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Mit neuem Namen in die Fünfte Jahreszeit

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Die Faschingsgilde Berchtesgaden plant trotz massiver Probleme in die Zukunft (v.l.): Pressesprecherin Stefanie Ernst, Vizepräsident Werner Pilz, Kassierin Elisabeth Loder und Schriftführerin Brigitte Pilz. (Foto: Kastner)

Berchtesgaden – Fröhlichkeit zu verbreiten, ist die Hauptaufgabe von Faschingsgesellschaften. Damit tut man sich bei der Faschingsgilde Berchtesgaden derzeit schwer. Zu sehr ist wegen der »Causa Karin Schröer« (wir berichteten mehrmals) momentan die eigene Stimmung im Keller. Doch aufgeben will man nicht. Geplant ist ein Neustart unter neuem Namen, der den Berchtesgadener Narren – so hoffen sie wenigstens – wieder ein besseres Image verschaffen soll.


Bedrückt wirken die Vertreter des organisierten Faschings in Berchtesgaden beim Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«. Vizepräsident Werner Pilz ist mit seiner Frau Brigitte, die das Amt der Schriftführerin bekleidet, aus Salzburg gekommen. In Ermangelung eines Präsidenten leitet Werner Pilz seit einem Jahr die Vereinsgeschicke. Auch Pressesprecherin Stefanie Ernst und Kassierin Elisabeth Loder aus Berchtesgaden sind in der »Anzeiger«-Redaktion vorstellig geworden, »um einige Dinge richtigzustellen.« Dabei betonen sie mehrmals: »Wir wollten nie eine Schlammschlacht.« Dennoch verteidigen sie unisono den Beschluss, Karin Schröer den Titel der Ehrenpräsidentin zu entziehen und sie aus der Faschingsgilde auszuschließen.

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Zusammengefasst wirft der Gildenvorstand der früheren Präsidentin Kompetenzüberschreitung und ständige Einmischung vor. »Wenn ich mich aus dem Vorstand der Gilde zurückziehe, dann muss ich auch akzeptieren, dass ich nichts mehr zu entscheiden habe«, so Stefanie Ernst. Statt sich einmal auszusprechen, gab es lediglich E-Mail-Kommunikation, die letztendlich aber auch abbrach. »Wir kamen nicht an Frau Schröer heran«, erklärt Brigitte Pilz. Das Fass zum Überlaufen brachte dann die Verleihung von Faschingsorden, die Karin Schröer selbst hatte anfertigen lassen, in Bad Hall. »Das war eindeutig ein Verstoß gegen die Satzung und wir mussten handeln«, sagt Brigitte Pilz.

Obwohl man nach wie vor hinter dem Beschluss steht, räumt die Vorstandschaft auch ein, Fehler gemacht zu haben. »Wir hatten nach unserer Amtsübernahme sicherlich Startschwierigkeiten«, erklärt Stefanie Ernst. Die sind wohl auch damit zu erklären, dass der bis dahin als neuer Gildenpräsident vorgesehene Kandidat sich ebenfalls mit Karin Schröer überworfen hatte und seine Kandidatur zurückzog.

Bei der Faschingsgilde weiß man freilich, dass nur ein einheimischer Präsident die Zukunft der Gilde sichern kann. Bis man einen findet, leitet Vizepräsident Werner Pilz aus Salzburg also die Amtsgeschäfte. »Das kann aber maximal eine Amtsperiode, also drei Jahre lang, so gehen. Dann brauchen wir jemanden«, erklärt Brigitte Pilz.

Aber das Suchen ist man bei der Berchtesgadener Faschingsgilde ja gewöhnt. Immer schwieriger wurde es in den letzten Jahren, ein Prinzenpaar zu finden. »Wir fragen uns schon länger, ob sich die Berchtesgadener überhaupt noch mit uns identifizieren«, sagt Stefanie Ernst traurig. Dazu kommt die gegenwärtige Kritik an der Gilde, die zum Austritt von bis zu zehn Mitgliedern führte. Von den verbliebenen 62 Mitgliedern engagieren sich auch nur wenige aktiv.

»Es macht uns schon traurig, dass der Name der Berchtesgadener Faschingsgilde nun in so schlechtes Licht gerückt wurde«, erklärt die Pressesprecherin. Man hatte deshalb geplant, den Verein aufzulösen und einen neuen zu gründen. Doch wegen der großen Hürden, die damit in Deutschland verbunden sind, wich man von diesem Plan ab. Nun soll die Gilde einfach einen neuen Namen bekommen. Aber ob das dem Verein auch ein besseres Image bringt? »Wir wissen es nicht, aber einen Versuch ist es wert«, sagt Stefanie Ernst. Beim Registergericht wurde bereits ein entsprechender Antrag eingereicht. Den Namen weiß man bereits, will ihn aber noch nicht verraten, »falls etwas dazwischenkommt«.

Der organisierte Fasching in Berchtesgaden soll also Zukunft haben. Doch die Narren wissen, dass sie in den nächsten Monaten noch viele Probleme zu lösen haben. Die nicht besetzte Präsidentenstelle, das fehlende Interesse an einer Prinzenpaar-Kandidatur und schließlich die leere Vereinskasse erfordern vonseiten des aktuellen Vorstands erhebliches Engagement. Deshalb flehen die Vereinsvertreter fast, dass in der Causa Karin Schröer »endlich Ruhe wird«. Ulli Kastner