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Mordaualm und Priesbergalm als große Sieger

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In der Kategorie »Nieder- und Mittelalm auf Kalk« holte Franz Kuchlbauer mit seiner Tante Mathilde (r.) von der Mordaualm Platz 1 vor Josef und Elisabeth Wurm (l.) von der Bindalm. Fotos: Anzeiger/Bittner
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Die Salzburger Landeshauptmann-Stellvertreterin Dr. Astrid Rösler kam zur Siegerehrung der Wiesenmeisterschaft 2014. Günter Jaritz (M.), Projektleiter bei der Naturschutzabteilung des Landes Salzburg, moderierte die Veranstaltung. Peter Loreth (r.) saß als Geschäftsführer der Biosphärenregion Berchtesgadener Land mit im Boot des Bewerbs.

BGL/Großgmain – »Wir mussten den Weg erst einmal finden, wir kommen nur alle paar Jahre nach Salzburg«, lachte ein Almbauer aus Tamsweg im Lungau. Er sprach für so viele seiner Kollegen, die das ganze Jahr Tag für Tag für ihren Betrieb – in den Wintermonaten auf dem eigenen Hof im Tal, im Sommer auf der Alm – leben und arbeiten. Die Wertschätzung für ihr Tun, zum Großteil noch echte Handarbeit, ließen sie sich dann aber doch nicht entgehen: die Siegerehrung der EuRegio-Wiesenmeisterschaft 2014 in vier Kategorien. Die Veranstalter hatten die Almbauern ins Salzburger Freilichtmuseum nach Großgmain eingeladen, die Sonne strahlte, das Ambiente hätte nicht schöner sein können.


Die Wiesenmeisterschaft, an der erstmals grenzüberschreitend auch die oberbayerischen Almbauern aus dem Berchtesgadener Land und Traunstein teilnehmen konnten, gibt es seit 2011 bereits im Salzburger Land. Intention der Veranstaltung über vier Monate mit einer abschließenden Rangliste ist es, die Arbeit von Bäuerinnen und Bauern, die durch schonende Bewirtschaftung ihrer Wiesen und Weiden die Artenvielfalt erhalten, zu honorieren. Die schönsten und artenreichsten Almen werden ermittelt und prämiert. Die Jury bestand aus Vertretern von Landwirtschaft und Naturschutz, sie ermittelten rund 30 Preisträger. In Bayern gibt es seit 2009 eine Wiesenmeisterschaft für einen anderen Naturraum, der hauptsächlich Wiesen und Weiden in Tallagen tangierte.

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Mordaualm vorne

Die Auftaktveranstaltung des Bewerbs fand Anfang Juni mit rund 50 Gästen auf der Mordaualm statt – ebenfalls bei wolkenlosem Himmel. Der Kreis schloss sich jetzt in doppelter Weise, da Mordaualm-Bewirtschafter Franz Kuchlbauer aus der Ramsau als großer Sieger der heimischen Konkurrenz in der Kategorie »Nieder- und Mittelalm auf Kalk« hervorging. Er kam mit seiner Tante Mathilde nach Großgmain und freute sich sehr: »Das ist schon eine besondere Auszeichnung, die unsere harte Arbeit auf der Alm bestätigt«. Als faire Zweite gratulierten Elisabeth und Josef Wurm, ebenfalls aus der Ramsau, die gemeinsam mit Michael und Katharina Lichtmannegger vom Kressenlehen in Bischofswiesen die Bindalm bewirtschaften. Josef Wurm tat die Auszeichnung nach einem verregneten Almsommer gut: »Wir sind schon sehr stolz auf den Preis«.

»Überzeugungstäter in Sachen Umweltschutz«

Die Schirmherrschaft übernahmen die Salzburger Landeshauptmann-Stellvertreterin Dr. Astrid Rösler und Dr. Marcel Huber vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz. Der nicht mehr im Amt befindliche Huber wurde durch die neue Umweltministerin Ulrike Scharf ersetzt, zur Siegerehrung kam als ihr Stellvertreter Ministerialrat Dr. Wolfram Güthler, der seinen größten Respekt aussprach: »Ich war als Bub selbst zwei Jahre lang Hirte und weiß, was Sie alle leisten«, wandte sich der Mann aus dem Bayerischen Umweltministerium direkt an die Gäste im festlich dekorierten Bundwerkstadel. Güthler betitelte die Almbauern als »Überzeugungstäter in Sachen Umweltschutz« und sagte ihnen auch weiterhin finanzielle Unterstützung zu.

Die Fachexperten der »eb&p Umweltbüro GmbH« besuchten den Sommer über insgesamt 74 Almen in der Grenzregion. Davon lagen 19 in Bayern (Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land) und 55 im Salzburger Land. Die Almen wurden mittels eines Punktevergabesystems in den Kriterien Naturschutz, Bewirtschaftung und Landschaft bewertet. Die Teilnehmer mussten die Alm mindestens drei Jahre bewirtschaften, ob sie Eigentum oder gepachtet ist, spielte keine Rolle.

Als Projektleiterin fungierte Diplom-Biologin Evelin Köstler von der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege in Laufen im Namen von ANL-Direktor Dieter Pasch sowie in enger Zusammenarbeit mit Peter Loreth, Geschäftsführer der Biosphärenregion Berchtesgadener Land. Die vom Volksmusik-Quartett »Ti-Resi-Musi« musikalisch umrahmte Siegesfeier – die vier jungen Studentinnen aus Salzburg, Tirol und der Steiermark traten erstmals gemeinsam öffentlich auf – moderierte Günter Jaritz, Projektleiter bei der Naturschutzabteilung des Landes Salzburg. Die Preise überreichten Dr. Astrid Rösler und Dr. Wolfram Güthler.

Führend im Artenreichtum

Die siegreiche Mordaualm ist mit 170 Pflanzenarten die artenreichste unter den Bewerteten, darunter befinden sich 16 gefährdete Pflanzen laut Roter Liste Bayerns. Der Blick auf Watzmann, Hochkalter und Reiteralpe ist einzigartig, Fleckvieh und Pinzgauer werden aufgetrieben, Franz Kuchlbauer betreibt Milchwirtschaft und Direktvermarktung auf 180 Hektar Grundfläche.

In der Kategorie »Hochalm auf Kalk« sicherte sich Josef Springl (er konnte nicht zur Siegerehrung kommen) von der Priesbergalm Platz 1. Die Jury sagt unter anderem: »Gepflegte Almweiden durch ausgewogene Beweidung, sehr schönes, artenreiches Übergangsmoor trotz Beweidung, dadurch keine Beeinträchtigung der Artenvielfalt, guter Almkäse aus eigener Herstellung zweier junger Sennerinnen, mehrere Tierkategorien und Rassen, rund 280 Hektar Grundfläche«.

Die höchste Punktzahl aller teilnehmenden Almen erzielte die Hinterseewaldalpe des naturschutzorientierten Thomas Strubreiter im Tennengau. Die oberhalb des Seewaldsees gelegene Alm ist bereits zum dritten Mal Preisträger und zeichnet sich durch eine sehr hohe Artenanzahl auf 29 Hektar aus. Besonderheiten sind lange Steinmauern, die aktiv instand gehalten werden, sowie eine große Lärchweide mit alten Fichten. Im Anschluss an den Festakt wurden alle Preisträger und Gäste mit einer Brotzeit regionaler Produkte verwöhnt. Hans-Joachim Bittner