Reise vom Königssee nach Sylt an. (Foto: B. Stanggassinger)

Schönau am Königssee – Walter Lenshake aus Leverkusen verlässt sich seit gestern Dienstag wieder ganz auf sein »Möpel«. So nennt der 80-Jährige seinen Motorroller, der ihn 1 100 Kilometer weit vom Königssee bis nach Sylt bringen soll.


Walter Lenshake ist leidenschaftlicher Motorrollerfahrer. Vor 20 Jahren hat er sich einen Heinkelroller, Baujahr 1960, gekauft. Der »Heinkel Tourist« ist ein Motorroller, den die Ernst Heinkel AG Stuttgart von 1953 bis 1965 herstellte. Und Walter Lenshake geht damit heute noch gerne auf Reisen, die er sich selbst am Computer organisiert. »Ich habe Zeit und es ist egal, wann ich am Ziel bin«, sagt der 80-Jährige. Mit dabei ist nur sein Schutzengel.

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Die Höchstgeschwindigkeit seines Gefährts beträgt 80 Stundenkilometer, seine Reisegeschwindigkeit liegt bei 60 Stundenkilometer. Von Berchtesgaden nach Sylt sind es rund 1 100 Kilometer. Jeden Tag will Lenshake rund 140 Kilometer fahren, fünf Stunden braucht er dafür. Für jeden Zielort hat er sich drei Hoteladressen aufgeschrieben. Das Übernachten fürchtet er nicht. »Es gibt immer eine Möglichkeit zum Übernachten« weiß der 80-Jährige aus Erfahrung.

Den Roller brachten Walter Lenshake, dessen Ehefrau und ein Freund am Pkw-Anhänger nach Berchtesgaden. Dabei hätte ein Unfall das kleine Abenteuer fast vorzeitig beendet. Eine alkoholisierte Pkw-Lenkerin fuhr auf den Hänger auf. Dem Roller und den Autoinsassen ist dabei zum Glück nichts passiert. Die Ankunft am Königssee verzögerte sich jedoch um fünf Stunden.

Walter Lenshake war in seinem Berufsleben Maschinensteiger im Kohlebergbau. Verwandtschaftliche Verbindungen führten ihn zu Hans Neumayer, ehemaliger Steiger im Salzbergwerk Berchtesgaden. Bergleute sind Kumpel und so organisierte der Neumayer Hans den Gästen aus dem Ruhrgebiet eine Führung unter Tage. Es ging nicht ins Schaubergwerk, sondern zu den Arbeitsstätten der Berchtesgadener Bergleute. Ein fünfstündiger Marsch durch das Salzbergwerk verlangte den Gästen einiges ab, doch sie waren von den Erlebnissen stark beeindruckt.

Gestern trat Walter Lenshake seine lange Rollerreise an, dabei fährt der Leverkusener nur Bundesstraße, keine Autobahn.

Und weil der Walter ein Bierliebhaber ist, freut er sich auf seiner Reise unter anderem auf den Winkler Bräu in Fehlburg und auf das Einbecker Bockbier. Logisch, dass er in Berchtesgaden auch dem »Bräustüberl« einen Besuch abstattete. Außerdem wird er auf der Strecke verschiedene Freunde und Museen besuchen.

Von Sylt fährt Walter Lenshake dann drei Tage lang wieder nach Hause nach Leverkusen. »Von Süden nach Norden, das ist mein Ziel«, sagte der Leverkusener und plant bereits das nächste kleine Abenteuer: »Wenn ich gesund bleibe, dann fahre ich nächstes Jahr mit meinem Möpel von Osten nach Westen, von Görlitz nach Selfkant.« Bernhard Stanggassinger