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Mit einem Lächeln auf steiler Strecke

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Das Netz der Ladestationen für E-Bikes wird immer größer. Beim Gasthof »Graflhöhe« am Obersalzberg gibt es seit kurzem die erste Ladestation im Berchtesgadener Land, an der fast alle E-Bike-Marken ohne eigenes Ladegerät kostenlos geladen werden können. (Foto: privat)

Berchtesgadener Land – Weit nach vorne über den Lenker gebeugt, mit schmerzenden Lungen schwer atmend, bewältigt der junge Mountainbiker die letzten, steilen Meter vor dem Plateau der Gotzenalm. Nur Sekunden hinter ihm zeigt ein einheimischer Bergfex fortgeschrittenen Alters wenig Respekt vor der »Schlüsselstelle« der beliebten Bergrad-Tour. Seine aufrechte Sitzposition, die Geschwindigkeit, mit der er auch auf den letzten Metern noch unterwegs ist, und sein entspannter Gesichtsausdruck lassen es erahnen: Der Mann fährt ein Elektro-Fahrrad (E-Bike), das sich auch im Berchtesgadener Land immer größerer Beliebtheit erfreut.


Nicht die typischen Radspezialisten sind es, die nach und nach auf das E-Bike umsteigen. »Beliebt sind E-Bikes vor allem bei Berggehern und Bergwachtmitgliedern als Zubringer bei längeren Touren«, weiß Michael Rasp vom Berchtesgadener Radl Laden. Mit dem motorunterstützten Rad sind sie beispielsweise doppelt so schnell auf Kühroint und können so im Sommer nach Feierabend noch den Kleinen Watzmann in Angriff nehmen. Schließlich ist das Image des E-Bikes als »Rollator für moderne Rentner« schon lange überholt. »Mittlerweile nutzen auch Jüngere ab etwa 35 das E-Bike, um steile Bergradtouren möglichst schnell zu bewältigen«, weiß Michael Rasp.

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In seinem Geschäft hat sich der mit E-Bikes erzielte Umsatz in den letzten drei Jahren mindestens verdoppelt. Andererseits fallen dafür viele Kunden weg, die sich sonst für ein hochwertiges und teures Mountainbike entschieden hätten. Lediglich bei den günstigeren Bikes, die sich vor allem jüngere Leute leisten können, ist der Umsatz in etwa gleich geblieben.

Akku-Leistung als Kriterium für die Reichweite

Für rund 3 500 Euro bekommt man ein gut ausgestattetes E-Bike, mit dem sich auch die steilen Berchtesgadener Berge problemlos bewältigen lassen. Wer überwiegend auf Asphaltstraßen unterwegs ist, kommt mit einem Hardtail (ohne Vollfederung) aus. Für den sportlichen Biker, der auf steilen Forststraßen oder sogar im Gelände unterwegs ist, empfiehlt sich ein »Fully« mit Vollfederung.

Mit den vom Gesetzgeber maximal erlaubten 250 Watt und der Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h kommt man überall hin. Ein Kriterium kann da schon eher die Akku-Leistung sein. Zwar geben die Hersteller oft Reichweiten von 180 Kilometern und mehr an, auf den steilen Strecken der Berchtesgadener Berge liegt die Reichweite aber deutlich darunter. »Trotzdem reicht die Akku-Leistung bei uns für alle gängigen Touren«, weiß Michael Rasp. Ausschlaggebend sind immer auch das Tempo, das der Biker anschlägt, und sein Eigengewicht.

Zahlreiche Ladestationen

Und wer auf Nummer sicher gehen will, der nimmt einen Ersatz-Akku oder ein Ladegerät mit. Denn an vielen Stationen im Berchtesgadener Land lässt sich das Rad mittlerweile wieder aufladen. Die Stationen gibt es bei Gasthöfen, Hotels oder an den Ausflugszielen, wo oft auch E-Bikes zu mieten sind.

Den E-Bike-Tourismus ankurbeln will auch Hans Ebner vom Gasthof »Graflhöhe« am Obersalzberg. Er hat vor wenigen Tagen die erste Ladestation installiert, an der die Bikes aller Marken ohne eigenes Ladegerät geladen werden können. Der Radfahrer muss ich lediglich im Gasthof kostenlos das Kabel ausleihen – und schon fließt der Strom. »Der E-Bike-Tourismus steckt noch in den Startlöchern und wird in den nächsten Jahren noch stark zunehmen«, ist Ebner überzeugt und fordert: »Wir müssen es schaffen, noch mehr Wege für Räder freizugeben«.

Angebote der Tourismusbranche

Der fortschreitende Ausbau der E-Bike-Infrastruktur macht das Berchtesgadener Land aber schon jetzt für Radtouristen interessant, weshalb die Berchtesgadener Land Tourismus Gesellschaft (BGLT) den E-Bike-Tourismus seit einiger Zeit intensiv bewirbt. Schließlich ist der »sanfte Tourismus« auch ein Markenzeichen der »Alpine Pearls«, zu denen die Marktgemeinde Berchtesgaden gehört. Unter www.movelo.com sind alle Verleih- und Ladestationen im Berchtesgadener Land abzurufen. Darüber hinaus gibt es unter dem Titel »Ein Sattelfest für alle« eine Rad- und E-Bike-Karte mit 15 Tourenvorschlägen und allen Verleihstationen.

Auch geführte E-Bike-Touren bieten die Touristiker im Berchtesgadener Land mittlerweile an, so beispielsweise durch die Schönau, im Gebiet des Abtsdorfer Sees, im Reichenhaller Gebiet und ab dem Berchtesgadener Bahnhof bis zum Königssee und zurück. Auf Youtube lässt sich eine E-Bike-Tour durch den Rupertiwinkel mitverfolgen und in der Grenzregion gibt es seit kurzem eine »Slowbike«-Radrundstrecke über 164 Kilometer Länge.

Der Berchtesgadener E-Biker wird sich wohl weniger nach geführten Touren umsehen, sondern sich lieber der Kallbrunnalm, Kühroint oder der Gotzenalm zuwenden. Mit dem Motorbike gibt es da ja noch ganz neue Möglichkeiten. Vielleicht alle drei Paradetouren an einem Tag? Ulli Kastner

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