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Monsignore Frauenlob und der Pontifikatswechsel

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Monsignore Thomas Frauenlob als Kommentator auf dem Petersplatz (l.) und als Referent beim »Seniorenstammtisch« im Pfarrheim St. Andreas (r.). Fotos: privat
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Berchtesgaden – An den letzten Gottesdienst, den Papst Benedikt XVI. am Aschermittwoch 2013 hielt, wird sich Monsignore Dr. Thomas Frauenlob immer gut erinnern können: Diese Messe, an der er teilnehmen durfte, war an Frauenlobs 50. Geburtstag. Was vor und nach diesem Gottesdienst im Vatikan geschah, darüber berichtete er in einem ebenso informativen wie humorvollen Vortrag beim jüngsten »Seniorenstammtisch« im Pfarrheim St. Andreas.


Der Rücktritt, den Papst Benedikt am Rosenmontag angekündigt hatte, war auch für Frauenlob überraschend gekommen, wenngleich es im Rückblick einige Anzeichen für einen möglichen vorzeitigen Amtsverzicht gegeben hatte. Beispielsweise stand schon lange fest, dass der Heilige Vater nicht am Weltjugendtag im Sommer 2013 werde teilnehmen können, weil ihm die Ärzte lange Flugreisen verboten hatten, und diesen weltweit größten Jugend-Event infrage zu stellen, war eigentlich kaum vorstellbar. Frauenlob widersprach der oft geäußerten Behauptung, Papst Benedikt habe »nicht regiert«: Er besetzte beispielsweise die Chefpositionen in der umstrittenen Vatikanbank neu, ließ die Vatileaks-Affäre analysieren, setzte während seiner Amtszeit 85 Bischöfe ab und entließ im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal nicht weniger als 462 Priester.

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Frauenlob erinnerte an die eindrucksvolle »Inszenierung« des Rücktritts: Am 28. Februar hob ein Hubschrauber mit dem emeritierten Papst im Vatikan ab und verschwand im Abendrot. In Castel Gandolfo angekommen, hielt Benedikt eine kurze Ansprache, die er ganz unspektakulär mit »Buona notte« beschloss. Papst Franziskus nahm später sozusagen diesen Faden auf, als seine ersten Worte an die wartende Menge »Buonasera« waren. Frauenlob konnte in der Folge die Sedisvakanz und das Vorkonklaves aus nächster Nähe miterleben. Während das Vorkonklave dazu dient, durch die Kardinäle aus aller Welt eine »Bestandsaufnahme« zu machen und das notwendige Profil eines Kandidaten für das Papstamt zu beschreiben, bezeichnete Frauenlob das Konklave selbst als eher geistlichen Prozess. Unter feierlicher Anrufung des Heiligen Geistes ziehen die Kardinäle in die Sixtina ein und jeder Kardinal betet, vor dem eindrucksvollen Fresko des Jüngsten Gerichts von Michelangelo stehend und schwört mit lauter Stimme: »Ich rufe Christus, der mein Richter sein wird, zum Zeugen an, dass ich wähle, von dem ich glaube, dass er nach Gottes Willen gewählt werden muss.«

Am zweiten Tag des Konklaves rief Michael Mandlik Monsignore Frauenlob an und bat ihn, mit ihm die BR-Sendung »Stationen Magazin« vom Petersplatz aus zu moderieren und zu kommentieren. Eigentlich früher als erwartet stieg dann während der Livesendung weißer Rauch auf. Kardinal Jorge Mario Bergoglio aus Buenos Aires hatte im fünften Wahldurchgang die nötige Zweidrittelmehrheit erreicht. Frauenlob rief noch mal in Erinnerung, wie der neu gewählte Papst von Anfang an seinen Stil durchzusetzen verstand: Bei seinem ersten Auftritt auf dem Balkon der Peterskirche verzichtete er auf die üblichen Insignien für dieses Zeremoniell: Er trug weder die kostbare Seidenmozetta noch das edelsteinbesetzte Pektorale, auch die roten Schuhe hatte er nicht an. Die Menschenmassen auf dem Petersplatz bat er, »mich zu segnen, bevor ich euch segne«. Frauenlob war auch davon beeindruckt, dass der neu gewählte Papst als Erstes mit den Gläubigen für seinen Vorgänger betete.

Beim Vergleich der beiden Päpste, die sich nach Frauenlobs Worten im Kern weniger unterscheiden als es scheint – die großen Unterschiede liegen im Formalen, Äußerlichen –, betonte der Referent, dass Papst Benedikt seine eigene Person völlig hinter das »Amt« zurückgenommen habe, während Franziskus das Amt deutlich durch seine Person prägt. Frauenlob freute sich, dass nach etlichen Päpsten ohne pastorale Erfahrung erstmals wieder ein »Seelsorger« Papst sei, Franziskus bringe der Seelsorge eine große Wertschätzung entgegen. Als Jesuit habe er zudem eine große innere Freiheit. Abschließend rief Frauenlob die Zuhörer auf, beim »Projekt Franziskus« mitzumachen und dem Papst auf seinem Weg nachzufolgen, »jeder an seiner Stelle und im Rahmen seiner Möglichkeiten«. Dazu genüge es nicht, die Bescheidenheit des Papstes »nachzuahmen«, erforderlich sei eine Änderung im Herzen, in der Gesinnung.

Offenbar hatte Frauenlob in seinem einstündigen, frei gehaltenen Vortrag alles Wissenswerte zu den beiden Päpsten gesagt, denn die anschließenden Fragen drehten sich ausschließlich um andere Dinge: Wie kommt man zum Titel Monsignore? – »Eine amtliche Bescheinigung des Alters«, antwortete Frauenlob launig. Wie geht es mit dem Limburger Bischof weiter? Wie mit dem Weltbildverlag? Wie mit der Piusbruderschaft? Kann Monsignore Frauenlob auch Bischof werden? – »Jeder Priester kann Bischof werden.« Wie wollen Sie angesprochen werden? – »Hier bin ich der Herr Pfarrer.«

Franz Obermeier lud anschließende zur nächsten Veranstaltung des Seniorenstammtisches ein: Am 10. April wird um 14 Uhr die Jägerkaserne in der Strub besichtigt. A.P.