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Hans Fischer aus Bischofswiesen stellt seine Weihnachtskrippen am kommenden Wochenende in Engedey aus

Mit Liebe zum Detail

Bischofswiesen – Geduld und ein Auge fürs Detail. Das sind wohl die wesentlichen Voraussetzungen für das Hobby von Hans Fischer. Der ehemalige Fahrlehrer, der seit einigen Jahren in Bischofswiesen lebt, ist leidenschaftlicher Modell- und Krippenbauer. Am 19. und 20. November stellt er einige seine Weihnachtskrippen bei Birgit Punz im Fachgeschäft »Ländliches Wohnen« in Engedey aus.

Seit zehn Jahren arbeitet Hans Fischer an der 3,60 Meter langen orientalischen Krippe. (Fotos: Rothenbuchner)
Seit Kurzem baut Hans Fischer auch Krippen in Laternen. Sein nächstes Projekt soll eine Weihnachtskrippe in einer Holzvitrine werden.
Diese Krippe baute Fischer gemeinsam mit der Kreativgruppe der Insula.

Im Urlaub hat Hans Fischer damals begonnen, seine erste Krippe zu bauen. Gut 15 Jahre ist das her. Mittlerweile ist die alpenländische Weihnachtskrippe 2,50 Meter lang, um zahlreiche Details reicher und besteht aus drei Teilen. Die Leidenschaft für seine Werke sieht man dem Bastler an, wenn er vor der Krippe steht, auf verschieden Kleinigkeiten hinweist und erklärt, wie so eine Krippe entsteht. »Das Besondere ist die Herausforderung. Etwas zu tun, was die Anderen nicht machen. Und die Möglichkeit, sich immer wieder steigern zu können.«

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Vor allem die kleinen Dinge sind es, die seine Arbeiten einzigartig machen. Der Schornstein etwa, den er mit einem Rauchdestillat zum Qualmen bringt. Oder das sich drehende Mühlrad neben einem in den Bergen entspringenden Bach. »Erst wusste ich nicht, wie ich das alles auf dem kleinen Platz darstellen soll«, erzählt Fischer. Davon, dass es ihm schließlich gelungen ist, kann man sich auf der Ausstellung am kommenden Wochenende überzeugen.

Die Krippen erfordern eine Mischung aus vielen verschiedenen handwerklichen Fähigkeiten. Für seine kleinen Welten ist Hans Fischer Schreiner, Elektriker, Maler und Schneider auf einmal. Hier eine gemalte Sonnenuhr, da eine leuchtende Laterne, Möbel für die Häuser und Vorhänge braucht es natürlich auch noch. Kein Wunder, dass Fischer bei all dem Detailreichtum schon seit zehn Jahren an seiner größten, einer 3,60 Meter langen, orientalischen Krippe, bastelt. Das Besondere sind die vielen verschiedenen Szenen, die darauf dargestellt werden. Beispielsweise Maria Verkündigung am einen Ende, mit dem Engel, der Maria die frohe Botschaft überbringt. Die Herbergssuche spielt sich nur wenige Zentimeter weiter ab. Dazwischen gibt es Obst und Gewürzhändler, die teils nur stecknadelkopfgroße und doch wie echt wirkenden Waren anbieten. Auch diese Teile der Krippen baut und bemalt Fischer größtenteils selbst, denn die natürlichen Gegenstände sind oftmals nicht verwendbar, sie würden faulen.

Hohe Türme, eine Ruine, in der das Jesuskind in einer Krippe liegt und hinter hohen Fenstern blickt man auf die Szene des letzten Abendmahls. Egal wie oft man die Krippe betrachtet, es gibt stets Neues zu entdecken und auch Fischer selbst findet immer wieder etwas zu tun. Außerdem gestaltet er nicht nur die Krippe selbst mit viel Liebe zum Detail, sondern macht sich auch einige Gedanken über den Hintergrund. Im Fall der orientalischen Krippe hat er auf drei Platten weitere Häuser und Türme, grasbewachsene Hügel und Sanddünen unter blauem Himmel gemalt. »Krippen brauchen einen Hintergrund, sonst sind sie tot, sonst fällt auch alles andere in sich zusammen«, erklärt der Modellbauer.

