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Musikalisch eintauchen in eine stade Zeit

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Besinnliche Stimmung durch ein kunstvoll arrangiertes Programm: Das Vokalensemble ChorissiMa berührte die Zuhörer bei seinem Weihnachtskonzert in der Franziskanerkirche. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Als kleinen, aber feinen Höhepunkt der Adventszeit bescherte das Konzert des Vokalensembles ChorissiMa unter der Leitung der Musiklehrerin Barbara Ma einen besinnlichen und dennoch freudigen Moment in der Vorweihnachtszeit. Advents- und Weihnachtslieder aus verschiedenen Jahrhunderten und verschiedenen Regionen des Erdballs erklangen in der adventlich geschmückten Franziskanerkirche, brachten den Zuhörern den ursprünglichen Sinn der Weihnachtsbotschaft nahe und entließen sie mit einem beschwingten Herzen in den Winterabend.


Schon die Vorabendmesse in der Franziskanerkirche hatten die Sänger von ChorissiMa durch vier vortrefflich ausgewählte und schön intonierte Kirchenlieder bereichert, aber wer nach der Messe in der Kirche blieb oder zu der Zuhörerschaft stieß, erlebte eine noch größere Vielfalt der Sangeskunst. Nach »Maria durch ein Dornwald ging«, einem getragenem festlichen Lied zum Einstieg, folgten nach und nach etwas schwungvollere und fröhlichere Lieder, wobei der Chor seine Stärken im à capella-Gesang ohne jegliche Instrumentalbegleitung geschickt ausspielte: Gute Intonation und lebendige Dynamik sorgten für ein schönes und abwechslungsreiches Klangerlebnis.

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Durch ihre launigen und mit netten Informationen gespickten Ansagen zog die Chorleiterin, die Berchtesgadener Musiklehrerin Barbara Ma, das Publikum schnell in ihren Bann. So gelang es ihr schon beim fünften Lied, dem »Ubi sunt gaudia«, das Philipp Hayes im 19. Jahrhundert komponiert hatte, die Zuhörer in einen Kanon einzubeziehen. Unterstützt durch den Chor erlernten Frauen und Männer im Publikum ihren Part schnell und schafften dann einen schönen Klangteppich für den von den Chorsängern vierstimmig vorgetragenen Kanon.

»Hodie Christus natus est« beschloss eine kleine Gruppe lateinischer Lieder – doch stammte gerade dieses letzte lateinische Lied nicht aus früheren Jahrhunderten, sondern ein zeitgenössischer Komponist, Rihards Dubra, aus dem Baltikum hat es komponiert. Anspruchsvolle Rhythmuswechsel forderten das Vokalensemble wahrlich heraus, doch meisterten die Sänger, unterstützt durch die Klavierbegleitung von Barbara Ma, dieses diffizile moderne Lied ebenfalls mit Bravour.

Um diejenigen Menschen, die nicht so unbeschwert wie die Anwesenden auf Weihnachten zugehen können, nicht zu vergessen, hatte der Chor drei besondere Lieder in seinem Repertoire: eins aus Venezuela, ein italienisches Lied zum Gedenken der Erdbebenopfer und ein afrikanisches Weihnachtslied. »Leider können wir kein syrisches Lied singen, sonst könnten wir jetzt für Aleppo singen«, bedauerte die Chorleiterin, doch gelang das Innehalten im Gedenken für die vom Schicksal übel Getroffenen auch so sehr gut. Während die Sänger das venezuelische und das italienische Lied eher ruhig und einfühlsam vortrugen, begeisterte das afrikanische Weihnachtslied durch seine Fröhlichkeit: Barbara Ma übernahm, begleitet von ihrem Sohn David auf der Trommel, die in Afrika klassische Vorsängerrolle und der Chor antwortete mit mehreren unterschiedlichen, sauber verschränkten Stimmen.

Im letzten Drittel spielte das Vokalensemble ChorissiMa, das durch seine schwarze Kleidung mit kleinen roten und grünen Farbtupfern in Form von Schals oder Stirnbändern ein gefälliges Gruppenbild formte, noch mal seine Stärken aus: Bei dem irischen »Lord of the Dance« übernahmen die wenigen, aber starken Männerstimmen einen interessanten Gegenpart zu den Frauen. Ohnehin merkte man dem Chor immer wieder an, dass sie selbst die größte Freude an ihrer Musik hatten – und auch, dass sie von Barbara Ma bestens angeleitet worden waren: Jedes einzelne Wort in den Strophen war gut zu verstehen und auch bei den Tönen zeigten sich die Sänger absolut treffsicher.

Das Lied »Gott hat mir längst einen Engel gesandt« aus dem Musical »Daniel« sorgte bei vielen Zuhörern noch mal für Gänsehaut, bevor der Gospel »Precious Lord, take my Hand« als gesungenes Abendgebet einen besinnlichen Schlusspunkt unter das abwechslungsreiche Konzert setzte. Die Zuhörer bekundeten mit lang anhaltendem Applaus und lobenden persönlichen Worten, dass sie eine Stunde erlebt hatten, die sie in den wahren Sinn der staden Zeit eintauchen ließ. ERK

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