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»Mit Vollgas in die Fresse geschlagen«

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Felix Blume alias Kollegah gestern vor dem Laufener Schöffengericht. (Foto: Höfer)

Laufen – Der im deutschsprachigen Raum bekannte Rapper Kollegah wollte vor Gericht zunächst gar nichts sagen. Ebenso wenig seine beiden Mitangeklagten. Am 29. Juni vergangenen Jahres sollen sie nach einem Konzert im Freilassinger Event-House zwei österreichische Gäste brutal verprügelt haben. Die Anklage am Laufener Schöffengericht lautete auf gefährliche Körperverletzung. Insgesamt elf Zeugen sollten gestern Licht ins Dunkel der Ereignisse bringen.


Irgendjemand soll »Kollegah, Du Hurensohn« gerufen haben. Worauf Felix Blume, so der bürgerliche Name des 30-jährigen Rappers aus Düsseldorf, zusammen mit seinem Backgroundsänger und seinem Bodyguard auf den vermeintlichen Rufer und dessen Freund eingeschlagen haben sollen. Zumindest schilderten das sowohl die beiden Geschädigten als auch zwei weitere Zeugen so. Ein 25-jähriger Gemeindearbeiter aus Thalgau war dabei erheblich im Gesicht verletzt worden.

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Die drei Anwälte der Angeklagten wollten in den Darstellungen etliche Widersprüche und Ungereimtheiten erkennen. Rechtsanwalt Hanns Barbarino, Verteidiger von Rapper Mayjuran Ragunathan alias Majoe, stellte sich sogar als »Opfer« zur Verfügung, um zu zeigen, dass es so, wie es ein 27-jähriger Grödiger schilderte, wohl nicht gewesen sein könne. »Mit Vollgas in die Fresse geschlagen«, schilderte dieser Zeuge das Geschehen. Er selbst erlitt bei dem Versuch, seinem Freund zu helfen, einen Nasenbeinbruch.

Der Verteidiger von Kollegah schlug schließlich kurz vor Mittag ein Rechtsgespräch vor, das mit der Einstellung des Verfahrens gegen den Sänger Majoe und den 34-jährigen Bodyguard »wegen geringer Schuld« endete. Das Angebot für Rapper Kollegah im Falle eines Geständnisses: eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Dazu eine Geldauflage von 5 000 Euro.

Doch darauf gingen Verteidiger und Angeklagter nicht ein. Er wolle Gerechtigkeit, betonte Rechtsanwalt Tarik Karabulut. Er präsentierte am Nachmittag allein sechs Zeugen, allesamt aus dem Umfeld der Musiker, die gesehen haben wollen, wie der Gemeindearbeiter aus Thalgau Rapper Kollegah getreten haben soll. Schließlich sollen auch noch der Grödiger und drei weitere aus diesem Kreis Kollegah angegriffen haben.

»Ich bin nur in die Raucherlounge und habe gefragt, wer das gesagt hat«, so der Rapper. Er sei Provokationen gewohnt und könne es sich als Künstler und Jurastudent gar nicht leisten, durch Aggression aufzufallen. »Ich wollte den Betreffenden einfach zur Rede stellen.« In der Regel komme dann immer rasch eine Entschuldigung. Anders diesmal: »Vier, fünf Leute sind auf mich zu. Es war reine Notwehr«, beteuerte Kollegah.

Vorsitzender Richter Thomas Hippler und Staatsanwältin Monika Feiglhuber wunderten sich über die zum Teil wörtlich übereinstimmenden Aussagen der Zeugen und warnten vor einer Falschaussage. Alle jedoch beteuerten, die Angriffe vom Eingang der Raucherlounge auf den Künstler gesehen zu haben.

Auch die zuvor Mitangeklagten, Rapperkollege Majoe und der Bodyguard, mussten in den Zeugenstand. Beide bestätigten, dass Kollegah verletzt worden war. Wie er denn generell zum Thema Gewalt stehe, wollte die Staatsanwältin mit Blick auf dessen Liedtexte vom Angeklagten wissen. »Ich bin absolut gegen Gewalt«, versicherte Kollegah, dieser sogenannte »Battle-Rap« sei eine Kunstform.

Überzeugt von der Version Kollegahs war die Staatsanwältin nach den Zeugenvernehmungen nicht. Sie und auch die drei Richter wollen zwei weitere Gäste und Zeugen hören. Die Verhandlung wird am Mittwoch, 19. November, um 9 Uhr fortgesetzt. Hannes Höfer