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Mit einem Lächeln im »Haus der Berge«

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Begeistert vom »Haus der Berge«: die chinesische Studentin Shan Jia, die dort aktuell praktiziert. (Foto: Berwanger)

Berchtesgaden – »Das hier ist für mich eine neue Welt«, sagt Shan Jia und schaut sich im »Haus der Berge« um. Dort absolviert die junge Chinesin seit Mitte Juli ein Praktikum. Sie ist begeistert von der Dauerausstellung »Vertikale Wildnis« im Haus und auch vom Konzept des Nationalparks. Mit ihrer zugewandten, offenen Art hat sich die Studentin schnell mit ihren Kolleginnen angefreundet und geht mit ihnen an den Wochenenden sogar zum Wandern in die Berge.


»China besteht zu zwei Dritteln aus Bergen«, erklärt die 25-Jährige – und dies in bestem Deutsch. Bevor Shan Jia vor vier Jahren nach Deutschland kam, hat sie in ihrer Heimatstadt Xian Germanistik studiert. Xian liegt in Zentralchina und war einst der Ausgangspunkt der Seidenstraße. Nur knapp 40 Kilometer entfernt befindet sich das weltberühmte Mausoleum mit der Terrakotta-Armee. Shan trennen in Berchtesgaden knapp 10 000 Kilometer von ihrer Heimat. Dort war sie in den letzten vier Jahren nur einmal. »Der Flug ist sehr teuer«, so die junge Chinesin. Sie komme für chinesische Verhältnisse aus einer finanziell gut gestellten Familie, sagt sie. Ihr Vater mache ihr keinerlei Druck, möglichst bald nach Hause zurückzukommen, sie solle sich umschauen und über den Tellerrand sehen. So nutzt Shan Jia das studentische Austauschprogramm und ist nach den ersten beiden Studienjahren von Konstanz nach München gewechselt. Dort studiert sie Tourismusmanagement. »Im letzten Semester hatten wir das Thema Nationalparks in Deutschland«, erzählt Shan. Als ihr Professor das »Haus der Berge« in Berchtesgaden als Beispiel für eine barrierefreie Nationalpark-Einrichtung genannt habe, sei ihr Interesse sofort geweckt worden. »Das Thema bewegt mich sehr«, so die Studentin. »In China haben wir zwar auch einige Versuche für Barrierefreiheit, aber sie funktionieren meist nicht.« Und mit einem nachdenklichen Lächeln fügt sie hinzu: »Manchmal denke ich, die Deutschen sind 50 Jahre weiter als wir.« Gemeinsamkeiten zwischen beiden Länderngäbe es aber auch, meint Shan Jia. So habe sie auch bei Deutschen ein Interesse für die Kräutermedizin und in China Bücher des deutschen Philosophen Friedrich Hegel gefunden.

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Fündig geworden ist die kommunikationsstarke Chinesin auch bei der Suche nach neuen Freunden. Dazu zählen ihre deutsche Zimmernachbarin im Münchner Studentenwohnheim und aktuell ihre Kolleginnen im »Haus der Berge«. Dass sich wenige ihrer Landsleute hierher verirren, bedauert Shan Jia so sehr, dass sie die Homepage des Nationalparks mit Informationen in chinesischer Sprache bereichern möchte. »Der Königssee ist in China ein Begriff«, sagt die junge Frau, »die chinesischen Touristen besuchen ihn, fahren Schiff, fotografieren und dann sind sie wieder weg.« Dabei sei schon allein die Dauerausstellung »Vertikale Wildnis« einen Besuch wert, ihr ermögliche sie immer wieder neue Entdeckungen. »Mir macht die Arbeit sehr viel Spaß, all dies hier gibt mir so viel«, sagt Shan Jia. Dass ihr Praktikum Mitte September endet, macht sie jetzt schon etwas wehmütig. Und sie schließt ganz und gar nicht aus, dass sie ihre Zeit im Nationalparkzentrum verlängern wird. Ina Berwanger