weather-image
13°

Mit Maßband und Visierstab

4.4
4.4
Bildtext einblenden
Die Visierstäbe markieren den zusätzlichen Platzbedarf für die Sparkasse. (Foto: privat)

Bischofswiesen – Trotz vieler Informationen zur Ortsentwicklungsplanung und der Fortschreibung des Flächennutzungsplanes gibt es noch erhebliche Informationsdefizite und Aufklärungsbedarf, findet die Unabhängige Bürgervereinigung Bischofswiesen (UBB). Deshalb hatten sich kürzlich UBB-Mitglieder getroffen, um sich anhand der Pläne ein genaues Bild zu machen. Startpunkt war das Rathaus, Zielpunkt der unbeleuchtete Bahnhof.


Nach den aktuellen Planungsvorgaben scheinen die Tage des alten Rathauses gezählt zu sein, um ein entsprechend großes Bürgerzentrum mit Sparkasse und großer Tiefgarage zu errichten. Dabei hatte sich der Gemeinderat noch im Herbst 2013 einstimmig für Erhalt und Sanierung des alten und ortsbildprägenden Gebäudes und einen Neubau mit Verbindungsgang ausgesprochen. Das wird jetzt problematisch, weil die Sparkasse rund 200 Quadratmeter Fläche beansprucht. Das ist um einiges größer als die Grundfläche des alten Rathauses. Nach Meinung der UBB-Mitglieder muss die Entscheidung darüber in Bürgerhand liegen, und es wäre ein großer Verlust für das Ortsbild, wenn wieder ein historisches Gebäude der Abrissbirne zum Opfer fällt.

Anzeige

Vorbei an der Schule mit dem kiesbefüllten Brunnen und dem fast baumfreien Schulhof ging es zur Bundesstraße unterhalb der Kirche. Beim genauen Ausmessen anhand der Planung würde der Verkehrsweg mit allen Zusatzbauten wie Abbiegestreifen, Busbucht, Fluchtweg, Sicherheitsstreifen mit einer Breite von 18,25 Metern fast bis an den Feldkasten heranführen. Die Latschen und der Stein müssten entfernt werden. An der Ache gegenüber der Apotheke würde der jetzige Uferstreifen in Verkehrsfläche umgewandelt und eine drei Meter hohe Stützmauer errichtet. An den gegenüber dem »Brenner Bräu« gelegenen Brunnen, der mit seinen Figuren von Erzbischhof Eberhard von Salzburg und Stiftspropst Heinrich I. an den Tausch der »Bischofswies« gegen ein Gut in Landersdorf bei Wölbling im Jahre 1155 erinnert, rückt die Straßenführung um 2,50 Meter näher heran. Ortsverschönerung sieht nach Ansicht der UBBler anders aus.

Kritisch zu beurteilen ist aus Sicht der UBB auch die Veränderung des Ache-Ufers durch die Stützmauer. Denn hier wird der Flusslauf eingeengt und begradigt, die noch natürliche Vegetation aufgefüllt und dann durch die Stützmauer stabilisiert. Nach der Wasserrahmenrichtlinie dürfte dieser Eingriff in das Gewässer nicht umsetzbar sein, findet die UBB. Zwischen Loipler Brücke und Bahnhof ist ein ovaler Verkehrsstreifen zur Verkehrsberuhigung geplant. Dazu muss auch hier in das Ache-Ufer eingegriffen werden. »Diese Planung ist wohl die Erklärung dafür, dass dort alle großen Bäume gefällt wurden und nur ein paar Stangerl stehen blieben«, vermutet ein UBB-Mitglied.

Der Ortsanfang vor der Einmündung Loipler Straße wurde in den Ortsentwicklungsplan »Bischofswiesen 2030« nicht einbezogen. »Dabei wäre ein Kreisverkehr hier die beste Lösung für den Ort«, finden die UBBler.

Die Parkplätze gegenüber der Apotheke fallen ebenso weg wie beim Bachhäusl. Der kombinierte Geh- und Radweg würde direkt bis an das tiefer liegende Haus heranreichen. An dieser Stelle erinnert Sepp Stangassinger an den einstimmigen Beschluss des Gemeinderates vom 27. Januar zum Flächennutzungsplan, die Hinweise des Landratsamtes in die Planung aufzunehmen. Angeregt wurde, die Sicherung und Vernetzung der vorhandenen Grünflächen vor allem entlang der Bischofswieser Ache und im Sinne der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie zu entwickeln. Dazu sollte dieser Bereich parkartig mit gewässerökologischen Schwerpunkten gestaltet und zu einem Naherholungsbereich für Fußgänger und Radfahrer entwickelt werden. Das Areal sollte in ein noch zu entwickelndes Radwegenetz im Ort eingebunden werden. Nun entlang der Bundesstraße einen Radweg unter Beseitigung der letzten Hecken und Grünflächen zu bauen, weil dies aus Steuergeldern finanziert wird, ist keine langfristig angelegte Ortsplanung, auch unter dem Aspekt, dass durch den Klimawandel die Zahl der heißen Tage weiter zunimmt. Mit mehr Beton und Asphalt heizt sich der Ort zusätzlich auf, ist sich Sepp Stangassinger sicher.

Am letzten Punkt, dem Bahnhof, zeigte sich das nun schon seit 2009 anhaltende Trauerspiel um die Beleuchtung und den desolaten Brückenzustand. Nachvollziehbar ist das für die UBBler nicht: »Mit wortreichem Aktionismus möchte man den Öffentlichen Verkehr attraktiver gestalten, tatsächlich sieht es dann aber so aus, dass Bahnnutzer über einen wenig beleuchteten Bahnsteig auf den gänzlich unbeleuchteten lochreichen Bahnhofsvorplatz gelangen, wo per Schild – das aber im Dunklen keiner lesen kann – aufgefordert wird, nicht die Brücke, sondern den ebenfalls unbeleuchteten Pfützenweg Richtung Brennersteg zu benutzen. Welcher Tourist kehrt freiwillig an einen solchen Ort zurück?«, fragt sich Rita Poser. fb