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Musikalischer Hochgenuss mit mitreißenden Melodien

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Passend zu »El Cumbanchero« von Rafael Hernández trug der Kapellmeister einen überdimensional großen Sombrero. (Fotos: Janoschka)
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Vier »launische« Klarinetten – und eine Querflöte.

Berchtesgaden – »Gemeinsam mehr erreichen« ist das Motto der Bürgerstiftung Berchtesgadener Land, die zu einem Benefizkonzert mit der Bergknappenmusikkapelle Bad Dürrnberg unter der Leitung von Kapellmeister Johann Ebner ins AlpenCongress Berchtesgaden eingeladen hat. Dieses Motto gilt auch für andere gemeinsame Projekte. Das bewies die Blaskapelle, die mit ihren 80 Musikern und einem bunten Musikprogramm das große Publikum mit klassischer und Unterhaltungsmusik in eine besondere Atmosphäre versetzte.


Ob romantisch oder jazzig, ob getragen oder schwungvoll, die Formation begeisterte in allen Arrangements mit ihrem musikalischen Einfühlungsvermögen. Mit klarem Dirigat nahm Johann Ebner das Publikum mit auf eine Reise durch die Welt mit Stationen in Ungarn, Amerika, Südamerika, Spanien, Griechenland und Böhmen.

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Stellvertretender Stiftungsvorstand Simon Zuhra begrüßte die Anwesenden im Namen seiner Vorstandskollegen Josef Frauenlob und Wolfgang Böhm nach dem schwungvollen ersten Stück »Von Freund zu Freund« des jungen Tiroler Komponisten Martin Scharnagl. Er freute sich über »die Verbundenheit des Publikums mit der Bürgerstiftung und mit den Hauptakteuren des Abends, die ohne jede Gage musizierten«, sodass alle Spenden zu Hundert Prozent der Bürgerstiftung Berchtesgadener Land und damit den Spendenempfängern zufließen können. Das sind aktuell das BRK und die Wasserwacht Berchtesgaden. Zuhra informierte außerdem über die Aktivitäten der Stiftung.

Mit Johannes Brahms (1833-1897) ungarischem Tanz Nr. 5 und seinen einerseits schnellen Bewegungen, aber andererseits langen Spannungspausen vor den Ritardandi gab die Bergknappenmusikkapelle das hohe Niveau vor, auf dem das Blasorchester die verschiedenen Genres im Laufe des Programms darbot.

Bekannte Melodien aus Aida, Rigoletto, La Traviata und der Troubadour von Giuseppe Verdi (1813-1901) ließen die verschiedenen Opernszenen vor dem geistigen Auge der Zuhörer entstehen. Auch die Höhepunkte aus der »West Side Story« von Leonard Bernstein (1918-1990) versetzten das Publikum mit »Maria« und »I want to be in America« mit seinem Wechsel von Zweier- zu Dreiertakt oder mit »Tonight« in die tragische Handlungsthematik dieses Musicals. Bravo-Rufe und Jubel gab es nach diesem kontrastreichen Wechsel von getragenen und schwungvollen Melodien. Solistisch traten die vier Posaunisten der Blaskapelle im »Posaunen-Express« von Walter Tuschla (1938-2011) auf, einem schmissig-schwungvollen Dixie-Marsch mit einem dreistimmigen Posaunensatz voller Glissandi und rhythmischer Besonderheiten.

»Für die Abenteurer des Abends ist die Indiana Jones Selection von John Williams gedacht«, sagte Elisa Moser-Schwaiger, die sich mit dem Kapellmeister Johann Ebner bei der Ansage abwechselte. Schöne Tuttiklänge wechselten hier mit melodisch hervortretenden Tenorhörnern und einem solistischen Englischhorn. Wirkungsvoll begann der zweite Teil nach der Pause mit einem Trommelwirbel auf der Djembe, zu deren Klängen der Kapellmeister mit einem überdimensional großen Sombrero erschien und temperamentvoll »El Cumbanchero« von Rafael Hernández (1892-1965) mit puerto-ricanischen Rhythmen dirigierte.

Im Reigen der Höhepunkte folgte mit »A Tribute to Lionel« von André Waignein (1942-2015) ein jazziges Solostück für Vibraphon mit dem 16-jährigen Christoph Brandner aus Berchtesgaden. Synkopisch-herausfordernd in den langsamen Teilen, verlangte das Stück virtuose Beweglichkeit der Schlegel in den schnellen Abschnitten. Freddie Mercurys (1946-1991) »Bohemian Rhapsody« mit ihren harmonischen Einfällen und kontrastreichen Tempo-Gestaltungen war ebenso mitreißend gespielt wie das Stück »Launische Klarinetten« von Frantisek Manas (1921-2004), bei dem Markus Ebner, Julia Wendlinger, Elisa Moser-Schwaiger und Julia Stangassinger ihr solistisches Können auf der Klarinette unter Beweis stellten. »Wir haben schon eine große Freude mit unserer Jugend«, kommentierte der Kapellmeister und lobte ihre Leistung. Nach spanischem Flair in »Alcazar« von Kees Vlak, alias Llano (1938-2014) und in »Spanischer Zigeunertanz« von Pasqual Marquina (1873-1948) endete die Weltreise mit zwei Zugaben – nach »Zorba's Dance« von Mikis Theodorakis (*1925) und einem Zwischenstopp in Griechenland ging es zurück nach Böhmen.

Vater und Sohn, Michael und Markus Höllbacher, setzten dem Programm ein i-Tüpfelchen auf und sangen hingebungsvoll »Du weißt, ich liebe dich« aus der Polka »Böhmische Liebe« von Mathias Rauch.

Simon Zuhra wies auf den Glühweinstand der Bürgerstiftung am Unteren Lindenplatz in Bad Reichenhall hin, für den die Besucher Gutscheine erhielten, und dessen Erlöse ebenfalls zu Hundert Prozent in die Bürgerstiftung Berchtesgadener Land fließen. Abschließend übergab er dem Dirigenten Johann Ebner ein großes Geschenkpaket.

Die Bürgerstiftung BGL

Die Stiftung BGL wurde 2004 von der damaligen Volksbank Raiffeisenbank BGL eG (heute Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost eG) anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens für die Bürger des Berchtesgadener Landes als erste Bürgerstiftung im Landkreis ins Leben gerufen. Sie fördert und unterstützt gemeinnützige Institutionen und deren Projekte sowie Mitbürger in finanzieller Notlage im BGL. Dazu bündelt sie das finanzielle Engagement leistungsfähiger Bürger sowie Unternehmen unter dem Motto »Gemeinsam mehr erreichen«.

In den vergangenen Jahren seien mit über 850.000 Euro mehr als 450 gemeinnützige Projekte und in Not geratene Menschen unterstützt worden. Schwerpunkte waren das Eishallenunglück oder das Juni-Hochwasser, das Gesundheits- und Rettungswesen, die Bereiche Bildung und Erziehung, Brauchtum und Kultur sowie der Breitensport.

Brigitte Janoschka