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Müssen AV-Mitglieder bald tiefer in die Tasche greifen?

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Bad Reichenhalls Alpenvereins-Vorsitzender und Gastgeber Robert Kern (l.) mit dem Berchtesgadener AV-Chef Beppo Maltan. Maltan ist Sprecher des südostbayerischen Sektionenverbandes und Mitglied im Verbandsrat des DAV. (Foto: Höfer)

Bad Reichenhall – Für die sogenannte Digitalisierungsoffensive hat der Deutsche Alpenverein 9,25 Millionen Euro eingeplant. Bei der neuen Bundesgeschäftsstelle in München liegt man inzwischen bei 24 Millionen Euro. Es braucht Geld für den Erhalt von Wegen und der Hütten, die vielfach in die Jahre gekommen sind.


So wie das Staufenhaus der Sektion Bad Reichenhall. Die war in diesem Jahr Gastgeber des traditionellen Südostbayerischen Sektionentreffens. 18 Sektionen vom Achental bis Freilassing, von Berchtesgaden bis Neumarkt treffen sich alljährlich wenige Wochen vor der Bundesversammlung des DAV.

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Die Themen gehen den Sektions-Vertretern nicht aus. Geld und Finanzen sind immer dabei. Mit 3 Euro mehr könnte die sogenannte Digitalisierungsoffensive jedes A-Mitglied belasten. Die ist nicht unumstritten. So war im letzten Jahr noch von einer »Modulbauweise« die Rede gewesen, die ein erwachsenes Einzelmitglied lediglich mit 60 Cent belastet hätte. »Digitalisierung und Verbesserungen ja«, betonte Gastgeber Robert Kern, »aber braucht jede Sektion eine Komplettlösung?« Viele in der 27-köpfigen Runde meinten nein. »Man sollte sich auf den MV-Manager für die Mitgliederverwaltung konzentrieren«, plädierte Alfhart Amberger von der Sektion Traunstein, während sich Susanne Kern aus Prien Ersatz für ihre »veraltete Homepage« erhofft.

Amberger war der einzige, der der von norddeutschen Sektionen beantragten Beitragserhöhung auf 65 Euro für das A-Mitglied zustimmen will, liegt doch seine Sektion Traunstein mit aktuell 63 Euro nur knapp darunter. Seit 1. Januar 2017 beträgt der Mindestbeitrag für das A-Mitglied 51 Euro. In der kommenden Hauptversammlung in Bielefeld soll auch über eine Erhöhung der sogenannten Hüttenumlage abgestimmt werden, ein Beitrag, den Sektionen ohne eigene Hütten zugunsten von hüttenbesitzenden abzuführen haben. Eine neu zu schaffende Arbeitsgebietsumlage lehnen die südostbayerischen Sektionen einhellig ab.

10 000 Mitglieder in Berchtesgaden

Die Größe dieser Sektionen im Grenzgebiet bewegt sich zwischen rund 1 000 und 10 000 Mitgliedern bei der Sektion Berchtesgaden. Deren Vorsitzender Beppo Maltan ist Mitglied im Verbandsrat des DAV und er ist Sprecher der Südostbayerischen Gruppe. Er hatte gleich eine schlechte Nachricht: Weil im stark frequentierten Kärlingerhaus die Brandschutzanlage für die vielen Tourengeher auf der »Großen Reibn« auch im Winter aktiviert werden müsste und dafür jeweils ein Techniker zur Hütte müsste, werde man das künftig lassen. Maltan hadert generell mit dem »Problem Winterräume«, denn kaum habe der Pächter im Herbst die Hütte versperrt, stünden schon die ersten parat. »Sie verbrauchen eine Menge Holz und machen regelmäßig die Öfen kaputt.«

