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Mit Gottvertrauen Schritt für Schritt gehen

Berchtesgaden – Von 29 Mitgliedern bei der Gründung ist der Eine-Welt-Kreis Berchtesgaden inzwischen auf stolze 106 Mitglieder gewachsen. Ebenso gedeihen und wachsen seither die Projekte, die der konfessionsübergreifende Verein auf der ganzen Welt unterstützt – Grund genug für eine ökumenische Dankandacht zum 20-jährigen Bestehen. Eine stattliche Besucherschar hatte sich dazu in der Pfarrkirche St. Andreas versammelt.

Mit Stimmkraft und Singfreude rissen die »Nepomuk-Singers« ihre Zuhörer mit. Fotos: Anzeiger/Mergenthal
Begegnung der Kulturen: Die südamerikanische Musikgruppe »Tinkuy« vor dem rechten Seitenaltar der Pfarrkirche St. Andreas.
Im Pfarrheim wurde bei selbst gemachten Schmankerln gefeiert, und nebenbei konnte man sich ausführlich über die Projekte informieren.

Musikalisch gestaltet wurde die Andacht von den »Nepomuk-Singers« unter fachkundiger Leitung von Angela Hanke, die sich mit modernen geistlichen Liedern und schwungvollen afrikanischen und spanischen Gesängen in die Herzen sangen, und von der südamerikanischen Musikgruppe »Tinkuy«. Cesar Soto aus Peru an der Gitarre, Henrry Rojas aus Bolivien am Charango, eine Art Mini-Gitarre, und Eddy Soto aus Bolivien mit Holzflöte, Panflöten und Trommel rissen die Zuhörer mit lyrischen und beschwingten Stücken mit. Ihr dreistimmiger Gesang und das Flötenspiel von Eddy, ein indianischer Erzmusikant, gingen durch und durch. Beim letzten Lied animierten die Südamerikaner die Gläubigen sogar zum Mitklatschen.

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Die vom katholischen Diakon Karl Bodinger und vom evangelischen Pfarrer Peter Schulz geleitete Gebetsstunde wurde vom Eine-Welt-Kreis mitgestaltet. Einleitend trug Vize-Vorsitzender Dieter Bobek ein inhaltlich gut passendes »Gebet einer Basisgemeinde« mit dem Titel »Gott mach uns unruhig« vor. »Gott mach uns unruhig, wenn wir über der Fülle der Dinge, die wir haben und wollen, den Durst nach dem Wasser des Lebens verloren haben«, heißt es darin unter anderem, und: »Gott, rüttle uns auf, damit wir kühner werden und uns hinauswagen auf das weite Meer, wo uns die Stürme entgegenwehen und wir ganz auf deinen Schutz vertrauen können ...«

Über den von Bodinger gesungenen Schrifttext aus dem Lukasevangelium, in dem Jesus dazu auffordert, sich wie die Vögel am Himmel und die Lilien auf dem Feld nicht um das eigene Leben zu sorgen, predigte Pfarrer Schulz. Wenn man den Menschen in Südamerika oder woanders auf der Welt die Worte »Sorgt euch nicht« entgegenschleudere, werde der moralische Gebrauch der Bergpredigt zynisch, betonte er. Stattdessen ermutige er seine Zuhörer, Jesu Worte als eine Lebenshaltung des Christen zu verstehen, als Zuspruch mit der Bedeutung: »Lasst euch nicht von euren Sorgen auffressen.« Es gelte, mit offenen Händen dazustehen, zu tun, was möglich ist, aber nicht zu erwarten, dass man selber der Schöpfer der Hilfe ist, sondern loszulassen, zu hoffen und zu vertrauen, dass Gott das Seine dazugibt. Diese Lebenshaltung kann nach Ansicht des Predigers Mut geben, wenn zum Beispiel die Engagierten des Eine-Welt-Kreises das Gefühl haben: »Es ist alles zu wenig, was wir machen.« Es sei eine Lebenshaltung, die die Unterschiede, zum Beispiel in den Kulturen, gewähren lasse: »Man muss nicht alles verstehen. Man muss helfen.« Eine Haltung, die Schritt für Schritt gehe, dem anderen die Entwicklung lasse: »Vielleicht entwickeln sich Menschen oder Projekte anders als man es erwartet hat.« Einen Überblick über die aktuellen Projekte gaben Annegret Gaffal und Ilse Grimm – von den Straßenkinderprojekten in Tansania über das Behindertenzentrum »El Nino« in Ecuador bis hin zum Schulprojekt auf Haiti. Die jüngsten Projekte sind ein Heim für Kinder inhaftierter Mütter in Thailand und das Kinderfürsorgezentrum für Kriegswaisen »Oaza« im kroatischen Rovinj, ein Gebiet, das gar nicht weit von uns entfernt ist. Gaffal lud alle, die in dieser Gegend Urlaub machen, dazu ein, bei dieser Gelegenheit auch das Zentrum »Oaza« zu besuchen und sich von der eindrucksvollen und wichtigen Arbeit mit den traumatisierten Kindern zu überzeugen.

Vereinsmitglieder trugen Fürbitten vor. Das Vaterunser wurde gemeinsam gesungen. Abschließend baten die Gläubigen im Lied »Herr deine Liebe« darum, dass Gott die Menschen vor den Ängsten voreinander befreit. Im Pfarrheim war danach bei einem Buffet mit selbst gemachten Schmankerln und der Gruppe Tinkuy Gelegenheit zur Begegnung und Information über die Projekte. Unterstützen kann man die Arbeit des Eine-Welt-Kreises durch neue Mitgliedschaft, Spenden oder den Einkauf im Eine-Welt-Laden im Kurgarten in Berchtesgaden. Nähere Infos finden Interessierte auf der Homepage www.einewelt-bgd.de. Veronika Mergenthal