Für seine Arbeiten verwendet Hans Fischer unterschiedliche Materialien. Der Rahmen ist aus Holz, auf den Dächern liegen echte Steine, die Häuser und Türme bestehen größtenteils aus braunen Dämmplatten. Er sägt sie mit der Bandsäge in Form. »Die Platten lassen sich super bearbeiten«, erklärt Fischer. Neben Hauswänden eignen sie sich zum Beispiel auch für den Bau von alten Treppen. Dafür, so erklärt Fischer, schneidet er kleine Streifen für die einzelnen Stufen zurecht. An den Rändern zupft er sie etwa aus, um den Eindruck von Alter und häufigem Gebrauch zu wecken. Anschließend ordnet er die Streifen dann stufenförmig an. Ehe die Treppen ihre richtige Farbe bekommen, werden sie noch weiß grundiert. Das macht der Bastler mit allen Teilen, die nicht aus Holz sind. Zum anschließenden »Verputzen« verwendet er allerdings keinen Gips, denn »der ist zu steif und trocknet zu schnell«, sondern ein selbst hergestelltes Gemisch aus Wasser, Leim, Schlämmkreide und Schleifmehl. »Es braucht etwa zwei Tage, um zu trocknen, und eignet sich sehr gut für den Modellbau«, erklärt Fischer. Was seine Krippen darüber hinaus besonders lebendig wirken lässt, wie er selbst sagt, sind alte Holzschindeln, die er bei den alpenländischen Krippen für Dächer oder Fensterläden verwendet.

Die Begeisterung fürs Krippenbauen gibt Hans Fischer auch an andere weiter. So hat er beispielsweise schon mit Kindern einer Ingolstädter Schulklasse gebastelt. Auch mit der Kreativgruppe der Insula in Bischofswiesen hat er in den vergangenen beiden Jahren an einer großen alpenländischen Krippe gearbeitet. Die »Krippe der Insula« ist zweiteilig und 1,30 Meter lang. Sie zeigt einen Stall mit Figuren der Heiligen Drei Könige gemeinsam mit Maria und dem Jesuskind. Daneben ein großes Bauernhaus vor eindrucksvoller Bergkulisse. Solche Berge fertigt Hans Fischer aus alten Holzstücken, die er aufwenig bearbeitet, um ihnen den Charakter schroffer Felsformationen zu verleihen.

Beim Haus lohnt sich der Blick ins Innere, denn der Bischofswieser Krippenbauer widmet seine Aufmerksamkeit auch den Dingen hinter dem Offensichtlichen. Wer durch die Tür in die Stube schaut, entdeckt einen detailgetreu gestalteten alten Ofen, daneben einen reich verzierten Schrank. Ihm gegenüber ein Küchentisch mit Bank und Stühlen, eine Tischdecke und Polster aus grün-blau-kariertem Stoff runden das Bild ab. Durchs hintere Fenster sieht man hinaus zu den Bergen. Doch noch ist das Haus nicht ganz fertig. Im oberen Stockwerk muss das Bett fertig gebaut werden und auch sonst fallen Fischer manche Kleinigkeiten auf, die noch fehlen. Wie eine Krippe am Schluss aussehen wird, weiß er vorher nicht. »Ich habe keinen genauen Plan. Ich tüftle solange herum, bis es mir gefällt. Und wenn ich gar nicht weiterkomme, lasse ich alles stehen und bastle an meiner Modellbahn weiter. Irgendwann geht es dann wieder ganz von selbst.«

Derzeit lagern Hans Fischers Krippen noch in einem Kellerraum der Insula. Am 19. und 20. November sind sie dann in Engedey zu bewundern. Am Samstag von 10 bis 16 Uhr und am Sonntag von 10 bis 15 Uhr. Für alle, die mehr über die einzelnen Krippen und ihre Herstellung erfahren möchten, gibt es Führungen durch die Ausstellung. Am 26. November sind die Krippen außerdem in der Kirche der Insula zusehen. Alexandra Rothenbuchner