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Schnitzschüler beenden ihre Arbeit: Eisblock vor dem Kongresshaus wird zum repräsentativen Kunstobjekt

Mit dem Viererbob im Ziel

Berchtesgaden – Es ist vollbracht. Ursprünglich war es nur ein eingequetschter Schneeklotz. Nichtssagend, Fragen aufwerfend und angeschmutzt, stand ein undefinierbarer kalter Kubus vor dem Kongresshaus. Was aus pappigem Kurgartenschnee entstehen kann, ist für unbestimmte Zeit an der Maximilianstraße zu bewundern. Drei Berchtesgadener Schnitzschüler schafften es in viertägiger Arbeit, aus einem gesichtslosen Eiswürfel ein Kunstwerk entstehen zu lassen. Leiter Hans Stellner gelang mit dem Projekt auch ein demonstrativer Einblick in Lernvorgaben. Seit gestern Mittag dient die Skulptur als Werbetafel der besonderen Art für die kommende Bob- und Skeleton-WM.

Die Kunst und die Künstler (v.l.): Gerhard Kay, Birgit Wimmer, Hans Stellner und Felix Hasenöhrl. (Foto: Tessnow)

Gerhard Kay, Birgit Wimmer und Felix Hasenöhrl stehen gut gelaunt an ihrem Eisexponat. Alles hat gepasst, wie sie sich es vorgestellt hatten. Der einzige Unsicherheitsfaktor, den die jungen Künstler nicht berechnen konnten, waren die Temperaturen während der Gestaltungsphase. Aber auch die passten.

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Tagsüber war es zwar mit niedrigen Plusgraden etwas zu mild, dafür jedoch feucht. Minusgrade in der Nacht ließen die Eisschnneemasse wieder gefrieren und somit boten sich fast optimale Umsatzbedingungen.

Im Zeitplan

Ebenso problemlos blieb das Team im Zeitplan. Acht Stunden täglich sollte künstlerisch rangeklotzt werden. Immer wieder hieß es, auf die Skulptur zu steigen, Grundzüge mit blauem Spray zu markieren und kleinere Massen herauszukratzen. Dabei waren Vorsicht und Sensibilität erforderlich. Bereits Modelliertes durfte nicht in sich zusammenfallen. Pünktlich zum gestrigen Mittag konnte die Skulptur fertiggestellt werden. Noch bis zur letzten Minute streichelten immer wieder künstlerische Hände um das Werk. Verbliebenen Unebenheiten galt es, ihre passenden Rundungen zu verleihen. Zum Abschluss wurden ein paar Erinnerungsfotos geschossen, die Zollstöcke in die Arbeitshosen gesteckt, Hohlschaufeln, Maurerkellen, Spachtel und Reibebretter in die Schubkarre gepackt.

Wer die Vorlage der Tätigkeiten nicht kannte, dem half anfangs auch die eigene Fantasie nicht viel weiter und begründete ein neugieriges Vorbeischauen am Folgetag. So blieben Zaungäste oft vor dem Objekt stehen, rätselten und staunten. Nach zwei Tagen Eisbearbeitung mit groben Handwerksgeräten bildeten sich erste Konturen aus dem Rohling. Langgezogene Kanten konnten in Form gebracht und geglättet werden. Für filigrane Detailarbeit war es jedoch noch zu früh. Besonders in der Anfangsphase bröselte der Schnee bei groben Vorarbeiten auf das kleine installierte Gerüst. Die weiße Masse ließ sich dennoch gut modellieren.

Maßstab 1:10

Das vollendete Kunstwerk misst eine Grundfläche von 4,10 mal 3,60 Meter. 3,20 Meter sind es in der Höhe. Der vorgegebene Maßstab betrug 1:10. Das Modell des zweiseitigen Exponats stammt von Gerhard Kay. Das wurde erst aus Ton hergestellt und dann vergipst. Schnitzschullehrer Hans Stellner ist stolz auf die Leistung seiner jungen Talente. Schließlich ist die Skulptur auch Werbung für die Berchtesgadener Schule. Stellner erklärt: »Für uns war es wichtig, Maßstabsangaben umzusetzen und Arbeitsprozesse der Öffentlichkeit vorzutragen. Von klein auf groß, so das Motto. Auch kleine Bauarbeitertätigkeiten wurden abverlangt. Was sonst in der Schnitzschule hinter verschlossenen Türen passiert, konnte hier als Exempel für jedermann verfolgt werden. Die Schüler sollten zusätzlich vor Ort Erklärungen abgeben«, so Stellner.

Zwei Seiten haben die Medaillen, um die es für die Sportler bei der kommenden Weltmeisterschaft ab nächster Woche geht. Zwei Seiten hat auch die Skulptur. Zur Maximilianstraße ist ein Viererbob im Eiskanal ersichtlich. Ein Skeletonpilot in der Startphase posiert Richtung Kongresshausportal.

Zuspruch von Passanten

Die Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaften am Königssee laufen vom 13. bis 26. Februar. »So lange soll das Eiskunstwerk doch bitte stehen bleiben. Bis es irgendwann zusammenschmilzt«, meint Gerhard Kay.

Zuspruch erhielten er und sein Team schon während des viertägigen Arbeitsprozesses von Passanten, die sich an dem Anblick erfreuten. Schnell wurde auch ein Spendeneimer vor das Objekt gestellt. Ein paar Euro motivierten die Künstler zusätzlich. Jörg Tessnow