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Mitten in der Gesellschaft

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In der großen, barrierefreien Küche können die Bewohner gemeinsam kochen.
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Das neue Wohnhaus der Lebenshilfe in Berchtesgaden.
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Übergabe des Schlüssels (v.l.): Architekt Rüdiger Lerach, Martin Rihl (Leiter Wohnen und Fördern der Lebenshilfe BGL), Geschäftsführer Dieter Schroll und Melanie Sarbalkan (Leiterin Wohnhaus Berchtesgaden).
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Das neue Wohnhaus der Lebenshilfe begeisterte nicht nur die Bewohner (v.l.): Oswald Lerach (1. Vorsitzender der Lebenshilfe BGL), Architekt Rüdiger Lerach, Gerhard John (stellvertretender Landesvorsitzender der Lebenshilfe Bayern), Hannelore Bohm (Behindertenbeauftragte BGL), Landrat Georg Grabner, Bürgermeister Franz Rasp, Josef Mederer (Bezirksratspräsident Oberbayern), Kreisrat Georg Wetzelsperger, Josef Landthaler (2. Vorsitzender der Lebenshilfe BGL) und Dieter Schroll (Geschäftsführer der Lebenshilfe BGL). (Fotos: Rothenbuchner)

Berchtesgaden – Der symbolische (Brezen)-Schlüssel hat den Besitzer gewechselt, die segnenden Worte sind gesprochen. Die Lebenshilfe Berchtesgadener Land hat das neue Wohnhaus in Berchtesgaden gestern Vormittag offiziell eingeweiht.


Die ersten Bewohner waren bereits im Januar eingezogen. Als »Meilenstein« bezeichnete Josef Mederer, Bezirkstagspräsident von Oberbayern, das Wohnhaus. 20 stationäre Wohnplätze bietet das Projekt für Menschen mit Behinderung. Zweimal acht Plätze in Wohngruppen und vier Appartementplätze für Wohntraining oder ambulant unterstütztes Wohnen. »Das Haus ist großartig gelungen«, schloss sich auch Landrat Georg Grabner dem Lob an. »Viel Licht, groß, funktional und schaut gut aus.

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Hier haben die Bewohner Privatsphäre und Gemeinschaft. Sie sind selbstständig aber nicht einsam.« Menschen mit Behinderung mitten in die Gesellschaft holen, war eines der Ziele. Dafür hat die Lebenshilfe in einem »Hindernismarathonlauf«, wie Lebenshilfe Vorsitzender Oswald Lerach es nannte, einen guten Standort gefunden. Geschäfte, Ärzte, der Bahnhof, alles ist in der Nähe und für die Bewohner zu Fuß erreichbar. Auch das Verhältnis zu den Nachbarn sei gut. »Die Bewohner und Mitarbeiter sind von uns allen mit offenen Armen empfangen worden«, bestätigte Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp.

Ein gelungenes Projekt also, da waren sich die Redner bei der gestrigen Einweihungsfeier einig. Auch in finanzieller Hinsicht eine Punktlandung. Die Gesamtbaukosten hatte die Lebenshilfe vorab mit 4 155 700 Euro kalkuliert – und sich daran gehalten. Finanziert wurde das Wohnhaus zu großen Teilen aus Fördermitteln. 974 500 Euro Eigenkapital musste die Lebenshilfe aufbringen, einiges wurde durch Spenden finanziert. Besonders erwähnt hat der 2. Vorsitzende Josef Landthaler dabei die Familie Althammer mit dem Team der Edelweiß-Classic. Sie haben mehr als 80 000 Euro für das Projekt gespendet.

Die besondere Herausforderung, so Architekt Rüdiger Lerach, war es, das vielfältige Leistungsspektrum in einem Haus zu vereinen. Die Bewohner haben in ihrer Wohngruppe oder dem Appartement viele Möglichkeiten selbstständig zu wohnen, werden dabei aber dauerhaft betreut und unterstützt. In den Wohngruppen haben sie Gemeinschaftsräume, wo sie zusammen kochen, fernsehen oder einfach beisammensitzen können. Sie haben aber auch jederzeit die Möglichkeit, sich in ihre eigenen Zimmer zurückzuziehen. In jeder Wohngruppe gibt es zusätzlich zu den kleineren Bädern auch ein großes Pflegebad mit moderner Ausstattung.

Auch von außen kann sich das 300 000 Quadratmeter große Haus sehen lassen. Drei teilweise unterkellerte Geschosse unter einem flach geneigten Satteldach fügen sich nach Ansicht des Architekten gut in die heimische Bauweise ein. Im Anschluss an seine Ausführungen übergab Lerach einen symbolischen Generalschlüssel – eine Breze in Form eines großen Schlüssels – an die Mitarbeiter und Bewohner des Wohnhauses.

Letztere haben sich bereits gut eingelebt. Das konnte auch Paul Wembacher, einer der Bewohner, bestätigen, als er selbst ans Rednerpult trat. Wie wichtig es ist, dass sich die Bewohner wohlfühlen, machte auch Gerhard John, stellvertretender Vorsitzender der Lebenshilfe Bayern deutlich. »Wir wollen, dass das Haus zu einer zweiten Familie wird. Ich bin mir sicher, dass jeder, der hier einzieht, sich willkommen fühlen wird, weil er willkommen ist.«

Nach den Reden segneten Pfarrer Thomas Frauenlob und der evangelische Pfarrer Peter Schulz das Haus sowie ein Kreuz, das sie gemeinsam mit den Bewohnern im Haus aufhängten. Auch Schulz betonte abschließend den Wert des neuen Wohnprojekts: »Betreuung ist teuer, aber ich wüsste nicht, wofür wir unser Geld besser ausgeben sollten, als für die Menschen.« Weitere Bilder unter www.berchtesgadener-anzeiger.de. Alexandra Rothenbuchner