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Ermittler entdecken bei Roland Burzik Reservierung auf dem Purtschellerhaus – Sepp König: »Er ist nicht gekommen«

Mordverdächtiger in den Berchtesgadener Bergen?

Berchtesgaden – Eine 45-jährige Frau ist am Dienstag vor einer Woche vor ihrer Wohnung in München-Obergiesing erstochen worden. Dringend tatverdächtig ist ihr Exfreund Roland Burzik, der sie zuvor jahrelang verfolgt hat. Nun laufen die Ermittlungen der Mordkommission München auch in den Berchtesgadener Alpen.

Diese Fahndungsplakate hängen unter anderem in den Berghütten der Region aus. Die Polizei Berchtesgaden hat sie an die Hüttenwirte ausgeteilt und »Verhaltenshinweise« gegeben, wie der Berchtesgadener Polizeichef Andreas Heynig auf Nachfrage berichtet. Roland Burzik wird verdächtigt, seine Exfreundin heute vor einer Woche um 15.30 Uhr in München-Obergiesing erstochen zu haben. Er hatte bereits im Frühjahr eine Übernachtung im Purtschellerhaus reserviert. (Foto: Polizei)

Sepp König, Hüttenwirt des Purtschellerhauses, bekam in den vergangenen Tagen Anrufe von der tz, der Abendzeitung und der Polizei. Denn bei den Ermittlungen zu einem Mordfall ist eine Hüttenreservierung aufgetaucht: Der mutmaßliche Mörder hatte eine Bergtour mit zwei Begleitern geplant und wollte auf dem Purtschellerhaus am Hohen Göll übernachten, wie der Hüttenwirt auf Nachfrage berichtet.

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Für diese Reservierung ist bei Sepp König eine Anzahlung nötig. Diese hatten die Polizisten auf einem Kontoauszug des mutmaßlichen Mörders entdeckt und sofort bei dem Hüttenwirt angerufen. »Ich sollte mich melden, wenn er kommt«, sagt er. Aber es kamen nur die beiden Begleiter, mit einer Frau. Burzik habe aus beruflichen Gründen die Bergtour abgesagt.

Da die Beamten der Kriminalpolizei wussten, dass sich Roland Burzik gerne in den Bergen aufhält – er habe eine »Affinität zu den Bergen« – meldeten sie sich auch bei dem Berchtesgadener Polizeichef Andreas Heynig. »Die Ermittlungen führt die Kripo München. Wir beteiligen uns lediglich an der Mitfahndung«, erklärt er auf Nachfrage. Das bedeutet, wenn jemand den Gesuchten sieht, kann er sich auch an die Berchtesgadener Polizei wenden. »Aber wir müssen jetzt nicht zwingend davon ausgehen, dass er hier ist«, versichert der Polizeichef. Zur Sicherheit wurden aber Fahndungsplakate an die hiesigen Hüttenwirte verteilt, und »Verhaltenshinweise« gegeben. Der Wichtigste: Sofort die Polizei rufen. »Keiner muss sich in eine Gefahrensituation begeben. Wenn man den Verdächtigen trifft oder sieht, einfach uns sofort informieren. Am besten unter 110«, betont Heynig. Wer den Verdächtigen sieht, muss ihn nicht ansprechen, aber sollte ihn unauffällig beobachten. Eine direkte Gefahr geht aber nicht von dem Mann aus, vermuten die Ermittler.

Auch der Hüttenwirt Sepp König hat das Fahndungsplakat bekommen, und es auch aufgehängt. »Aber bevor die beiden Begleiter hier übernachtet haben, hab ich den Steckbrief abgehängt«, ergänzt König. Er habe sich keinen Ärger einhandeln wollen, sagt er.

Der Mordfall beschäftigt auch die Medien. Mehrere Zeitungen und auch Online-Medien haben bereits bei Sepp König auf dem Purtschellerhaus angerufen. In der tz München stand zu lesen, Hüttenwirt Sepp König hätte Roland Burzik »auf dem Fahndungsplakat erkannt und wollte ihn in die Falle locken«. »Weil Burzik nicht auftauchte, ging der Plan des Hüttenwirts allerdings nicht auf«, heißt es weiter. König sagt dazu: »Das ist ein Krampf. Das stimmt nicht.« Richtig sei, dass sich die Ermittler an ihn gewandt hätten und um einen Anruf gebeten hätten, sollte Burzik wirklich kommen. »Ich habe den Kommissar dann informiert, dass nur die beiden anderen da sind.«

Der dringend tatverdächtige Roland Burzik ist 180 bis 185 Zentimeter groß und schlank. Er ist 45 Jahre alt. Es besteht die Möglichkeit, dass er einen kurz geschnittenen Oberlippen-Kinnbart trägt. Die Polizei München bittet um Hinweise unter der Telefonnummer 089/2910-0, aber auch die Berchtesgadener Polizei nimmt Hinweise unter 08652/94670, an. Annabelle Voss