Das »Sorgenkind« der Sektion Bad Reichenhall ist ihr Staufenhaus. Inzwischen 90 Jahre alt, besteht dringend Sanierungsbedarf. Auch die Abwasserfrage muss geklärt werden. Die Sektion mit 4 700 Mitgliedern hat ein Wegenetz von 130 Kilometern zu betreuen, während andere Sektionen weder Hütten noch Wege haben. So wie Pfarrkirchen. Deren Vorsitzender Rainer Brandl bot Unterstützung an. Kritik übte der Reichenhaller Vorsitzende an den Betreibern des sogenannten Salzalpensteigs, ein »zertifizierter Premiumwanderweg« für den »motivierten Gelegenheitswanderer«. Entsprechende Anforderungen stellten die Betreiber dann an die für die Wege zuständigen Sektionen. »Auch von den Tourismusverbänden wird Druck aufgebaut«, musste Kern erfahren; dabei stünden oft wirtschaftliche Interessen dahinter, während die Sektionen all das ehrenamtlich betrieben.

Gute Erfahrung hat Berchtesgaden mit seinen Wegepaten gemacht. »Die steigern sich so richtig rein«, erzählte Maltan begeistert. Die Reichenhaller Wege-Aktiven dagegen sind inzwischen in die Jahre gekommen, weshalb Kern die Kollegen nach ihren Erfahrungen mit Wegebau-Firmen fragte. Die konnten ihm aber nicht wirklich weiterhelfen.

Wie geht man mit E-Bikern um?

Umstritten ist der Umgang mit der Flut an Elektrorädern im Gebirge. »Ladestationen auf Hütten braucht es nicht«, meinte Hermann Roth von der Sektion Achental. »Der Gast konsumiert und steckt seinen Akku an«, sieht Maltan das pragmatisch. Trail-Fahrten und Downhill-Raser seien kaum aufzuhalten, ist Thomas Kirchleitner von Teisendorf überzeugt, gerade Teisenberg und Högl seien begehrte Ziele. Er meint: »Verbote sind kein Weg.« Maltan appellierte an die einzelnen Regionen, die Sache in Griff zu kriegen; in Berchtesgaden zögen Alpenverein, Nationalpark und Tourismus erfolgreich an einem Strang.

Sollen Mitglieder wieder mehr Rechte auf den Alpenvereinshütten bekommen? Jedenfalls zielt ein Antrag zur Hauptversammlung in diese Richtung. So sollen professionelle Anbieter maximal 25 Prozent der Schlafplätze belegen dürfen; Nichtmitglieder frühestens einen Monat vorreservieren können. Während Maltan eine solche Regelung skeptisch betrachtet, plädierte Kern doch für eine Stärkung der Mitgliederrechte. Dazu gehört auch die Versicherung. Die aber laut Maltan vielfach missbraucht wird. »Die Zahl der Bergwachteinsätze ist enorm.« Zum Teil würde sogar aus Bequemlichkeit ein Hubschrauber angefordert. Der Sprecher plädierte daher für eine Selbstbeteiligung von 300 Euro. Martin Skowronnek aus Trostberg möchte dazu erst »Fakten« haben, denn schwarze Schafe gebe es überall. Eva Wick von der Sektion Neuötting-Altötting erwartet eine scheibchenweise stärkere finanzielle Belastung der Mitglieder. Und schließlich wisse man nicht, was bei der nächsten Mehrjahresplanung herauskomme. »Der Bundesverband hat so viel Geld«, platzte es da aus dem Verbandsrat Maltan heraus; der fügte aber gleich hinzu, dass man das durchaus in der Presse lesen dürfe.

Der Bundesverband habe ein zeitgemäßes Hütten-Reservierungssystem verschlafen. »Ohne E-Payment kannst du das in der Pfeife rauchen«, meint Maltan. Besser sei da das sogenannte »Hütten-Holiday«. Dass man sich da mit all seinen persönlichen Daten anmelden müsse, behagt Peter Parsiegla von der Sektion Achental nicht. Johann Wick, Naturschutzreferent der Sektion Neuötting-Altötting und gleichzeitig Verkehrsmanager im Landratsamt Berchtesgadener Land, warb für Bergtouren mit der Bahn. »Der Alpenverein ist ein Naturschutzverein und hat Vorbildfunktion.« Der kommende Stundentakt zwischen Mühldorf und Freilassing böte »gute Möglichkeiten für Rundwege mit den Öffis«. Hannes Höfer

 

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