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Mit neuer Bahn barrierefrei auf den Jenner

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Weil neue Investoren ins Boot geholt wurden und die Gemeinde ihr Aktienpaket auf 25 Prozent reduziert hat, ist der bis zu 35 Millionen Euro teure Neubau der Jennerbahn und weiterer Anlagen möglich. Statt der kleinräumigen alten Gondeln wird es komfortable Zehnerkabinen geben. Auch die Talstation wird einem Neubau weichen. (Foto: Kastner)

Schönau am Königssee – Für Menschen mit schwerer körperlicher Behinderung war der Jenner bislang kaum erreichbar. Zu eng und wenig komfortabel sind die Gondeln, kein Platz für Rollstuhl oder Rollator ist vorhanden. Mit der neuen Seilbahn und den großräumigen Zehnergondeln soll sich das ändern. »Hundertprozentige Barrierefreiheit« versprechen Bürgermeister Hannes Rasp, gleichzeitig Vorstandsvorsitzender der Berchtesgadener Bergbahn AG (BBAG), und Betriebsleiter Wilfried Däuber. Künftig soll es sogar einen barrierefreien Weg bis zu einer Aussichtsplattform mit Blick auf den Königssee geben. All das war am Dienstag Thema im Gemeinderat Schönau am Königssee. Der gab als »Träger öffentlicher Belange« im Rahmen des Genehmigungsverfahrens nach dem Bayerischen Eisenbahn- und Seilbahngesetz sein Einverständnis zu dem Projekt.


Ziel ist es, das bestätigte Bürgermeister Hannes Rasp noch einmal, im Jahr 2017 die Baumaßnahmen durchzuführen. Dann könnte die neue Seilbahn, die mit allen zusätzlichen Baumaßnahmen bis zu 35 Millionen Euro kosten kann, im Winter 2017/2018 in Betrieb genommen werden. Den im Rahmen des Projekts erforderlichen Pistenkorrekturen hatte der Gemeinderat bereits im November zugestimmt. Jetzt ging es um den Neu- beziehungsweise Ersatzbau der Jennerbahn, der Mitterkaserbahn und der Jennerwiesenbahn mit Rückbau der bestehenden Anlagen. So soll die alte Jennerwiesenbahn komplett abgebaut werden. »Parallelbahnen rentieren sich nicht mehr«, begründete Däuber diese Entscheidung.

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Mit bis zu sechs Metern pro Sekunde Richtung Berg

Für die neue Jennerbahn benötigt man neue Stationen im Tal und auf dem Berg an alter Stelle. Die Mittelstation wird dagegen zum neuen Beschneiungsweiher verlegt. Die Trasse verläuft im unteren Teil auf identischer Strecke wie bisher, im oberen Teil wird sie, verschränkt zur alten Trasse, etwas weiter südlich angelegt.

Man hatte sich für große Zehnerkabinen entschieden, weil damit auch Europaletten zur Versorgung der Berg- und Mittelstation problemlos transportiert werden können. Künftig wird es nur noch 64 Gondeln geben, bislang waren es 175. Die neue Bahn wird bis zu sechs Meter pro Sekunde schnell sein, die alte fuhr meistens nur 2,2 bis maximal drei Meter pro Sekunde. Das Seil wird nur noch von 20 Stützen getragen, bisher waren es 43.

Die Wartezeiten verkürzen

An Spitzentagen beförderte die Bahn bislang im Sommer bis zu 2 800 Gäste täglich. Bei der neuen Bahn geht man von einem 20-prozentigen Plus, also von bis zu 3 360 Gästen, aus. Ähnlich wird der Zuwachs im Winter sein. Von bislang maximal 1 500 Erstzutritten wird man die Leistung auf bis zu 1 800 Erstzutritte erhöhen. »Uns geht es nicht unbedingt darum, möglichst viele Menschen auf den Jenner zu bringen, sondern wir wollen vor allem die oftmals langen Wartezeiten verkürzen«, stellte Däuber klar.

Entschieden hat sich die Jury im Rahmen eines Ideenwettbewerbs für ein Architekturbüro, das die neue Tal- und Mittelstation planen soll. Den Zuschlag erhielt das Architekturbüro Lainer aus St. Johann in Pongau. Man geht davon aus, dass dieses Büro auch die anderen Bauten planen wird. Innerhalb der nächsten beiden Wochen erwartet man von den Architekten weitere Ideenvorschläge, dann könnte Ende März der Bauantrag eingereicht werden.

Kindgerechte Sechsersesselbahn

Neu gebaut wird auch eine kuppelbare Sechsersesselbahn von einer Talstation rund 150 Meter unterhalb des Beschneiungsteichs bis hinauf zur bisherigen Mittelstation, die abgerissen wird. Das relativ leichte Gelände soll vor allem Kindern eine Übungsgelegenheit bieten, weshalb alle technischen Anlagen kindgerecht gebaut werden.

Einen Ersatzbau wird es für die Mitterkaser-Seilbahn geben. Der Neubau inklusive kuppelbaren Vierersesseln mit Haube wird laut Wilfried Däuber erforderlich, weil der Standort der Umlenkscheibe für den Neubau der Bergstation nicht mehr passend ist. Ein Umbau wäre laut Däuber sehr teuer, weshalb man sich für einen Neubau entschieden habe. Auch von einem Tausch der Seilbahn mit dem alten Mitterkaser-Schlepplift hatte man Abstand genommen. »Die EU-Auflagen im Rahmen einer Zertifizierung wären zu groß gewesen«, erklärte Wilfried Däuber. Stattdessen will man den Neubau des Schleppliftes zu einem späteren Zeitpunkt in Angriff nehmen.

Veto nur von den Grünen

»Die Freien Wähler stehen voll hinter dem Projekt«, versicherte 2. Bürgermeister Richard Lenz, der von einem Leuchtturmprojekt für die ganze Region sprach. Er freute sich, dass man mit mehreren Investoren gute Partner gefunden habe.

Dass auch der Ortsverein der SPD das Projekt mehrheitlich begrüße, sagte Andreas Pfnür. Schließlich könne ein schlechter Winter nicht als Argument gegen das Projekt verwendet werden, denn es handele sich ja um eine Investition in den ganzjährigen Tourismus. Pfnür: »Ich freu mich drauf«. Und für Stefan Punz (CSU) war vor allem die künftige Barrierefreiheit ein wichtiges Argument für das Bahnbauprojekt.

»Die Baumaßnahme wird begrüßt« hieß es im Beschluss, den der Gemeinderat mit großer Mehrheit verabschiedete. Dagegen stimmte nur Luca Guscelli (Grüne). Ulli Kastner

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