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Geschäftsführer Bernhard Pointner erläuterte bei der Generalversammlung die Geschäftslage der Molkereigenossenschaft. (Foto: Molkerei Berchtesgadener Land)

Molkerei stemmt sich gegen Preisspirale

Berchtesgadener Land – Coronakrise, Ukrainekrieg, Inflation: Es sind belastende Themen, von denen die 90. Generalversammlung der Milchwerke Berchtesgadener Land geprägt wurde. Denn die Auswirkungen sind bis in die Region zu spüren, wie Geschäftsführer Bernhard Pointner betonte. Deswegen sucht die Genossenschaft nach Strategien gegen steigende Verbraucherpreise.


Allein die Umstände der Generalversammlung zeigten, dass Corona noch nicht überwunden ist: 259 Mitglieder trafen sich im Autokino in Ruhpolding, verfolgten die Reden über Autoradio und hoben Fähnchen zu Abstimmungen aus den Fenstern.

Bei den Ansprachen der Ehrengäste und Molkereivertreter war ein Thema beherrschend: die massiven Preissteigerungen in allen Lebensbereichen. Zwei Jahre Corona und der Ukrainekrieg haben auch weitreichende Auswirkungen auf die heimische Molkereigenossenschaft, ihre rund 1800 Landwirte und die Verbraucher. Der Vorstand des Genossenschaftsverbands Bayern Siegfried Drexl stellte heraus, wie wichtig es in der aktuellen Lage ist, die Nerven zu bewahren und die Weichen für die Zukunft richtig zu stellen. Der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes für das Berchtesgadener Land, Georg Baumgartner, hob die Arbeit der Bauern für die Gesellschaft hervor.

Aufsichtsratsvorsitzender Anton Berger, Vorstandsvorsitzender Andreas Argstatter und Geschäftsführer Bernhard Pointner stellten die aktuelle Lage der Genossenschaft vor. Ebenso legte Pointner ausführlich die Strategie dar, die die Molkerei durch diese Jahrhundertkrise führen soll: Alle Mehrkosten, die auf Seiten der Landwirtschaft und der Molkerei entstehen, auf die Kunden umzulegen, kommt für den Geschäftsführer nicht in Frage.

Vielmehr nimmt er die Molkerei mit einem umfangreichen Sparprogramm in die Pflicht: Geplante Investitionen werden zurückgestellt, das Marketingbudget gekürzt, die Personaldecke eingefroren, Prozesse und das Produktsortiment stehen auf dem Prüfstand und die Gewinnprognose wird »auf null gefahren«. Notwendig wird dies aufgrund der wirtschaftlichen Gesamtsituation, die »mit der Corona-Pandemie vor zwei Jahren begonnen hatte und seit dem Frühjahr von den drastischen Auswirkungen des Ukrainekriegs überholt wird«. Energie, Verpackung, Maschinen, Ersatzteile und Rohstoffpreise steigen nach Pointners Worten unter anderem durch unsichere Verfügbarkeiten, private wie industrielle Lagerhaltung und unterbrochene Lieferketten. Alle Redner betonten, dass die daraus resultierenden Preissteigerungen Verbraucher, Landwirte und die Molkerei als Wirtschaftsunternehmen gleichermaßen treffen.

Für die Genossenschaft ist ein »fairer Milchauszahlungspreis für die Landwirte das Basisziel«. Dass die Molkerei Berchtesgadener Land seit Jahren die Milchpreistabelle angeführt hat, liegt an dem Vertrauen der Kunden, betonte auch der Vorstandsvorsitzende Andreas Argstatter. So lag die Molkerei beim Milchpreis 2021 wieder über dem bayerischen Durchschnitt und bei konventioneller Milch in Deutschland und Österreich erneut an erster Stelle.

Im laufenden Jahr wird diese Position nicht gehalten werden können, machte Aufsichtsratsvorsitzender Anton Berger deutlich und erklärte: »Wichtiger als ein kurzfristig hoher Milchpreis ist es, einen konstant hohen Milchpreis zu zahlen.« Nur so sei eine langfristige Kalkulation auf den Höfen möglich.

Bernhard Pointner kündigte für das laufende Jahr eine weitere Anhebung des Milchpreises an, der seit 2021 bereits schrittweise um 4 Cent angehoben worden ist. Der Geschäftsführer betonte in diesem Zusammenhang auch: »Mit der Auszahlung höchster Milchpreise alleine werden wir die Molkerei nicht heil aus dieser Krise führen: Die Molkerei braucht die Landwirte als wichtigste Rohstofflieferanten, aber ebenso die Kunden für den Kauf unserer Produkte.

Und eins ist klar: Nur wenn beide der Genossenschaft weiter treu bleiben, haben wir eine Chance. Jeder von uns zahlt für diesen Krieg und kein Berufsstand, kein Einzelner wird verschont werden.«

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