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Mittelstation bleibt nun doch an alter Stelle

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Der Standort der alten Mittelstation wird nach der Planungsänderung auch der Standort des neuen Gebäudes sein. Die Bergstation für die neue Sechsersesselbahn soll hier ebenfalls entstehen. (Fotos: Kastner)
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Keine Eingriffe sind nun im Umfeld des neuen Speicherteichs notwendig. Das haben die Naturschutzverbände in Verhandlungen mit der BBAG durchgesetzt.

Schönau am Königssee – Nach intensiven Diskussionen mit den Naturschutzverbänden, vor allem mit Rita Poser vom Bund Naturschutz und Dr. Wolf Guglhör vom Verein zum Schutz der Bergwelt, lenkte die Berchtesgadener Bergbahn AG (BBAG) beim geplanten Jennerbahn-Neubau nun zumindest in einem Punkt ein: Die neue Mittelstation inklusive Gastronomie und Kinderland soll nicht beim neuen Speicherteich, sondern an alter Stelle entstehen. Darüber hinaus hat man bei den Gebäudegrößen für Tal- und Bergstation abgespeckt. Der Gemeinderat Schönau am Königssee gab für die Austauschpläne am Dienstag grünes Licht.


Zu den Bauanträgen der BBAG lagen dem Gemeinderat am Dienstag mehrere Austauschpläne vor. Da ging es um Veränderungen bei den Pistenkorrekturen sowie um die Abbrüche und Neuerrichtungen der Talstation, der Mittelstation (inklusive Bergstation für die neue Jennerwiesenbahn) und der Bergstation (mit Bergstation der neuen Mitterkaserbahn).

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Dass die Mittelstation nun doch an alter Stelle bleibt, liegt ausschließlich an den Einwänden der Naturschutzverbände. Denn für die Realisierung des Projekts rund um den Speicherteich wären umfangreiche Rodungen notwendig gewesen. Schließlich sollten hier neben der Mittelstation auch ein Gaststättengebäude sowie ein Kinderland entstehen. »Der Naturschutz muss uns etwas wert sein«, begründete Bürgermeister Hannes Rasp im Gemeinderat die Planungsänderung. Schließlich solle das Jennerbahn-Projekt von einer möglichst großen Mehrheit mitgetragen werden. Rasp sprach von einem »gangbaren Kompromiss«.

Verkleinertes Kinderland

Der sieht also nun vor, dass das Gebäude für die neue Mittelstation und für die Bergstation der neuen Sechsersesselbahn am alten Standort neu errichtet wird. Die Gastronomie soll im Gebäude auf die Südseite kommen, die Werkstatt wird im nördlichen Gebäudeteil untergebracht. Auch ein unterirdischer Gondelbahnhof ist geplant, in dem die Gondeln für die obere Sektion garagiert werden. Die Straße wird auf die Westseite des Gebäudes verlegt. Ganz gestrichen ist das Multifunktionsgebäude, das am Fuße des Krautkaserhangs geplant war. Das ursprünglich sehr groß geplante Kinderland wird nun deutlich verkleinert und soll auf der Südseite der Mittelstation angelegt werden.

Neuigkeiten gibt es auch bei der geplanten Talstation. Nach weiteren Verhandlungen mit den Anwohnern werden die beiden Gebäude, die unterirdisch miteinander verbunden sind, bei der Fläche um rund 30 Prozent reduziert. Sportgeschäft, Skidepot und Tiefgarage werden kleiner, der Gondelbahnhof wird sogar ersatzlos gestrichen. »Hier zeigt sich der Vorteil der Zehnergondeln«, sagte Bürgermeister Hannes Rasp. Weil man deutlich weniger davon brauche, sei eine Garagierung in der Station möglich. Betriebsleiter Wilfried Däuber verwies noch einmal auf die durchgehend behindertengerechte Bauausführung. Monoskifahrer könnten künftig von zwei Behindertenparkplätzen aus direkt zum Einstieg abfahren.

Bürgermeister pocht auf Baustraße

Etwas abgespeckt wird auch am Berg. Die Nutzfläche wird sich an der Bergstation um rund 15 Prozent verringern. So reduzieren sich die Sitzplätze in der Gastronomie von bislang 400 auf nunmehr 250, kleiner wird auch die Terrasse, genauso die Küche. Ein großer Lagerraum wird völlig gestrichen. Verzichten wird man auch auf die ursprünglich vorgesehene künstliche Aufschüttung für das Gebäude an der Nationalparkgrenze. Vorsorglich wies Bürgermeister Hannes Rasp schon einmal darauf hin, dass man für den Neubau der Bergstation unbedingt eine Baustraße brauche. Dafür müsse die bisherige Straße um bis zu einen Meter verbreitert werden. »Schließlich können wir nicht eine ganze Saison lang alles nur mit Hubschraubern bewerkstelligen. Das geht aus Kosten- und Lärmschutzgründen nicht«, sagte Rasp. Die bestehende Straße solle nur so ausgebaut werden, dass sie mit Allrad-Transportfahrzeugen befahrbar sei.

Nicht wesentlich breiter werden wird nun die Piste im Bereich des Hohlwegs. Hier will man im Wesentlichen nur noch die Kupierung etwas herausnehmen. Ganz beseitigt wird der im Zuge des Krautkaserprojekts errichtete Querweg von der Krautkaser-Bergstation hinüber zum Spinnerkaser. Hier will man eine neue Zufahrt für die Skifahrer von oben schaffen.

Grüner legt Veto ein

In der kurzen Diskussion zeigten sich fast alle Gemeinderäte mit den Planungsänderungen einverstanden. Luca Guscelli (Grüne) legte allerdings mehrmals sein Veto ein, weil er sich mit vielen Pistenkorrekturen und der Errichtung der Baustraße nicht einverstanden zeigte. Vor allem die geplanten Auffüllungen unterhalb der Bergstation und unterhalb der bisherigen Jennerwiesenbahn-Bergstation lehnt Guscelli ab. Darüber hinaus regte der Grünen-Gemeinderat erneut die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Gesamtprojekt an. Zustimmung gab es von seiner Seite nur für die geänderte Planung beim Bau der Mittelstation.

Ob mit dem abgespeckten Jennerbahn-Projekt auch die Baukosten sinken, konnte man bei der BBAG gestern nicht abschätzen. Auf der BBAG-Hauptversammlung hatte man die Kosten für den Neubau auf bis zu 40 Millionen Euro veranschlagt. Gebaut werden soll von April bis Dezember 2017. Die neue Bahn könnte dann im Dezember 2017 in Betrieb gehen. Ulli Kastner

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