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Mit Untersbergmandln unterwegs

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Gemeinsam mit seinen Untersbergmandln führte Simon Renoth eine Schar winterfester Wanderer auf den verschneiten Friedensberg. (Foto: Rothenbuchner)

Marktschellenberg – Die Landschaft ist von einer dicken Schneeschicht bedeckt, es fallen vereinzelt kleine Flocken vom Himmel. Und in der zunehmenden Dunkelheit sieht man die weihnachtlich beleuchteten Häuser. Perfekte Rahmenbedingungen für die »Sagenhafte Laternenwanderung« in Marktschellenberg. Simon Renoth hat sich dafür am Sonntag die Unterstützung von sechs kleinen Untersbergmandln geholt.


Los ging es um 16.30 Uhr am Adventsmarkt Marktschellenberg. Die Untersbergmandl mit ihren langen grauen Bärten stellten sich den Besuchern des Marktes vor: »Eine Mönchskutte mit Kapuze wird getragen und dazu einen Stock, gutmütig und hilfreich sind wir, das ist für alle überhaupt kein Schock. Meistens werden wir nicht gesehen und sind nachts unterwegs, in der wunderbaren Unterwelt unseres sagenhaften Untersbergs. Helfen tun wir überall, wo wir nur können, de Schellenberger Bürger ham uns gerufen, so gehen wir mit bei der sagenhaften Wanderung, darin sehen wir uns berufen.«

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Der Einladung, sie auf eine sagenhafte Wanderung mit Simon Renoth zu begleiten, folgten dann rund 30 Besucher. Besonders die Kinder wollten sich das Erlebnis nicht entgehen lassen. Ausgerüstet mit hellen LED-Laternen, damit niemand stolpert und sich keiner verbrennt, zog die Gruppe los. Im Gänsemarsch stapften die kleinen und großen Wanderer durch den verschneiten Ort hinauf in Richtung Friedensberg. Allein der Weg in der zunehmenden Dunkelheit, das beleuchtete Marktschellenberg mit der Pfarrkirche St. Nikolaus zu Füßen, wäre den Marsch wohl wert gewesen.

Versgeschichten auf Bairisch

Höhepunkt aber waren die Geschichten. Denn Simon Renoth legte immer wieder kurze Pausen ein, in denen sich alle um ihn und die Untersbergmandl scharten und seinen Erzählungen lauschten.

Auf Bairisch und meist in Reimform berichtete Renoth an der Bank unterhalb der Schnitzerei Huber und vor einer Wiese am Friedensbergweg von der Geschichte der Salzgewinnung in Marktschellenberg, dem Bau der Bahntrasse, der Herkunft des Ortsnamens oder der Sage rund um Kaiser Karl, der in einer Halle tief im Inneren des Untersbergs schläft und dessen Bart bereits so lang ist, dass er sich zweimal um den marmornen Tisch geschlungen hat.

Am Gut Friedensberg, das früher Schellenberger Hof genannt wurde, erzählte Renoth von dem Weiher, in dem sich schon vor über 300 Jahren die Pferde der Fürstpröpste gewaschen haben, und von der Köhlerstochter Liesl, die an der Almbachalm einer Wildfrau begegnete. Weil Liesl ein gutes und arbeitswilliges Dirndl gewesen sei, soll die Wildfrau ihr geholfen haben, ihren Verlobten Franz zu heiraten, denn beide hatten nicht viel Geld. Und in Marktschellenberg hätten derweil fleißige Bergmännlein über Nacht einen schönen Bauernhof für das Paar errichtet. »Liesl und Franz führten zeitlebens eine gute Ehe in Frieden und Eintracht. Darum nannten sie auch den Hof Friedensberg. Diesen Namen führt das Haus bis auf den heutigen Tag«, erzählte Renoth.

Kleine Geschenke für die Wanderer

Vom Friedensberg machten sich die Wanderer auf den Rückweg zum Adventsmarkt. Einen letzten Zwischenstopp machte Renoth aber noch. Mit dem Blick auf Marktschellenberg vor dem Haus der Familie Rupp holte er noch einmal alle Teilnehmer zusammen. Am Hang gegenüber leuchtete ein Stern an jener Stelle, an der sich die Weihnachtsschützen des Orts vom 17. Dezember bis zum Heiligen Abend jeden Tag um 15 Uhr zum Christkindlschießen versammeln. Und so sprach Renoth, während es wieder stärker zu schneien begann, auch zu den Bräuchen im Advent ein paar Verserl. Die Untersbergmandl hatten zum Schluss ein kleines Geschenk für die Wanderer: Jeder durfte sich einen kleinen Salzstein mit nach Hause nehmen. Zum gemütlichen Ausklang der »Sagenhaften Laternenwanderung« ging es zurück zum Adventsmarkt am ehemaligen »Gasthof Untersberg«.

Wer Lust bekommen hat, sich ebenfalls einmal von Simon Renoth und seinen Untersbergmandln durch Marktschellenberg führen zu lassen, hat dazu am 28. Dezember um 16.30 Uhr noch einmal die Gelegenheit. Treffpunkt ist beim Gasthof »Untersberg«. Alexandra Rothenbuchner