weather-image
-1°

Musikalische Träumereien

4.0
4.0
Bildtext einblenden
Sabine Beese (l.) und Ingeborg Weber brachten ihre »Träumereien« auf Schloss Fürstenstein. (Foto: Meister)

Berchtesgaden – Im schönen Saal des einstigen fürstpröpstlichen Lustschlosses Fürstenstein stimmte Ingeborg Weber ihr Instrument. Zusammen mit Sabine Beese lud sie dann zum musikalischen Genuss. Der Kulturkreis Berchtesgaden, immer auf der Suche nach interessanten Veranstaltungsorten und ebensolchen musikalischen Köstlichkeiten, ist auf Fürstenstein schon mehrfach fündig geworden. Auch diesmal.


Die Dame an der Harfe wurde in Salzburg geboren, der Mozartstadt, die andere in Halle an der Saale, der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels. Zudem hat Sabine Beese in Leipzig studiert, wo man neben Johann Sebastian Bach vor allem Felix Mendelssohn-Bartholdy huldigt. Und musikalisch hingezogen fühlen sich beide zum Jazz. Das scheint bemerkenswert. Und, von einer Mendelssohn-Bartholdy-Bearbeitung abgesehen, kam auch keiner der oben erwähnten Musiker im Konzert vor. Dafür stand im Programmheft vielfach der Name von Reinmar Henschke als Komponist und einfühlsamer Bearbeiter. Henschke, schon zu DDR-Zeiten als zum Jazz hingezogener Komponist und Pianist erfolgreich aktiv in Sachen Jazz, Rock und improvisierter Musik, genießt die Vorliebe der beiden Musikerinnen, mindestens die von Sabine Beese.

Anzeige

Die Dame am Klavier hat eine geschmeidige, modulierfähige Stimme, die sie, um beim Leitthema des frühen Abends zu bleiben, traumhaft einsetzen kann bei den »alten Schlagern« aus Amerika wie dem 1931 erstmals aufgenommenen »Dream a Little Dream of Me«, mit dem sich vor ihr viele Größen des Pop und Jazz in die Publikumsherzen zu singen vermochten und dem nun die Sängerin am Piano scheinbar mühelos folgen kann.

»Smile« ist ein im Jahre 1936 von Charlie Chaplin für seinen Film »Moderne Zeiten« komponierter Song. Ohne Text damals noch, der kam knapp zwei Jahrzehnte später dazu. Sabine Beese nahm die Botschaft wohl dankbar auf, nämlich zu lächeln und die Dinge positiv zu sehen, weil Weinen letztlich auch keinen Sinn mache. Das stimmte auch auf Fürstenstein. Kleine Holprigkeiten wurden charmant fortgelächelt. Die neu eingezogene Saite, weil die alte dem Höhenklima von Fürstenstein wohl nicht gewachsen war und sich vor dem ersten offiziellen Ton verabschiedet hatte, wurde von Ingeborg Weber lächelnd immer mal wieder nachgestimmt.

Es war ein schönes, kleines Konzert, angereichert mit Miniaturen aus dem Bereich Ohrwurm und verziert mit kurzen Gedichten von Heinz Erhard, Christian Morgenstern oder Joachim Ringelnatz. Wunderbar beispielsweise »Send in the Clowns«, erinnernd an Ingmar Bergmanns Film »Das Lächeln einer Sommernacht«.

Es war indes noch lange nicht Nacht, als Ingeborg Weber und Sabine Beese sich an Clara Schumanns »Sie liebten sich beide« erinnerten, bearbeitet von Reinmar Henschke, und dann vom »Like a lover« schwärmten, von Sabine Beese mit warmem Timbre und erfrischend sinnlicher Leichtigkeit in den schönen Saal gehaucht.

Das erwähnte »Venezianische Gondellied« von Mendelssohn-Bartholdy erklang noch im Harfe-Piano-Duett, noch ein Ohrwurm mit Jacques Offenbachs »Barcarole« und letztlich nahmen die beiden Musikerinnen ihr zufriedenes Publikum mit in die »Night in Teheran«. Es lässt sich vermutlich leicht erraten, aus wessen Feder diese musikalische Erinnerung floss. Zwei Zugaben noch und dann war ein schönes Konzert mit dem Duo HarPia zu Ende und man durfte »beswingt« in die langsam beginnende »Night in Berchtesgaden« entschwinden. Dieter Meister

- Anzeige -