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Modelle aus der Römerzeit als Vorbild

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Mit vereinten Kräften geht es leichter: die Schüler setzen den Kamin.
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Der Sand muss aus dem Ofen wieder raus.
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Das P-Seminar Latein freut sich über sein vollbrachtes Werk. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Das Praxisseminar Latein am Gymnasium Berchtesgaden hat einen Steinbackofen errichtet, der bei Schulveranstaltungen als Pizzaofen fungieren soll. Vorbild waren die aus der Römerzeit bekannten Modelle in Form eines Kuppelbackofens, die jedoch den heimischen klimatischen Bedingungen angepasst werden mussten, was Baumaterial und Konstruktion anbelangte.


Viel Planung ging der Bauphase voraus, von der Einarbeitung in die Technik von Kuppelbacköfen über die Erstellung der Form mit einem Computerprogramm, Materialkunde bis hin zum Sponsoring reichten die Aufgabengebiete.

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Dann erst ging es ans Bauen mit Betonfundament, steinernem Unterbau mit Bogen und darauf wiederum einer Betonschicht. Beton als Baustoff wirkt zwar modern, ist aber letztlich eine Erfindung der Römer: Sie nannten die Vorstufe aus Steinen, Sand und gebranntem Kalk, dem zur Aushärtung magmatisches Gestein beigemischt wurde, »opus caementitium«, woraus sich das Wort »Zement« ableitet. Es wurde für Wasserleitungen, aber auch für große Teile des Kolosseums verwendet und machte die riesige Kuppel des Pantheons erst möglich.

So weit waren die Schüler also in Übereinstimmung mit dem römischen Vorbild. Auch die Ofenkuppel, als Ummantelung eines Negativmodells aus Sand konzipiert, besteht aus einer Zementschicht, die mit Vollziegeln verstärkt wurde. Selbst hier wurde antikes Baumaterial benutzt, denn schon das Wort »Ziegel« leitet sich aus der lateinischen Bezeichnung »tegula« für den Baustoff ab, aus dem ganz Rom errichtet war.

Statt des bei den Römern beliebten offenen Dachs, durch das der Rauch in alle Richtungen abziehen konnte, entschied sich das P-Seminar hingegen für die Anbringung eines Kamins, der den baulichen Ansprüchen der heimischen Breiten doch mehr entgegenkommt.

Zahlreiche Wochenenden, viel Engagement und Fleiß stecken in dem Bau. Herausgekommen ist ein funktionstüchtiger Steinbackofen, der sich auch optisch durchaus sehen lassen kann.

Nachdem der nasse Sommer den Bau ziemlich verzögert hatte, ging es im milden Herbst flott voran. Jedoch ließen die zu tiefen Nachttemperaturen das Verputzen des Oberbaus vor dem Winter nicht mehr zu. Es wird im Frühjahr geschehen und ist – wie so vieles bei diesem Bau – »selbstverständlich Ehrensache«. fb