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Moderner Heimatsound und Spitzenkonzert von »Django 3000«

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Gute Laune nach dem Gig: die Berchtesgadener Band »BAM«.
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Bejubeltes Bläserfinale: der »holstuonarmusigbigbandclub«
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»Deschowieda« bei ihrem Hit »Meiomeiomei«.
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Hochstimmung auf dem Hochschwarzeck: Das Publikum war vom ersten »Rock on Top« begeistert. Fotos: Tessnow (3), Waßmuth
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Fit wie ein Turnschuh: Ein Paar schwang sogar das Tanzbein.

Ramsau – Völlig unbekümmert und der Statik seines Instruments vertrauend stieg der »Unfried« Michael Fenzl auf die Zarge seines schwarz lackierten Kontrabasses und zupfte eine krachende Polka-Line in den Ramsauer Sommerhimmel. Tanzfreudige Festivalbesucher bejubelten das Eventfinale seines Quartetts »Django 3000« am Freitagabend am Hochschwarzeck. Vor einer grandiosen Bergkulisse und einem sechsstündigen Programm faszinierten bereits im Vorfeld originelle Bands mit einem Cross-over aus alpenländischer Mundartmusik und mehr.


Veranstalter Johannes David Funk präsentierte zum ersten Mal sein abwechslungsreich konzipiertes »Rock on Top«. Das gut organisierte Open Air zog überwiegend ein recht junges Publikum an, für das es einen kostenlosen Shuttle-Service der RVO ab Götschen gab.

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Berchtesgadener Band macht den Anfang

30 Grad, schwitzende Bierbecher, grauer Grillrauch und fidele Livemusik. Als Opener stürmten »BAM« (Berchtesgaden Acoustic Music) die große Bühne. Fröhlich wurde losgecovert. Von Nervosität war bei den fünf jungen Berchtesgadenern keine Spur. Der lustigen Musikergemeinschaft gelang ein frischer Auftakt.

In den angenehm kurzen Umbaupausen unterhielt Comedian Cengiz Öztunc mit humorigen Einlagen die Zuhörer. Er ist Bayer, genauer gesagt Reichenhaller, obwohl sein Name es nicht gerade vermuten lässt. Der sympathische Mann erheiterte mit lustigen Dialektvariationen.

Mit »The Real McCoy« ging es dann stilistisch unsortiert, aber ordentlich rockig zur Sache. Seit 2003 machen die lockeren Frohnaturen aus Teisendorf bereits Musik. Ska-Reggae-Alternativ-Punk oder Melodie-Punkrock. Viele Bläsersätze unterlegten die Grooves der Arrangements. Inzwischen stehen unzählige Gigs in fast jedem Club im Süden Bayerns und auf zahllosen Festivals in ganz Deutschland in der Bandbiografie. Ein wirbelnder Haufen. Auch Besetzungswechsel durchzogen ihr Schaffen, Enthusiasmus und Energie aber blieben. Michi Regner, Bruder des bekannten »DSDS«-Siegers Tobias Regner, hockte hinter den Drums und garantierte für einen kräftigen Drive.

Richtig bairisch im Programm kamen danach drei waschechte Erdinger mit »Schießbudenverstärkung« daher. »Deschowieda«. Fröhliche Volksmusik made in Bavaria. Ein freches-fesches Trio, das musikalisch »gern dahoam« ist. Und a bisserl verrückt. Es wurde gezupft und geblasen, geplattelt und gelöffelt. Über eine Million Klicks soll ihr Song »Nimma« auf »Youtube« erreicht haben. Aus ihrem ersten Album »Heid moi ned an moing denga« erzeugten dann weitere bekannte Titel wie »Meiomeiomei« oder »Der Grantler« ordentlich Stimmung. Passt. Die simplen Autoclips im Internet wurden zu ihrem Markenzeichen. Alles sehr radiokompatibel, amüsant und poppig. Eingängige Melodien in Kombination mit Dialekt. »Deschowieda« sind einfach pfundige Multi-Instrumentalisten.

Provokanter Kontrapunkt

Dann der »holstuonarmusigbigbandclub«. Kurz: hmbc. Volksmusik? Pop? Jazz? Blasmusik? Die sechs Österreicher setzten einen provokanten Kontrapunkt zur omnipräsenten Bassdrum und profilierten sich in einem unsortierbaren Rhythmuswirrwarr. Anfangs funky, danach zeitweilig variabel mit einem schrill-launigen Gesang. Versiert wurden aus traditionellen Themen neue gestaltet. Die Vorarlberger versuchten alles, um nicht zuordenbar zu sein. So kamen viel unerwartetes Timing und Tempo von der Bühne. Ihr »Speed-Blechblas-Outro« wurde herrlich irre inszeniert. Gewagt gekonnt und erfrischend virtuos.

Als Headliner des Open-Air-Finales folgte dann das Konzert-Highlight mit »Django 3000«, der bekannten Folk-Popband aus dem Chiemgau.

Der Bandname »Django« steht für den Sinti-Jazzgitarristen Django Reinhardt, »3000« für ihren Lieblingsgetränkemarkt. Eine schrille Kombination. Aber sie haben sich in der Szene nicht nur integriert, sondern die Spitze attackiert. Kamil Müller (Gesang, Gitarre), Florian R. Starflinger (Geige, Gitarre), Michael Fenzl (Kontrabass, Gesang) und Jan-Philipp Wiesmann (Schlagzeug) rockten wie wild zur späten Stunde das Gelände. Die vier Topmusiker sind zurzeit auf Deutschlandtournee und konnten bereits erste Charterfolge verbuchen. Ihre aktuelle und dritte CD »Bonaparty« schaffte es auf Platz 19.

Die eigenwilligen »Balkan-Bayern« waren sichere Garanten für gute Laune. In bairischer Mundart und mit rauschenden Bärten entlud sich im Nu eine magnetisierende Stimmung. Ein dynamischer Auftritt, perfekter Sound, professionelle Lightshow. Zur strammen Musik hüpfte das Publikum ausgiebig und johlte textsicher mit. Alles nach dem Motto ihres Introsongs »Wuid und laut«. Eine Spitzenband zum Abschluss eines gelungenen Festivals. Konzertresümee: »Summa is, wenn die Heidi kimmt und die Leit zum Tanzen bringt.«

Mehr Bilder gibt es unter der Rubrik »Fotos« auf www.berchtesgadener-anzeiger.de. Jörg Tessnow

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